Bombenfund in Bonn: Deutsche wollen mehr Videoüberwachung

Soll die Videoüberwachung in der Bundesrepublik ausgeweitet werden? Ja, meinen die Bürger mit überwältigender Mehrheit. Laut ARD-Deutschlandtrend wollen mehr als 80 Prozent der Befragten nach dem versuchten Bombenanschlag in Bonn noch mehr Kameras im öffentlichen Raum.

Überwachungsvideo aus Bonn: Verdächtigter Tatbeteiligter mit mutmaßlicher Bombentasche Zur Großansicht
DPA/ Polizei Köln

Überwachungsvideo aus Bonn: Verdächtigter Tatbeteiligter mit mutmaßlicher Bombentasche

Köln/Berlin/Hamburg - Mehr Kameras sollen für mehr Sicherheit sorgen: Nach dem versuchten Bombenanschlag im Bonner Hauptbahnhof sind einer Umfrage zufolge 81 Prozent der Deutschen für eine Ausweitung der Videoüberwachung an Bahnhöfen und öffentlichen Plätzen.

Nur 18 Prozent lehnen dies ab, wie das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap für den Deutschlandtrend des ARD-"Morgenmagazins" vom Freitag herausfand. Befragt wurden am 18. und 19. Dezember 1008 Bundesbürger.

Für eine Ausweitung der Videoüberwachung hatte sich zuletzt Innenminister Hans-Peter Friedrich ausgesprochen. "Wir brauchen eine effiziente Videoüberwachung und Videoaufzeichnung auf öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen", sagte der CSU-Politiker dem SPIEGEL. Mit "verstärkter und verbesserter Videotechnik auf öffentlichen Plätzen ließen sich "Gewalttäter abschrecken und Straftaten und geplante Anschläge aufklären". Mehrere Unionskollegen aus Bund Ländern, darunter der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann, äußerten sich ähnlich.

Der Koalitionspartner FDP hingegen sowie Politiker der Opposition distanzierten sich dagegen deutlich von Friedrichs Vorstoß. Es sei dafür zu sorgen, "dass Bomben die Bahnhöfe gar nicht erst erreichen können", sagte etwa Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger.

Im Bonner Hauptbahnhof war am 10. Dezember eine Tasche mit einer Bombe entdeckt worden.Ein Sprengstoffkommando entschärfte die Konstruktion anschließend per Wasserstrahl - allerdings war der Zünder bereits aktiviert. Offenbar hatte er nur wegen technischer Mängel nicht funktioniert.

Der Tatort wurde nicht flächendeckend mit Videokameras überwacht, außerdem wurden die Aufnahmen nicht aufgezeichnet. Deshalb gibt es nur unzureichende Bilder der Tatverdächtigen aus einem Fast-Food-Restaurant. Die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen. Die Spuren führen ins salafistische Milieu.

bos/dapd

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1.
exterminate 21.12.2012
Die Deutschen sind einfach mehrheitlich unheilbar dumm. Anders kann man Menschen nicht bezeichnen, die einen Überwachungsstaat befürworten.
2. Komisch...
Jörn Gerrit Hanke 21.12.2012
Jeder den ich kenne will weniger Überwachung, bin ich wirklich in so merkwürdiger Gesellschaft ? Ist mir noch garnicht aufgefallen...
3. Eine Kamera kann niemals eine Straftat verhindern!
KarlRad 21.12.2012
Die Umfrage bezweifle ich jetzt einfach mal stark. Es wurden wahrscheinlich gestern morgen die ersten hundert Berufspendler am Bonner Hbf befragt. Nur so kann ein solch einseitiges und naives Ergebnis zu Stande kommen. Jeder der nur ein bischen darüber nachdenkt, weiß das Kameras kein Stück mehr Sicherheit bringen. Sie haben einzig den Effekt, dass man sich danach die Bilder von Prügeleien, Bombenattentätern und anderen Verbrechen öffentlichkeitswirksam im Fernsehen angucken kann. Was für einige Fanatiker auch der Reiz sein könnte. Die Straftaten werden daduch nicht besser bzw. schneller aufgeklärt. Und verhindern können Kameras eine Straftat nie!
4. aktuelle kamera?
alberthofmannderzweite 21.12.2012
was ist das bitte für ein quatsch? für das komunistische frühstücksfernseh ist auch mal ne umfrage gemacht wurden! wie hoch sollte die mauer sein, die uns vor den imperialisten schützen soll? 80% waren damals für 5m und 19% für 10m und 1% hatte kein tv und konnte nicht mit machen :( .... toi toi toi
5. Was soll denn der Käse?
Ralf Opdenhövel 21.12.2012
Kameras bringen nur präventiv etwas, wenn jemand am Monitor sitzt und live beobachtet. Die Manpower gibt es nirgends - schon gar nicht in Bonn. Ergo: es können höchstens im Nachgang Videoaufzeichnungen ausgewertet werden, in der Hoffnung, einen Hinweis zu finden. Hier wird dem Bürger einmal mehr eine trügerische Sicherheit vorgegaukelt. Übnrigens: mich hat niemand befragt und ich bin gegen mehr Überwachungskameras.
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