Mythos "neuer Vater" Spielen ja, spülen nein

Die Legende vom "neuen Vater" hält sich hartnäckig. Doch trotz Elterngeld und Vätermonaten bleiben die meisten in ihrer alten Rolle stecken: Papi geht gern mal auf den Spielplatz mit, aber die Wäsche macht er noch lange nicht. Dabei macht genau das alle unglücklich: Männer, Frauen - und Kinder.

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Vater und Sohn: Das Rollenverhalten bleibt stabil
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Vater und Sohn: Das Rollenverhalten bleibt stabil


Hamburg - Treffen sich zwei Männer auf einem Spielplatz in Hamburg. Typ Großstadt-Mittelschicht im Freizeitdress: grüne Barbourjacke, beige Cordhose. Der eine seit einem Jahr Vater, der andere werdender Vater. Sagt der eine: "Weißt du denn schon, welchen Kinderwagen du haben willst?" Sagt der andere: "Auf jeden Fall soll er geländegängig sein. Und Luftreifen und Scheibenbremsen will ich haben." Männergespräche im Jahr 2011.

Da sind sie nun also - die beiden Kinderwagenexperten, unsere " neuen Väter". Ambitioniert, interessiert, engagiert. Sie füttern, windeln und bespaßen ihre Kinder. Und sie halten ihrer Partnerin den Rücken frei. Soweit möglich. Aber das ist leider nicht so oft. Denn davor steht der Job.

Und das ist die Crux.

In Wahrheit unterscheiden sich die "neuen Väter" gar nicht so sehr von ihren Vorgängern. Sie sind höchstens mit einem Software-Update bestückt. Die Hardware hält sich hartnäckig. Genauso wie bei den Müttern.

Daran haben auch Elterngeld und Vätermonate nichts geändert. "Das traditionelle Rollenverständnis der Männer als Ernährer ist nach wie vor sehr weit verbreitet - auch unter den jungen Männern", sagt der Soziologe Stefan Reuyß vom Institut für sozialwissenschaftlichen Transfer (SowiTra) in Berlin, das eine der wenigen Untersuchungen zu Elterngeld und Vätern vorgenommen hat. Es ist demnach nicht so, dass sich gar nichts getan hätte. Aber es geht eben sehr, sehr langsam. Schneckentempo, sagt Reuyß. "Es gibt die neuen Väter zwar. Das ist keine reine Schimäre. Aber sie sind nur eine Speerspitze."

Insgesamt sind die Veränderungen bisher eher atmosphärischer Art. Väter, die ihre Kinder morgens in die Kita bringen, sind keine Seltenheit mehr. Man sieht sie auch beim Babyschwimmen und beim Bastelnachmittag in der Grundschule. Ein Zuschauer-Papi, der am Wochenende in der Familie mal mitspielen darf, will heute kaum noch einer sein.

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Familien in Deutschland: Neue Väter, alte Rollen
Wunsch und Wirklichkeit

"Immer mehr Väter sind mit der reinen Ernährerrolle unzufrieden", hat Väterforscher Harald Rost vom Staatsinstitut für Familienforschung Bamberg festgestellt. Aber die Unzufriedenheit hat bisher nicht dazu geführt, dass sich die Arbeitsaufteilung zwischen Männern und Frauen deutlich verändert hätte. Zwar nehmen seit Einführung des Elterngeldes 2007 rund 24 Prozent der Väter Elternzeit. Aber drei Viertel von ihnen pausieren lediglich die Mindestzeit von zwei Monaten. "Man darf sich da nicht blenden lassen", warnt Rost. "Es ist ein verlängerter Urlaub und zwingt nicht zum Nachdenken über neue familienfreundlichere Arbeitsmodelle", konstatiert auch Jutta Allmendinger, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung.

Nach der Elternzeit nehmen die Väter ihre Jobs wieder auf - wie vorher. Auch viele von denen, die mit Begeisterung Papa geworden sind, rutschen in frühere Verhaltensmuster zurück. Was soll man schon tun, wenn mal wieder eine Sitzung erst um 17 Uhr beginnt oder ein Projekt unbedingt noch heute fertig werden muss?

Dabei wünschen sich inzwischen viele Männer mehr Zeit für Partnerin und Kinder. Eine Umfrage für die Zeitschrift "Eltern" hat vor wenigen Wochen ergeben, dass 40 Prozent der Väter gern Teilzeit arbeiten würden. Allein: Nur fünf Prozent tun es. Und es gibt keinen Trend nach oben. Die fünf Prozent sind wie festgetackert, hat Väterforscher Rost beobachtet. "Seit drei Jahrzehnten bleibt die Teilzeitquote bei Männern gleich."

Und da kommt die Politik ins Spiel. Denn die persönliche Entscheidung eines jeden Paares darüber, wer wie viel arbeitet, wer wie viel zu Hause bleibt, ist längst nicht so frei und individuell, wie sie sich anfühlt, hat Soziologe Reuyß festgestellt. "Gerade am Anfang einer Beziehung wollen viele Paare Beruf und Familie gerecht aufteilen - aber dann kommen die Traditionalisierungsfallen." Die beiden wichtigsten: Kinder, Gehaltsunterschiede zwischen Männern und Frauen. Weil er mehr verdient, arbeitet sie Teilzeit oder bleibt gleich ganz zu Hause.

Das klassische Modell mit der Hausfrau und Mutter daheim wird noch in rund einem Drittel der Familien gelebt. In etwas mehr als der Hälfte der Familien mit Kindern unter 18 haben beide Partner einen Job, hat das Statistische Bundesamt herausgefunden. 71 Prozent dieser Paare haben die Variante gewählt, dass der Vater voll und die Mutter mit reduzierter Stundenzahl arbeitet.



