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Nach Anschlagswarnung: Ermittler verlieren Kontakt zu Terror-Informanten

Der Reichstag wurde für Besucher gesperrt, die Polizeipräsenz verstärkt: Ein Qaida-Insider hatte die deutschen Behörden vor einem möglichen Anschlag Ende November gewarnt. Nun haben Fahnder nach Informationen des SPIEGEL die Spur des Mannes durch eine Panne verloren.

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DPA

Innenminister de Maizière: Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Informanten

Hamburg - Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sprach im November 2010 von einem Hinweis eines "ausländischen Partners", der einen Anschlag in Deutschland angekündigt habe und berichtete von "konkreten Ermittlungsansätzen" der deutschen Behörden. Der Minister rief eine erhöhte Terrorgefahr aus, Sicherheitskräfte sperrten den Reichstag für Besucher, schwerbewaffnete Polizisten patrouillierten an Bahnhöfen und Flughäfen.

Nun haben deutsche Ermittler bei der Terroraufklärung einen Rückschlag erlitten. Nach Informationen des SPIEGEL haben sie den Kontakt zu dem Informanten verloren, der mit für die massiven Warnungen vom vergangenen November verantwortlich war. In der Bundesregierung wachsen allerdings inzwischen auch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Mannes, der dem Qaida-Umfeld zugerechnet wird.

Fahnder durchsuchten mehrere Wohnungen von Angehörigen in Westdeutschland. Der Insider hatte sich im November beim Bundeskriminalamt (BKA) gemeldet und von angeblich bevorstehenden Anschlägen im "Mumbai-Stil" in Deutschland berichtet.

Nachdem auch US-Behörden vor Angriffen gewarnt hatten, rief Innenminister de Maizière eine erhöhte Terrorgefahr aus. Sicherheitskräfte sperrten den Reichstag für Besucher.

In mehreren späteren Telefonaten blieb der Informant bei Nachfragen vage. Er forderte Sicherheit für sich und seine Familie sowie eine Millionensumme für weitere Aussagen. Darauf wollten die deutschen Behörden nicht eingehen. Aufgrund einer Panne ging die Spur des Mannes inzwischen verloren. Mitarbeiter einer Fluglinie waren vor einigen Tagen auf ihn aufmerksam geworden, als er ein Ticket kaufte. Sie fragten bei der deutschen Botschaft vor Ort nach, ob der Reisepass echt sei.

Weil aber kein Diplomat über das Wochenende erreichbar war, gab es zunächst keine Antwort. Danach war der mutmaßliche Qaida-Mann verschwunden. Ein Teil der Sicherheitsmaßnahmen ist mittlerweile wieder zurückgenommen worden.

han

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