Niedersachsen Ex-SPD-Landtagsabgeordneter wechselt ins türkische Außenministerium

15 Jahre lang engagierte sich Mustafa Erkan für die SPD in Niedersachsen, jetzt will er für den türkischen Außenminister Cavusoglu arbeiten. Eine Abstimmung über eine erneute Kandidatur für den Landtag hatte er im April verloren.

Mustafa Erkan (Archivbild vom Juni 2014)
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Mustafa Erkan (Archivbild vom Juni 2014)


Der ehemalige niedersächsische Landtagsabgeordnete Mustafa Erkan (SPD) wechselt ins türkische Außenministerium. "In Zukunft werde ich als Berater dem türkischen Außenminister, Herrn Mevlüt Cavusoglu, zur Seite stehen", kündigte Erkan, 32, auf Facebook an.

Nach mehr als 15 Jahren aktiver Politik für die SPD in seiner Heimatstadt Neustadt am Rübenberge und zuletzt im Landtag freue er sich auf seine bevorstehende Tätigkeit. Die SPD in Niedersachsen wollte den Wechsel nicht kommentieren, berichtete die "Neue Presse".

Erkan hatte erneut für den niedersächsischen Landtag kandidieren wollen, aber im April eine parteiinterne Abstimmung über die Kandidatur in seinem Wahlkreis verloren - per Losentscheid. Zu seiner Unterstützung war sogar SPD-Politikerin Doris Schröder-Köpf angereist, wie die "Neue Presse" berichtete. Doch er und seine Herausforderin Wiebke Osigus bekamen drei Mal genau gleiche viele Stimmen, dann wurde gelost. "Selbst als Kind hatte ich immer Pech an der Losbude", sagte Erkan danach dem Reporter der Lokalzeitung. Seit dem 14. November sitzt nun Osigus für die SPD im niedersächsischen Landtag.

Der türkische Außenminister Cavusoglu aus der AKP-Partei von Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte sich zuletzt Anfang November bei einem Treffen mit Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) um Entspannung in den deutsch-türkischen Beziehungen bemüht.

"Für mich gilt auch weiterhin: voller Einsatz für die deutsch-türkische Freundschaft!", schrieb Mustafa Erkan in der Ankündigung seines Jobwechsels. Dazu postete er ein Foto, auf dem er mit dem türkischen Minister zu sehen ist.

vet/dpa

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voiceecho 03.12.2017
1. Losentscheidung?
Das ist doch ein Witz! Oder? Wie kann es sein, dass in der ältesten Partei über die Kandidatenaufstellung per Los entschieden wird? Spiel Fähigkeit, Erfahrung oder Einsatz keine Rolle mehr? Das ist echt erschreckend und armselig und bestätigt meine Ablehnung und die vieler Menschen gegenüber der SPD! Demokratie ist oder sollte ein Wettlauf von können und Argumente sein und kein Überraschungsei! Man hätte vielleicht beide Kandidaten im Duell antreten lassen und ein „Kampf der Worte“ veranstalten müssen anstatt Lotto zu spielen! Armes Deutschland!
Stefan Sx 03.12.2017
2. An ihren Taten sollst du sie erkennen
Ein Karrierepolitiker weniger. Bei dem gehts jedenfalls mit Sicherheit weniger um die Sache als um das persönliche Fortkommen. Gut, dass er weg ist.
OlafKoeln 03.12.2017
3. Merkwürdig
Unter normalen Umständen wäre das eine ganz normale Meldung und ein normaler Vorgang. Wie es sich allerdings mit dem Hintergrund als Gewerkschafter und (Ex-) SPD Landtagsabgeordneter - welcher sich ja qua Amt und Mitgliedsbuch die Demokratie verinnerlicht haben sollte und sich für diese einsetzen müsste - vereinbaren läßt jetzt (!) in den türkischen Staatsdienst zu wechseln und letztlich für Erdogan zu arbeiten, ist mir schleierhaft. Übrigends hat Herr Erkan in einem Interview Anfang des Jahres Menschen mit türkischen Wurzeln aufgefordert, sich weniger um die Politik in der Türkei und mehr um die Politik in Deutschland zu kümmern. Vielleicht sollte er sein Interview nochmals lesen. Laut dem Interview hat(te) er nicht die türkische Staatsbürgerschaft. Wie sieht es jetzt aus?
ichsagwas 03.12.2017
4. keine Werbung für die SPD
Wenn ich diese Meldung lese, kommt mir sofort der Gedanke: wie siehts mit der Loyalität aus - sass da etwa ein Erdogan-Mann als trojanisches Pferd im Landtag ? Kann der Mann jetzt seine internen Kenntnisse aus dem Landtag einfach so mit in die Türkei nehmen und den Erdogan-Leuten brühwarm servieren ? Doppelpass und Abgeordnetenmandat: in vielen anderen Ländern ist so etwas nicht erlaubt. Wen hat Mustafa Erkan eigentlich im Landtag vertreten ? Die Interessen der niedersächsischen Bürger, die Interessen der SPD, oder vielleicht doch eher die seiner Landsleute ? Diese Fragen stellen sich automatisch. Der Vorgang ist keine Werbung für die SPD.
imo27 03.12.2017
5.
Er hat vermutlich ein lukratives Angebot erhalten. Für alle in seinem Umfeld, die Verbindungen in die Türkei haben und sich abfällig über Erdogan geäußert haben, dürfte es unangenehm werden, besonders für deren Kontakte in der Türkei.
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