Nach der Entschuldigung: Neue Prügel von und für Fischer
Nach seiner Entschuldigung erhält Bundesaußenminister Fischer massive Rückendeckung von SPD und Grünen. Aber die Union prügelt weiter auf Fischer ein, vor allem nachdem dieser zugegeben hat, nicht nur zur Selbstverteidigung zugeschlagen zu haben.
Fischer (mit schwarzem Helm) beim Angriff auf den Polizisten
"Joschka Fischer entschuldigt sich", setzte sogar die "Bild"-Zeitung brav auf ihre Titelseite, als gelte es, dem angegriffenen Außenminister die Absolution zu erteilen. Im Berliner "Tagesspiegel" setzte Fischer aber inzwischen noch einen Satz drauf, um zu erläutern, wie das mit der Polit-Randale damals war: "Das war nicht so, dass man immer gewartet hat, bis man geschlagen wurde." Die Union zog daraufhin Vergleiche zu den aktuellen Gewalttaten rechter Jugendlicher.
Der stellvertretende CDU-Vorsitzende Jürgen Rüttgers stellte die Taten Fischers auf eine Stufe mit der Gewalttätigkeit von Rechtsextremisten: "Ich kann mir nicht vorstellen, dass eine Regierung, in der ein prominentes Mitglied in seiner Jugend linke Gewalt ausgeübt hat, jungen Leuten, die heute rechte Gewalt ausüben, Vorbild sein kann." Ins gleiche Horn bläst die CSU und will Fischers "Putzdienst" in Frankfurter Hausbesetzerzeiten nicht als "Jugendsünde" relativieren. Zur Erklärung: "Auf den Putz hauen" sollten damals solche Gruppen der radikalen Linken, zu denen auch Fischer zählte.
Erwartungsgemäß Zuspruch aus den eigenen Reihen
Dagegen nahm Grünen-Chefin Renate Künast ihren Parteifreund Fischer in Schutz. "Das ist auch die Vergangenheit einer ganzen Generation in dieser Republik", sagte Künast. Im Westen der Republik hätten die Jahre 1967/68 "eine ganz besondere Bedeutung" gehabt. Da habe es "auf beiden Seiten Auseinandersetzungen" gegeben, die heute niemand wiederholen würde. Auch Polizeibeamte würden heute nicht mehr so agieren wie damals.
Joschka Fischer - sogar ein revolutionärer Held?
Cooler Held? Außenminister Joschka Fischer
Cohn-Bendit: "Das ist mehr als eine Entschuldigung"
Heute müsse man Fischer bewerten, wie er als Außenminister handle, und nicht, wie er vor 30 Jahren gelebt habe, erneuerte Daniel Cohn-Bendit seine Rückendeckung für Fischer. Politiker dürften nicht als "moralische Jungfrauen" betrachtet werden. Fischer habe immer ein reflektives Verhältnis zu einer eigenen Biografie gehabt und stehe zu den Brüchen. "Und das ist in der Tat mehr als eine Entschuldigung, weil es bedeutet, aus der eigenen Geschichte auch fähig zu sein, Lernprozesse einzusetzen, das heißt, zu lernen."
Die Journalistin Bettina Röhl, die Fischers Action-Bilder auf ihre Homepage ins Internet gestellt hat, hielt dagegen im ARD-Morgenmagazin dem Außenminister vor, sich mit "Phrasen" für etwas zu entschuldigen, was so einfach nicht zu entschuldigen sei. "Es ist viel Neues in Arbeit!", kündigt die Meinhof-Tochter im Internet an - und das klingt, als habe sie mit Fischer noch eine Rechnung offen.
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