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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Mattes77 04.11.2011
1. Mythos "neue Väter"?
Ärgerlich, ärgerlich. Da werden zu Beginn mal gefällige wieder Stereotypen hervorgekramt á la Frauen-Venus/Männer-Mars, die irgendwie überhaupt nicht empirisch belegt sind oder belegbar sind und eher wohl der persönlichen Wahrnehmung/Erfahrung der Autorin entspringen. Abgesehen davon finde ich es genauso albern, den Mann auf autogeilen Dauerträumer darzustellen, als wie die Frau als stets pragmatische Heimglucke. Im weiteren Verlauf, geht es ja dann eigentlich um etwas anderes, nämlich die Schwierigkeiten, die Paare geschlechtsspezifisch mit der Balance Arbeit/Familie haben. Das mag so sein und dazu gibt es wohl auch Zahlen.
3-plus-1 04.11.2011
2. Der "faule" Papa
Papa macht nichts wenn beide arbeiten. Aha! Ich sage das ist Blödsinn, denn während die Frau die Hausarbeit macht bleibt am Vater die Männerarbeit hängen: Radwechsel am Auto, Pflege technischer Geräte (Auto: Saugen, Waschen, winterfest machen; Mal ein Blick auf die Heizung; etc.), Lohnsteuererklärung (zumindest die Vorbereitung der Unterlagen), Tapezieren, Bohren jeder Art (Regal, Schrank, Bilderrahmen), Reparieren von kleineren Bruchstücken, Rasen mähen, Hecke schneiden, Computer am Laufen halten und natürlich der Großeinkauf nach Einkaufsliste. Wenn also beide Arbeiten und nur das Wochenende bleibt dann widmet sich nämlich der "faule" Papa während er sich "verdrückt" genau diesen Themen, die außer ihm sonst nämlich gar keiner machen würde.
franko_potente 04.11.2011
3. -
Zitat von sysopDie Legende vom "neuen Vater" hält sich hartnäckig. Doch trotz Elterngeld und Vätermonaten*bleiben die meisten*in*ihrer alten Rolle stecken:*Papi*geht gern mal*auf den*Spielplatz mit, aber die*Wäsche macht er noch lange nicht. Dabei macht genau das*alle*unglücklich: Männer, Frauen - und Kinder. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793908,00.html
Das ist einfach Unsinn. Männer sind Männer. wir stecken nicht in unserer alten Rolle fest, sondern füklllen unsere Naturgegebene Role aus. Dieser Reisenunsinn von "alle gleich". Sind wir nicht. Meine Frau würde mihc NIEMALS an die Wäsche ranlassen, außer an Ihre eigene :-) Mütter sind Mütter, und Väter sidn Väter. Frauen möchten trotz Mutterschaft immernoch Männer zu Hause und keine Weichflöten, die die Wäsche machen. Das heisst nciht, das man seine Wäsche nciht vorsortieren kann und die Socken rechtsrum dreht usw usw, aber nichts ist abtörnender als ein Mann, der Wäsche aufhängt. Die alte Rolle, wie es so schön heisst, ist sinnvoll. Man nennt das Arbeitsteilung nach Präferenz oder Eignung. Ich geh doch auch nciht zu meiner Frau hin, und sage, hack du doch bitte das Holz für den Kamin, du steckst so sehr in deiner Rolle fest. Oder: trag schon mal die Getränke hoch, ich hol noch schnell ein paar blumen. Warum soll u ns dieser Unsinn ständig und immer wieder eingeredet werden? 2 Mio Jahre ist das Konzeopt Geschlechtertrennung und Rollenverteilung in der kompletten Natur ( bis auf wenige Ausnahmen) ziemlich erfolgreich - und hier wollen uns ein paar Spinnerte erzählen, das wir in 30 Jahren die Evolution ändern könenn? Das ist Blasphemie! :-)
Andreas Rolfes 04.11.2011
4. Spielverderber
Auch wenn ich jetzt als traditioneller Spielverderber dastehe: In den letzten Jahrhunderten und Jahrtausenden hat es eigentlich immer ganz gut geklappt, daß die Frauen - welche die Kinder ja nun auch bekommen - direkt um- und versorgen, während der Mann (jaja, Jäger und Sammler) die nötigen Dinge heranschafft, um Frau und Kind(er) zu versorgen. Aber man kann natürlich versuchen die bewährte Entwicklung mit Quoten zu torpedieren...
Bezahler 04.11.2011
5. Immer diese unsägliche Gleichmacherei.
Zitat von sysopDie Legende vom "neuen Vater" hält sich hartnäckig. Doch trotz Elterngeld und Vätermonaten*bleiben die meisten*in*ihrer alten Rolle stecken:*Papi*geht gern mal*auf den*Spielplatz mit, aber die*Wäsche macht er noch lange nicht. Dabei macht genau das*alle*unglücklich: Männer, Frauen - und Kinder. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,793908,00.html
Frauen und Männer sind nicht gleich.Das ist so und wird so bleiben.Die einen Männer können es. Andere können es nicht. Unsäglich dabei ,die Rolle des Staates.Wie aus allen Erwachsenen Abgabenarbeitstiere gemacht werden müssen.Der Partner wo durchgängig Zuhause bleiben will wird ja mittlerweile auch Versorgungstechnisch (Rente,Steuer,Krankenkasse usw.) durchgängig benachteiligt.Die Schmähung durch den Gendermainstream besorgt ein übriges. Alle müssen ran ,sonst reichts einfach nicht zum Leben. Kann mir mal nur einer erklären wie die Familien das in den 60ern gemacht haben.Da war Papa als einfacher Arbeiter arbeiten. Die Familie hatte Essen,zahlte ein Haus,machte Urlaub und konnte medizinisch versorgt werden.Und heute? Was haben wir aus uns gemacht?
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