Nach Moshammer-Mord Stoiber fordert mehr Gendateien

Nach dem raschen Fahndungserfolg im Fall Moshammer dank der DNA-Analyse hat der bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber die Ausweitung von Gendateien gefordert. Andere Politiker und Experten schlossen sich an.


München - Stoiber verlangte, bundesweit bessere Voraussetzungen für die Polizei zur Erhebung von Gendateien zu schaffen. "Die DNA-Analyse muss zum genetischen Fingerabdruck des 21. Jahrhunderts werden", sagte der CSU-Vorsitzende. DNA-Analysen führten in hundert Prozent der Fälle zur Aufklärung von Kapitalverbrechen. Täter kämen nicht mehr ungestraft davon.

Auch der saarländische Justizminister Josef Hecken erklärte: "Das Erheben und Speichern von DNA-Daten muss dringend erleichtert und forciert werden." Es könne nicht sein, "dass sich brutale Straftäter hinter datenschutzrechtlichen Bedenken verstecken können", sagte der CDU-Politiker.

Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter, Klaus Jansen, nannte es aus fachlicher Sicht unverantwortlich, "dieses moderne Instrument der Aufklärung und Verhinderung von Straftaten nicht so konsequent wie möglich zu nutzen". Jansen rief die Politik auf, die rechtlichen Voraussetzungen zu schaffen, damit der genetische Fingerabdruck zur Standardmaßnahme der erkennungsdienstlichen Behandlung werde.

Auch die Ermittler im Mordfall Moshammer warben auf einer Pressekonferenz in München für eine Ausweitung der Genanalyse und versicherten, mit den Proben sehr sorgfältig umzugehen. Dem geständigen Mörder des Modeschöpfers waren die Beamten nur über DNA-Material am Tatort so schnell auf die Spur gekommen. Ein Abgleich mit der Gendatei des Bundeskriminalamtes war erfolgreich: Im Rahmen von früheren Ermittlungsverfahren war dem 25-jährigen Iraker ein genetischer Fingerabdruck abgenommen worden.

Die Innenministerkonferenz hatte sich bereits im November dafür ausgesprochen, Speichelproben zum Standard bei der erkennungsdienstlichen Behandlung von Verdächtigen zu machen. Nun berät die Justizministerkonferenz über diese Frage.



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