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Muslim-Studie: Innenministerium gibt Falschauskunft vor Bundestag zu

Für Innenminister Friedrich ist es ein peinliches Eingeständnis: Sein Ressort gibt zu, den Bundestag im Zusammenhang mit einer Muslim-Studie falsch informiert zu haben. Die Linke nennt ihn einen "Lügenminister".

Hans-Peter Friedrich: Die Linke wirft dem Minister "Lüge" vor Zur Großansicht
dapd

Hans-Peter Friedrich: Die Linke wirft dem Minister "Lüge" vor

Berlin - Die Linke hat einen neuen Namen für Hans-Peter Friedrich: Vom "Lügenminister" spricht die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen. Der CSU-Politiker habe zusammen mit seinem Staatssekretär Christoph Bergner das Parlament getäuscht und müsse sich "dringend erklären".

Dagdelen reagiert damit laut einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" auf die Antwort des Innenministeriums auf eine Anfrage der Linken zu einer umstrittenen Muslim-Studie, die das Ministerium am 1. März veröffentlicht hatte. Das Ministerium hat demnach in seiner Antwort auf die Anfrage eingeräumt, den Bundestag im Zusammenhang mit der Vorabveröffentlichung der Studie falsch informiert zu haben. Demnach hat die "Bild"-Zeitung die Studie zur Integrationsbereitschaft von Muslimen entgegen früheren Angaben doch vorab vom Ministerium erhalten.

"Junge Muslime verweigern Integration", hieß es Ende Februar auf der Internetseite der "Bild"-Zeitung - und damit vor der Veröffentlichung des Papiers am 1. März. Der Artikel nahm Bezug auf eine Studie, die das Innenministerium in Auftrag gegeben hatte. In dem Bericht war von angeblichen Massen von Integrationsverweigerern unter jungen Muslimen die Rede - es war eine sehr fragwürdige Darstellung der Studie, Autoren der Untersuchung distanzierten sich und sprachen von Verzerrung.

Falsche Darstellung durch den Staatssekretär

Unklar war damals, wie die Studie vor der Veröffentlichung an die "Bild"-Zeitung gelangt war. Friedrich bestritt am 1. März im ZDF, sein Ministerium habe die Studie lanciert. "Also, diese Studie ist nicht aus meinem Haus herausgegeben worden", sagte er im ZDF. Später sagte Innenstaatssekretär Bergner im Bundestag: "Es hat keine öffentliche oder wie auch immer geartete Übergabe dieser Studie durch das Bundesinnenministerium an die Medien gegeben."

Diese Darstellung Bergners ist aber nicht richtig: Kurz vor Beginn der Islam-Konferenz am Donnerstag musste das Ministerium in der Antwort auf eine parlamentarische Anfrage der Linken einräumen, dass dies eine Falschauskunft an die Abgeordneten war. Das Ministerium schreibt, dass die "Bild"-Zeitung von der Pressestelle doch ein Vorabexemplar der Studie erhielt, angeblich zur Vorbereitung eines Interviews.

Vorabexemplare werden vor der offiziellen Veröffentlichung verschickt. Weil das Ministerium die Studie am 1. März online stellte, muss es die "Bild"-Zeitung also früher erhalten haben. Bild.de hatte einen Tag früher, am 29. Februar berichtet. Laut Ministerium wusste Friedrich davon nichts.

