Umstrittene Gratis-Koran-Aktion: Niedersachsen fordert Pakt gegen Salafisten

Die radikalislamischen Salafisten verteilen bundesweit gratis Koran-Exemplare, jetzt fordert Niedersachsens Innenminister Schünemann Konsequenzen. Er will, dass die Islamkonferenz gegen die "missbräuchliche extremistische Instrumentalisierung" vorgeht.

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Umstrittene Koran-Verteilung: "Wir brauchen einen Pakt gegen den Salafismus in Deutschland"

Hannover/Berlin - Die kostenlose Verteilung von Koran-Ausgaben durch radikalislamische Salafisten stößt auf anhaltende Kritik. "Wir brauchen einen Pakt gegen den Salafismus in Deutschland", forderte der niedersächsische Innenminister Uwe Schünemann (CDU) in der "Rheinischen Post". Deshalb habe er Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) gebeten, das Thema auf die Tagesordnung der Islamkonferenz zu setzen.

In vielen deutschen Städten, vor allem in Niedersachsen und Hessen, hatten Salafisten in den vergangenen Monaten schätzungsweise 300.000 Koran-Ausgaben kostenlos unters Volk gebracht. Die Gratis-Koran-Aktion sorgt seit Tagen für Schlagzeilen. Der öffentliche Druck wurde so groß, dass die Ulmer Druckerei am Montag den Koran-Auftrag zurückgab.

Salafisten sind Anhänger einer fundamentalistischen Strömung des Islam. Sie streben nach Erkenntnissen der Sicherheitsbehörden einen islamischen Gottesstaat an, der mit der westlichen Demokratie unvereinbar ist. Der Verfassungsschutz beobachtet deswegen die Salafisten. Die Behörden gehen derzeit von rund 4000 Menschen im salafistischen Umfeld in Deutschland aus.

Schünemann will Handlungskonzept

"Ich bin fest davon überzeugt, dass uns eine gemeinsame Positionierung gegen diese Aktion als missbräuchliche extremistische Instrumentalisierung des Islam gelingen wird", schrieb Schünemann nach Angaben der Zeitung in einem Brief an Friedrich. Der CDU-Politiker erwartet, dass sich die auf der Islamkonferenz vertretenen Muslim-Verbände an die Spitze einer bundesweiten Aufklärungskampagne über die Gefahren der Salafisten stellen, schreibt die "Rheinische Post".

Schünemann wolle ein Handlungskonzept zur "Antiradikalisierung und Prävention" gegen islamistischen Extremismus und Terrorismus zur Diskussion stellen. Dazu gehörten Präventionspartnerschaften der Sicherheitsbehörden mit muslimischen Institutionen, die Beteiligung kommunaler Präventionsräte sowie gezielte Aussteigerprogramme.

"Religion nicht für ideologische Machtansprüche missbrauchen"

Erstmals äußerte sich Bundesinnenminister Friedrich zu der umstrittenen Gratis-Koran-Aktion. Er warnte die Salafisten in der "Bild"-Zeitung vor einem Missbrauch der Religion. "Religion darf nicht für ideologische Machtansprüche missbraucht werden."

Der Sprecher der reformorientierten Ahmadiyya-Gemeinde in Deutschland, Mohammed Dawood Majoka, sagte Bild.de, es gelte "für alle die Religionsfreiheit". "Aber es gelten eben auch alle anderen Rechte und Pflichten des Grundgesetzes." Die Ahmadiyya-Gemeinde war vor einigen Jahren durch einen umstrittenen Moschee-Bau in Berlin-Pankow in die Schlagzeilen geraten.

