Wegen Terror in Nigeria Mutmaßlicher Boko-Haram-Kämpfer in Bayern gefasst

Polizisten in Bayern haben einen terrorverdächtigen Nigerianer festgenommen. Er soll als Mitglied einer Terrorgruppe mehrere Menschen in seinem Heimatland getötet haben.

Screenshot eines Boko-Haram-Propagandafilms (2014)
AP

Screenshot eines Boko-Haram-Propagandafilms (2014)


Ein Richter des Bundesgerichtshofs hat Haftbefehl gegen ein mutmaßliches Mitglied der Terrormiliz Boko Haram erlassen. Der 27-jährige Nigerianer war am Mittwoch in Oberbayern vorläufig festgenommen worden.

Laut Bundesanwaltschaft schloss sich Amaechi Fred O. im Jahr 2013 der Terrorgruppe Boko Haram an. Insgesamt soll O. an vier Angriffen auf die nigerianische Zivilbevölkerung beteiligt gewesen sein.

Bei zwei Überfällen auf Schulen sowie einem Angriff auf ein Dorf soll O. "selbst mehrere Menschen getötet" haben. Demnach soll er auch an einem Überfall beteiligt gewesen sein, bei dem Geiseln genommen und eine Kirche niedergebrannt wurden. Es handelt sich laut Bundesanwaltschaft um die erste Festnahme eines Boko-Haram-Mitglieds in Deutschland.

Die radikalislamische Terrorgruppe Boko Haram will die nigerianische Regierung stürzen und einen auf der Scharia als Gesetzeswerk basierenden Gottesstaat errichten. Die Organisation versucht das laut Bundesanwaltschaft insbesondere durch gezielte Tötungen, Geiselnahmen und Entführungen zu erreichen. Der Terror richte sich systematisch gegen Repräsentanten des nigerianischen Staates und gegen die Zivilbevölkerung.

Internationales Aufsehen erregte Boko Haram 2014 mit der Entführung von mehr als 200 Schülerinnen aus der Ortschaft Chibok. Laut nigerianischer Armee wurde der Norden des Landes, den Boko Haram zeitweise kontrolliert hatte, mittlerweile größtenteils zurückerobert. Die Islamisten terrorisieren allerdings auch das benachbarte Kamerun und die gesamteRegion um den Tschadsee.

Durch den Terror der Gruppe und durch das teils unverhältnismäßige Vorgehen des Militärs gegen sie sind seit 2007 mindestens 20.000 Menschen getötet worden, mehr als 2,6 Millionen mussten aus ihrer Heimat fliehen.

cht/dpa



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