hen/dpa

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1. Falschüberschrift
fludd 20.04.2012
Die Überschrift des Artikels lässt vermuten, dass Friedrichs Aussagen zum Inhalt der Migrationsstudie fehlerhaft gewesen seien. Doch sofern ich den Artikel (der mir ein wenig konfus vorkommt) recht verstehe, dann geht es eher um Nebensächlichkeiten, z.B. wer wann und warum von der Studie wusste. Gibt es keine echten Probleme? z.B. Das der Migrationsverweigerer?
2. Friedrich ist untragbar !
horst hanson 20.04.2012
Zitat von sysopdapdFür Innenminister Friedrich ist es ein peinliches Eingeständnis: Sein Ressort gibt zu, den Bundestag im Zusammenhang mit einer Muslim-Studie falsch informiert zu haben. Die Linke nennt ihn einen "Lügenminister". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828677,00.html
Wenn das Ministerium eine solch sensible Studie vorab der Bildzeitung übermittelt, muss das Konsequenzen haben. Die Tatsache alleine, dass die Bildzeitung vor anderen Medien Informationen erhält, rechtfertigt eine Rücktrittsforderung an Friedrich. Vor diesem Hintergrund man muss sich nicht wundern, wenn einen Partei ohne Programm immer mehr Zuspruch erhält.
3. nee
dadanchali, 20.04.2012
Zitat von fluddDie Überschrift des Artikels lässt vermuten, dass Friedrichs Aussagen zum Inhalt der Migrationsstudie fehlerhaft gewesen seien. Doch sofern ich den Artikel (der mir ein wenig konfus vorkommt) recht verstehe, dann geht es eher um Nebensächlichkeiten, z.B. wer wann und warum von der Studie wusste. Gibt es keine echten Probleme? z.B. Das der Migrationsverweigerer?
Ja es gibt ein echtes Problem, das Demokratieverständnis des Herrn Friedrich und seiner Entourage! Scheint bei CSU Ministern gang und gebe die Dummdeutschenpostille vor dem Parlament zu informiern, der falsche Dr. hats ja auch drauf gehabt. Übrigens lieber Spon eine offenbare Lüge als Falschauskunft zu verniedlichen ist auch schon eine kleine Lüge.
4. Und WO
dalesmith 20.04.2012
Zitat von sysopdapdFür Innenminister Friedrich ist es ein peinliches Eingeständnis: Sein Ressort gibt zu, den Bundestag im Zusammenhang mit einer Muslim-Studie falsch informiert zu haben. Die Linke nennt ihn einen "Lügenminister". http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,828677,00.html
ist der Fehler des Innenministeriums?
5.
loeweneule 20.04.2012
Zitat von horst hansonWenn das Ministerium eine solch sensible Studie vorab der Bildzeitung übermittelt, muss das Konsequenzen haben. Die Tatsache alleine, dass die Bildzeitung vor anderen Medien Informationen erhält, rechtfertigt eine Rücktrittsforderung an Friedrich. Vor diesem Hintergrund man muss sich nicht wundern, wenn einen Partei ohne Programm immer mehr Zuspruch erhält.
Aber aber! Wußten Sie nicht, daß "Bild" das Verlautbarungsorgan der Bundesregierung ist. Wenigstens dann, wenn sie von der Union geführt wird?
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Die Islamkonferenz
Für wen gibt es sie?
In Deutschland leben nach Angaben des Innenministeriums etwa vier Millionen Muslime, knapp die Hälfte von ihnen besitzt die deutsche Staatsangehörigkeit. Seit 1961 hatte Deutschland bis zum Anwerbestopp 1973 aus islamisch geprägten Ländern Arbeitskräfte ins Land geholt, vor allem aus der Türkei. Die meisten Zuwanderer kamen damals aus der bildungsfernen Unterschicht. Ihre Integration war lange kein Thema. Die Deutsche Islamkonferenz (DIK) wurde 2006 vom damaligen Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) ins Leben gerufen.

Wer sind die Teilnehmer?
In den vergangenen sechs Jahren hat sich die Zusammensetzung der Teilnehmer der Islamkonferenz mehrmals verändert. Friedrichs Vorgänger Thomas de Maizière hatte die zehn muslimischen Einzelpersonen, die an der Konferenz teilnehmen, ausgetauscht - etwa die Soziologin Necla Kelek nicht mehr eingeladen. Friedrich hat erneut neue Leute ins Plenum gerufen. Von muslimischer Seite nimmt der Verband Ditib, der Verband der Islamischen Kulturzentren, die Alevitische Gemeinde, die Türkische Gemeinde, die Islamische Gemeinschaft der Bosniaken, der Zentralrat der Marokkaner in Deutschland. Die beiden konservativen Verbände Islamrat und Zentralrat der Muslime sind seit dem Jahr 2010 nicht mehr dabei. Der Islamrat darf nach einer Entscheidung von de Maizière nicht mehr teilnehmen, weil strafrechtliche Ermittlungen gegen hohe Funktionäre seines größten Mitglieds Milli Görüs liefen. Von staatlicher Seite gibt es 17 Vertreter: jeweils sechs von Bund und Ländern sowie fünf von Kommunen.

