Nach dem Duell ist vor dem Duell Union und SPD streiten über die Regeln

Weil das Frage-Antwort-Schema den Kanzler im rhetorischen Schaukampf mit seinem Herausforderer behinderte, fordert die SPD eine Änderung der starren Regeln für das nächste TV-Duell. Doch die Union lehnt strikt ab. Auch die Sendeanstalten schließen eine Änderung der Regeln aus.




Kanzler Schröder, Herauforderer Stoiber: Die Regeln nutzen Stoiber
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Kanzler Schröder, Herauforderer Stoiber: Die Regeln nutzen Stoiber

Berlin - Bundeskanzler Gerhard Schröder wünscht sich beim zweiten TV-Duell mit seinem Herausforderer Edmund Stoiber eine flexiblere Handhabung der strengen Diskussionsregeln. Es sollte für beide Diskutanten mehr Möglichkeiten geben, direkt auf eine Äußerung des anderen zu antworten, sagte er am Montag nach der SPD-Präsidiumssitzung in Berlin. Das traue er den beiden Moderatorinnen auch zu. Er selbst werde aber keinen eigenen Vorschlag machen, die zwischen beiden Seiten vereinbarten Regeln nachträglich zu verändern.

Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye hatte zuvor kritisiert, nach dem bisherigen Schema seien vertiefende Nachfragen zur Verdeutlichung der Positionen der beiden Spitzenpolitiker kaum möglich gewesen. Stoiber habe nicht deutlich gemacht, "was er eigentlich will". Deshalb könne er sich vorstellen, "dass hier ein größeres Fragebedürfnis bestehen könnte".

Dieses Ansinnen wies Stoibers Wahlkampfmanager Michael Spreng jedoch brüsk zurück. In einem Brief an ZDF-Chefredakteur Nicolaus Brender interpretierte Spreng die Forderung der SPD nach Regeländerung als Reaktion auf "das schlechte Abschneiden ihres Kandidaten". Offenbar gehe es der Schröder-Crew nun darum, aus "dem Kompetenz-Duell" ein "schröder-gemäßes Show-Duell zu machen". Da werde die Union nicht mitspielen. "Wir werden einem Bruch der Vereinbarungen keinesfalls zustimmen," schrieb Spreng und forderte Brender auf, "beim zweiten Duell auf eine strikte Einhaltung der Regeln zu achten".

Ähnlich argumentierte CDU-Generalsekretär Laurenz Meyer. Die strenge Form habe "auch ihre Vorteile", sagte Meyer. "Dann zählen nicht Schauspiel-Einlagen, sondern allein die Argumente".

ARD und ZDF wollen die Regeln für das zweite Fernsehduell jedoch auf keinen Fall ändern. Die Chefredakteure Hartmann von der Tann und Nikolaus Brender lehnten am Montag neue Spielregeln für die zweite Runde ab.

"Wenn wir die Regeln jetzt ändern, laufen wir Gefahr, einen der Kontrahenten zu begünstigen", sagte von der Tann in München. Die Möglichkeiten des Konzepts seien noch nicht ausgereizt und böten noch Spielraum. "Das Zeitkonto muss nicht alle fünf oder zehn Minuten eingeblendet werden." Außerdem gebe es keine Regel, dass sich die Kontrahenten nicht anschauen oder auf den anderen eingehen dürften. Im übrigen könne die Sendung nicht so langweilig gewesen sein, wenn fast 15 Millionen Zuschauer von Anfang bis Ende dabeigeblieben seien. Er rechne für den 8. September mit einer ähnlichen Quote "auf dem Niveau eines Fußball-Länderspieles".

Für Brender ist eine Regeländerung nicht notwendig, "weil die bestehenden Regeln sowohl den Kandidaten als auch den Moderatoren die Freiheiten lassen, die zu einem spannenden Interview Voraussetzung wären". Der ZDF-Chefredakteur wünschte sich mehr Dialog und Streitgespräch. Dazu müssten Schröder und Stoiber zunächst so in Position gebracht werden, dass "die beiden sich Auge in Auge sehen und sich auch persönlich ansprechen können."

Die SPD weiß bei ihrem Anliegen einen großen Teil der Zuschauer und viele prominente Beobachter auf ihrer Seite. So nannte etwa DGB-Chef Michael Sommer die Regeln "katastrophal", sie hätten jede "Leidenschaft abgewürgt". Auch der ehemalige Regierungssprecher von Altbundeskanzler Helmut Kohl, Peter Boenisch, kritisierte die Sendung mit den Worten "viel zu viele Regeln und viel zu viele Vorschriften". Vor lauter Korsett habe man "kaum noch Leute erkannt". Als "sehr steril" charakterisierte auch der rheinland-pfälzische FDP-Wirtschaftsminister Rainer Brüderle die inszenierte TV-Debatte.

Würden die Regeln gelockert, käme es vermutlich weit häufiger zum direkten Schlagabtausch, dem Stoiber beim ersten TV-Duell zumeist ausgewichen war. Schröder hatte mehrfach versucht, sich über die Regeln hinwegzusetzen und seinen Kontrahenten ohne Zwischenfrage der Moderatoren direkt anzugehen . Insofern sei es "mehrfach zu einer Verletzung der zwischen allen Beteiligten vereinbarten Regeln durch den Bundeskanzler gekommen", zürnte Spreng in seinem Schreiben an den ZDF-Chef-Redakteur. Dies sei für die Union "nicht akzeptabel".

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