heb/dpa/dapd/AFP/dpa

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1.
MiB303 17.04.2012
Was ist so schlimm, wenn sie gratis den Koran verteilen. Ich kann mich an meine Schulzeit errinnern, da kamen Leute Gideon sogar in den Unterricht und durften gratis Bibeln verteilen. In Deutschland herrscht Religionsfreiheit, also entweder Gideon auch verbieten Bibeln zu verteilen oder gleiches Recht für Alle. Mich stören ein paar Islamisten die in der Stadt stehen weniger als die Zeugen Jehowas die ständig Hausbesuche machen.
2.
wahlossi_80 17.04.2012
Zitat von sysopDie radikalislamischen Salafisten verteilen bundesweit gratis Koran-Exemplare, jetzt fordert Niedersachsens Innenminister Schünemann Konsequenzen. Er will, dass die Islamkonferenz gegen die "missbräuchliche extremistische Instrumentalisierung" vorgeht. Umstrittene Gratis-Koran-Aktion: Niedersachsen fordert*Pakt gegen Salafisten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827974,00.html)
Es ist sooo erbärmlich, wie die "christlichen" Parteien jetzt aus purem Populismus auf den "Salafisten" rumhacken. Dann soll doch bitteschön auch den Mormonen, Zeugen Jehovas etc. verboten werden, ihre heiligen Bücher zu verschenken - wäre genauso lächerlich. Die "Salafisten" sind keinen millimeter gewaltbereit. Der gefährliche Islamismus ist sowieso nur ein Machwerk des ewig verlogenen Westens und immer wieder ein gern gesehener Grund für sinnlose Kriege, um die hiesige Rüstungsindustrie zu beflügeln.
3. Eine gerechte
felisconcolor 17.04.2012
Zitat von sysopDie radikalislamischen Salafisten verteilen bundesweit gratis Koran-Exemplare, jetzt fordert Niedersachsens Innenminister Schünemann Konsequenzen. Er will, dass die Islamkonferenz gegen die "missbräuchliche extremistische Instrumentalisierung" vorgeht. Umstrittene Gratis-Koran-Aktion: Niedersachsen fordert*Pakt gegen Salafisten - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827974,00.html)
Lösung kann nur die absolute Trennung von Kirche und Staat sein. Religionsfreiheit ja, aber politische Einmischung ein absolutes NEIN. Es kann hier jeder machen was er will, auf dem Boden der freiheitlich, demokratischen Grundordnung. (geklautes Zitat) Und darauf hat auch die jeweilige Kirchenführung ihre Schäfchen hinzuweisen.
4. Sie erinnern
felisconcolor 17.04.2012
Zitat von wahlossi_80Es ist sooo erbärmlich, wie die "christlichen" Parteien jetzt aus purem Populismus auf den "Salafisten" rumhacken. Dann soll doch bitteschön auch den Mormonen, Zeugen Jehovas etc. verboten werden, ihre heiligen Bücher zu verschenken - wäre genauso lächerlich. Die "Salafisten" sind keinen millimeter gewaltbereit. Der gefährliche Islamismus ist sowieso nur ein Machwerk des ewig verlogenen Westens und immer wieder ein gern gesehener Grund für sinnlose Kriege, um die hiesige Rüstungsindustrie zu beflügeln.
mich an die Figur aus "Biedermann und die Brandstifter" sollten sie mal lesen, sehr aufschlussreich.
5. Wissen
rennflosse 17.04.2012
Woher weiß ich, dass die Übersetzung des Koran in meine Mutterspache korrekt ist? Dass es sich bei den verteilten Büchern nicht einfach um Propagandaschrott handelt? In manchen muslimischen Ländern käme die kostenlose Verteilung von Bibeln einem Selbstmordkommando gleich. Gut, wir wollen uns mit denen nicht auf einen Stufe stellen, die freie Religionsausübung bedeutet auch, andere über die eigene Religion informieren zu dürfen. Der normale Westmensch weiß wenig bis nichts über den Islam und den Koran und er bekommt die Möglichkeit, sich zu informieren aus erster Quelle, sofern ... siehe oben. Das ist nicht das Schlechteste. Eines muss man jedoch. Wachsam bleiben.
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