Worum geht es?
Die zweite Phase der Islamkonferenz, die 2010 begann, soll stärker praktisch ausgerichtet sein und konkrete Fragen behandeln. Dazu gehören die Schaffung islamisch-theologischer Lehrangebote an deutschen Hochschulen, islamischer Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, die Prävention radikaler Formen des Islam und die Gleichberechtigung von Mann und Frau. Bis zur nächsten Plenumssitzung im Jahr 2013 will sich die Islamkonferenz mit dem Thema Prävention von Extremismus beschäftigen, ein Schwerpunkt soll der Kampf gegen Islamfeindlichkeit sein.

Islam
Geschichte
Der arabische Begriff "Islam" bedeutet "Unterwerfung", gemeint ist "unter den Willen Gottes". Er bezeichnet die jüngste der drei monotheistischen Weltreligionen. Der Islam entstand im 7. Jahrhundert auf der arabischen Halbinsel im heutigen Saudi-Arabien. Schon bald nach dem Tod des Propheten Mohammed stieg das islamische Reich zur Weltmacht auf.
Islam , Christentum und Judentum eint vieles, zum Beispiel die zentrale Bedeutung der Beziehung zwischen Gott, dem Schöpfer, und dem Menschen, seinem Geschöpf. Auch spielen viele aus dem Alten und Neuen Testament bekannte Propheten eine Rolle im Islam.
Die fünf Säulen des Islam sind das Glaubensbekenntnis, das fünfmalige tägliche Gebet, die Spende an die Armen, das Fasten im Monat Ramadan und die Pilgerfahrt nach Mekka ( Hadsch ). Über eine Milliarde Menschen bekennen sich zum Islam, in über 50 Staaten stellen Muslime die Mehrheit die Bevölkerung. Rund zehn Prozent der Muslime sind Schiiten , fast alle übrigen Sunniten .
Mohammed
Mohammed war der Empfänger des Koran : Ihm erschien der Erzengel Gabriel, er gab Gottes Offenbarung an die Mekkaner weiter. Die freilich wollten von der aufrührerischen neuen Lehre zunächst nichts wissen und ihren Polytheismus nicht aufgeben. Mohammed verließ seine Heimatstadt daraufhin und zog mit seinen ersten Unterstützern ins rund 300 Kilometer entfernte Yatrib, das spätere Medina. Dort stieg Mohammed bald zum Führer seiner stetig wachsenden Gemeinde auf. Schließlich schlossen sich auch die Mekanner dem Islam an.
Mohammed war Prophet, Richter, Heerführer und Herrscher in einer Person. Aber anders als etwa Jesus für die Christen ist er nach islamischer Ansicht weder sündenfrei noch göttlichen Ursprungs gewesen. Gleichwohl gilt er den Muslimen als das beste Vorbild. Außer dem Koran sind die Sammlungen von Mohammeds Taten und Aussprüchen deshalb wichtige Texte für die islamische Glaubenspraxis und Rechtsfindung.
Mohammed entstammte einem verarmten Zweig eines wichtigen mekkanischen Stammes, den Koreischiten. Schon bevor ihm der Engel Gabriel erschien, soll er sich regelmäßig als Eremit zum Kontemplieren und Meditieren zurückgezogen haben - eine damals nicht völlig unübliche Praxis. Mit welchen anderen religiösen Vorstellungen Mohammed vertraut war, ob er Umgang mit christlichen oder jüdischen Religionsgelehrten hatte, ist ungewiss. Aber Mohammed war auch Kaufmann, er begleitete Karawanen, zum Beispiel in den syrischen Raum. Es ist wahrscheinlich, dass er dabei mit einer Vielzahl von Glaubensvorstellungen in Berührung kam.
Koran
"Koran" bedeutet in etwa "Das Vorzutragende" und beschreibt die Summe der Offenbarungen, die der Prophet Mohammed von Gott empfing - übermittelt durch den Erzengel Gabriel.
Bald nach dem Tod des Propheten (632 n. Chr.) begannen die Versuche, aus den bis dahin vor allem mündlichen Überlieferungen einen gemeinsamen, authentischen und schriftlich kodifizierten Koran zu kompilieren - ein Unternehmen, das erfolgreich war, denn heute gibt es zwar noch einige abweichende Lesarten des Koran, aber im Wesentlichen beziehen sich alle Muslime, egal ob Sunniten oder Schiiten , auf denselben Text.
