Nach dem Bush-Hitler-Vergleich Ministerin Däubler-Gmelin tritt ab

Die bisherige Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin wird dem neuen rot-grünen Bundeskabinett nicht mehr angehören. Das erklärte Bundeskanzler Gerhard Schröder nach der Sitzung des Parteivorstands am Montag.


Abgang: Däubler-Gmelin
AP

Abgang: Däubler-Gmelin

Berlin - Däubler-Gmelin habe ihm einen Brief geschrieben, in dem sie ihren Verzicht auf das Ministeramt anbot, sagte Schröder.

Damit zeige sich, dass es in "der deutschen Politik noch Menschen gibt, die Konsequenzen ziehen können", sagte Schröder. Das sei "menschlich hoch anständig und respektabel".

Däubler-Gmelin hatte vergangene Woche während einer Wahlveranstaltung im schwäbischen Derendingen die politischen Methoden von US-Präsident George W. Bush mit denen von Adolf Hitler verglichen. Das "Schwäbische Tagblatt" zitierte sie mit der Aussage: "Bush will von seinen innenpolitischen Schwierigkeiten ablenken. Das ist eine beliebte Methode. Das hat auch Hitler schon gemacht."

Die Ministerin hatte schon während der Veranstaltung klargestellt, dass sie damit keineswegs Bush mit Hitler habe vergleichen wollen. Nach Angaben des Chefredakteurs der Zeitung autorisierte sie aber persönlich das umstrittene Zitat - ein Vorgang, den Däubler anschließend rundheraus bestritt.

Ungeachtet ihres Dementis und eines entschuldigenden Briefes von Schröder an Bush führte der Vorfall zu Verärgerung in Washington. Bereits am Sonntag verlautete, dass Schröder Däubler-Gmelin auf keinen Fall wieder in ein neues Kabinett berufen wollte.



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