Nach 18 Jahren : Ex-RAF-Mitglied Hogefeld aus Haft entlassen 

Die letzten 18 Jahre verbrachte sie im Gefängnis - nun ist die frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld auf freiem Fuß. Der Rest ihrer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sie war das letzte inhaftierte RAF-Mitglied.

Ex-Terroristin Hogefeld (Archivbild von 1996): Fünf Jahre Bewährung Zur Großansicht
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Ex-Terroristin Hogefeld (Archivbild von 1996): Fünf Jahre Bewährung

Frankfurt - Sie war wegen mehrfachen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Nun wurde die frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld aus der Haft entlassen. Sie sei bereits am Montag frei gekommen, sagte ein Sprecher des hessischen Justizministerium am Dienstag in Wiesbaden. Das Oberlandesgericht (OLG) Frankfurt am Main hatte vor eineinhalb Wochen die Reststrafe der Ex-Terroristin zur Bewährung ausgesetzt.

Die 54-Jährige befand sich bereits im offenen Vollzug. Die Bewährungszeit beläuft sich dem Sprecher des Justizministeriums auf fünf Jahre. In dieser Zeit dürfe sie nicht straffällig werden. Bei einer lebenslangen Freiheitsstrafe kann die Reststrafe nach 15 Jahren zur Bewährung ausgesetzt werden. Das OLG hatte die Mindestverbüßungszeit für das frühere Mitglied der linksterroristischen Roten Armee Fraktion (RAF) im Jahr 2008 aber auf 18 Jahre festgelegt.

Im Juni 1993 war Hogefeld bei einem Einsatz der GSG 9 auf dem Bahnhof von Bad Kleinen festgenommen worden. Bei einer Schießerei kamen damals der RAF-Terrorist Wolfgang Grams um Leben. Auch ein Beamter der GSG-9 wurde getötet.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Hogefeld unter anderem an der Ermordung eines US-Soldaten und an einem Autobombenanschlag auf einen US-Luftwaffenstützpunkt in Frankfurt am Main beteiligt gewesen war.

Wichtige Figur der dritten RAF-Generation

Hogefeld galt gemeinsam mit Wolfgang Grams als zentrale Figur der dritten Generation der RAF, deren Anschläge in den achtziger Jahren bis heute nicht vollständig aufgeklärt sind. Den damaligen Attentaten fielen unter anderem 1989 der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen, 1986 der Siemens-Manager Karl-Heinz Beckurts und 1991 der Präsident der Treuhandanstalt, Detlev Karsten Rohwedder, zum Opfer.

Nach ihrer Verhaftung hatte Hogefeld - im Gegensatz zu den meisten anderen Ex-RAF-Mitgliedern - harte Selbstkritik geübt. Schon die grundsätzlichen Überlegungen bei Gründung der Gruppe im Jahr 1970 seien nicht richtig gewesen, erklärte sie vor Gericht in ihrem Schlusswort: "Die einfache Übertragung der Analysen und Theorien von Guerillabewegungen aus Lateinamerika auf die Realität hier war ein Fehler."

jok/dpa

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1. Kommentar
Zephira 21.06.2011
Ein Menschenleben ist in Deutschland nichts wert. Mord wird hierzulande zum Gewinngeschäft: Man löscht ein verhasstes Menschenleben aus und kann sein Leben trotzdem weiter genießen. Allein der Umstand, dass "lebenslänglich" im Schnitt um die 18 Jahre Haft bedeutet, zeigt die Absurdität des Systems auf. Und je mehr Morde man begeht, umso besser wird das Geschäft auch noch!
2. ++
saul7 21.06.2011
Zitat von sysopDie letzten*18 Jahren*hatte sie im Gefängnis verbracht -*nun ist die*frühere RAF-Terroristin Birgit Hogefeld auf freiem Fuß.*Ihre lebenslange Freiheitsstrafe wegen mehrfachen Mordes wurde zur Bewährung ausgesetzt. Sie war das letzte inhaftierte RAF-Mitglied. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,769730,00.html
Frau Hogefeld kommt in den Genuss des einst so gehassten Rechtsstaates, so ironisch es sein mag!
3. Leider wahr
Bärchen09 21.06.2011
Zitat von ZephiraEin Menschenleben ist in Deutschland nichts wert. Mord wird hierzulande zum Gewinngeschäft: Man löscht ein verhasstes Menschenleben aus und kann sein Leben trotzdem weiter genießen. Allein der Umstand, dass "lebenslänglich" im Schnitt um die 18 Jahre Haft bedeutet, zeigt die Absurdität des Systems auf. Und je mehr Morde man begeht, umso besser wird das Geschäft auch noch!
Wer viele Morde begeht, sitzt oft nicht länger wie jemand, der vielleicht einen Mord begangen hat, weil er viele Jahre von dem Opfer gequält wurde. Denn Mord ist bei uns Mord. M.E. muss es da endlich einen Unterschied geben. Sonst kommte es eben auf einen Mord mehr oder weniger nicht an.
4. Lebenslang sollte auch lebenlang sein,
Carcharhinus_falciformis 21.06.2011
sonst ist das eine Verhönung der Opfer. Nur, von den spricht heute keiner mehr, sie sind vergessen. Frau Hogefeld sollte nicht frei sein.
5. "Ein Menschenleben ... Deutschland... " etc, die Welt geht mal wieder unter?
elperiquito 21.06.2011
Zitat von ZephiraEin Menschenleben ist in Deutschland nichts wert. Mord wird hierzulande zum Gewinngeschäft: Man löscht ein verhasstes Menschenleben aus und kann sein Leben trotzdem weiter genießen. Allein der Umstand, dass "lebenslänglich" im Schnitt um die 18 Jahre Haft bedeutet, zeigt die Absurdität des Systems auf. Und je mehr Morde man begeht, umso besser wird das Geschäft auch noch!
Was schlagen Sie denn vor? Todesstrafe? Grade, wenn es um sogenannten linken Terror geht, dann haben die westeuropäischen Rechtsstaaten (inzwischen auch nachweislich) gerne auch mal Leuten was untergejubelt. Bei Frau Hogefeld ist das natürlich eher nicht der Fall, sie hat ja anerkannt, dass sie die Haftstrafe verdient hat. Trotzdem ist es gut, dass in Deutschland *jeder* irgendwann wieder rauskommt, denn unsere Justiz macht hin und wieder mal Fehler und ist abgesehen davon auch manipulierbar. Man kann es sich natürlich leicht machen und plärren, dass auch Mörder in Deutschland irgendwann unter Umständen wieder rausdürfen, aber insbesondere, wenn man einen Mord einer Person nicht zweifelsfrei nachweisen kann und bestenfalls "war irgendwie involviert" feststellen kann, kann man doch froh sein, dass die Gesetze bei uns von Menschen gemacht werden, die etwas mehr Substanz haben als das Geheule des Vorredners oder der Vorrednerin.
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