Der Koran ist in Suren gegliedert, die wiederum aus Versen bestehen. Der Koran ist nach Länge der Suren geordnet - aber auch eine zeitliche Ordnung lässt sich einigermaßen sicher rekonstruieren. So unterschieden sich die sehr früh geoffenbarten Suren stilistisch und inhaltlich deutlich von den späteren, die weniger poetisch sind und zahlreiche klare Anweisungen enthalten.
Nach orthodox-islamischer Vorstellung ist der Koran (anders als die Bibel ) die wörtliche Rede Gottes - er ist deswegen unveränderlich und überall und zu jeder Zeit gültig. Das heißt aber nicht, dass er nicht der Interpretation zugänglich wäre: Zahllose islamische Gelehrte haben dem Koran in 14 Jahrhunderten immer wieder neue Facetten abgerungen und ihn für das tägliche Leben anwendbar gemacht.
Mekka
Mekka ist als Geburtsort des Propheten Mohammed die heiligste Stadt und der wichtigste Wallfahrtsort des Islam . Mittelpunkt Mekkas ist die Kaaba im Hof der Hauptmoschee. Jeder Moslem muss einmal im Leben dieses Heiligtum im Westen von Saudi-Arabien besuchen - vorausgesetzt, seine Gesundheit und finanziellen Mittel lassen die Reise zu. Nicht-Moslems dürfen die nähere Umgebung der Stadt nicht betreten.
In der ganzen Welt richten sich die Gebetsnischen der Moscheen nach Mekka und zeigen damit den Betenden die Richtung an, in die sie sich niederzuwerfen haben.
Mekka ist ein reines Kult- und Kulturzentrum ohne Industrie oder Landwirtschaft.
Kaaba
Die Kaaba ist ein würfelförmiges Gebäude in Mekka , das heute von einer riesigen Moschee umbaut ist. Sie ist das Zentrum der islamischen Religion, zu ihr wenden sich alle Muslime beim Ritualgebet, zu ihr pilgern alljährlich Millionen Gläubige. Sie umkreisen den Bau und versuchen, den in die Ostecke eingelassenen schwarzen Stein (möglicherweise ein Meteorit) zu küssen.
Schon in vorislamischer Zeit war die Kaaba ein bedeutendes Heiligtum. Nach islamischer Vorstellung ist sie "das erste Haus Gottes auf Erden" (Sure 3, Vers 96), erbaut vom Propheten Abraham. Jedes Jahr zum Ende des Hadsch wird die Kaaba mit einem Überzug aus schwarzem Brokat neu eingekleidet.
Hadsch
Hadsch , die Pilgerfahrt nach Mekka im heutigen Saudi-Arabien ist eine der fünf Säulen des Islam . Sie findet im letzten Monat des islamischen Mondjahres statt. Fast drei Millionen Gläubige nehmen an den Riten teil, zu denen außer dem Umkreisen der Kaaba auch der Aufenthalt am Berg Arafat und eine symbolische Steinigung des Satans gehören. Nach dem Opferfest und der Rückkehr nach Mekka mit erneuter Umrundung der Kaaba endet der Weihezustand (arab. "Ihram"), in dem sich die Pilger befinden, und sie legen das Pilgergewand ab. Fortan dürfen die Männer den Ehrentitel Hadsch bzw. Hadschi führen, Frauen werden Hadscha genannt.
Bilderfeindlichkeit
Der Koran kennt kein Verbot der bildlichen Darstellung. Allerdings bezeichnet eine Vielzahl von Prophetenworten (Hadith) die Nachbildung von Mensch und Tier als blasphemisch und daher als verboten: Gott allein dürfe Lebewesen erschaffen. Daher vertraten sunnitische wie schiitische Rechtsgelehrte seit dem 8. Jahrhundert eine bilderfeindliche Haltung.
Trotzdem entwickelte sich in der islamischen Welt eine reiche Maltradition, die im 12. Jahrhundert in der Buchkunst ihren Ausgang nahm. Im 14. Jahrhundert entstanden sogar Illustrationen, die Szenen aus dem Leben des Propheten Mohammed zeigen. Nur der Koran wurde nie bildlich verziert.


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