Nach Papst-Rede Grüne wollen Dalai Lama in Bundestag einladen

Was der Papst darf, muss auch der Dalai Lama dürfen - das meinen zumindest die Grünen. Deren Fraktionsgeschäftführer Beck wirbt nun für eine Rede des geistigen Oberhaupts der Tibeter im Bundestag. China würde dies als schwersten diplomatischen Affront betrachten.

Dalai Lama: Grüne wollen ihn im Bundestag sehen
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Dalai Lama: Grüne wollen ihn im Bundestag sehen


Berlin - Nach der Papst-Rede im Bundestag wirbt der Parlamentarische Geschäftsführer der Grünen, Volker Beck, für eine Einladung des Dalai Lama, des geistigen Oberhaupts der Tibeter. Er wünsche sich eine Rede des Dalai Lama vor dem Parlament als Zeichen der Solidarität mit den Tibetern gegenüber der Volksrepublik China, sagte Beck am Donnerstagabend in der ZDF-Sendung "Maybrit Illner".

Das Argument, dass im Plenum des Bundestages keine Religionsführer sprechen dürften, kann nach Ansicht des Grünen-Politikers nun nicht mehr gelten. Bislang sei dem Dalai Lama mit diesem protokollarischen Hinweis eine Rede verweigert worden. "obwohl ihm dies helfen würde mit seinem Anliegen, das eigentlich alle im Bundestag teilen", sagte Beck.

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte den Dalai Lama in der Vergangenheit bereits im Bundeskanzleramt empfangen und damit für heftige Proteste bei der chinesischen Regierung gesorgt. Einen Auftritt im Bundestag würde Peking wohl als noch größeren diplomatischen Affront betrachten.

Papst Benedikt XVI. hatte am Donnerstag im Bundestag eine mit Spannung erwartete Rede gehalten. Sein Auftritt war zwischen den Parteien hoch umstritten. Viele Abgeordnete aus den Oppositionsparteien sahen das Neutralitätsgebot verletzt, einige blieben der Rede aus Protest fern.

Zum Auftakt des zweiten Tags seines Deutschlandbesuchs rief Benedikt XVI. bei einem Treffen mit Vertretern des Islam zum gemeinsamen Einsatz von Katholiken und Muslimen für mehr soziale Gerechtigkeit auf. Als "Menschen des Glaubens" könnten sie einen Beitrag leisten für den Aufbau einer besseren Welt, sagte das katholische Kirchenoberhaupt laut Redemanuskript am Freitag bei einer nicht öffentlichen Begegnung in Berlin.

An der Begegnung in der Apostolischen Nuntiatur nahmen neben Kirchenfunktionären unter anderen Repräsentanten der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB), des Zentralrats der Muslime in Deutschland (ZMD) und der Schiiten teil. Der Zentralratsvorsitzende Aiman A. Mazyek hatte im Vorfeld des Treffens einen Austausch auf Augenhöhe gefordert. Er halte die Spannungen zwischen Muslimen und katholischer Kirche, die der Papst mit seiner Regensburger Vorlesung vor fünf Jahren ausgelöst hatte, noch nicht für vollkommen ausgeräumt.

Die Begegnung mit den Muslimen war der letzte Programmpunkt des Papstes in Berlin. Anschließend wollte er nach Erfurt weiterfliegen, wo ein Treffen mit Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland geplant war.

phw/dapd

insgesamt 108 Beiträge
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Seite 1
thepunisher75 23.09.2011
1. Da gebe ich den Grünen aber auch Recht...
Zitat von sysopWas der Papst darf, muss auch der Dalai Lama dürfen - das meinen zumindest die Grünen. Deren Fraktionsgeschäftführer Beck wirbt nun für eine Rede des geistigen Oberhaupts der Tibeter im Bundestag. China würde dies als schwersten diplomatischen Affront betrachten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787999,00.html
..wenn wir schon den Papst eingeladen haben, warum dann auch nicht den Dalai Lama. Und der wird doch, da er das Oberhaupt für die Buddhisten ist, auch einiges interessantes zu sagen haben. Oder werden wir jetzt merken, das es nicht darum ging, WER eingeladen wird, sondern WARUM ? Nähmlich, was den Papst betrifft, um die Katholiken und die Christlich-Demokratischen Parteien in Deutschland zu unterstützen. ; )
Kalaharry 23.09.2011
2. Klarer Fall
Zitat von sysopWas der Papst darf, muss auch der Dalai Lama dürfen - das meinen zumindest die Grünen. Deren Fraktionsgeschäftführer Beck wirbt nun für eine Rede des geistigen Oberhaupts der Tibeter im Bundestag. China würde dies als schwersten diplomatischen Affront betrachten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,787999,00.html
Im Grunde ist diese Einladung nur logisch. Es wird auch keinerlei vernünftige Gründe mehr geben, es zu verweigern.
Beduine, 23.09.2011
3. Musste ja so kommen...
Wenn der Dalai Lama wieder auf seine nächste "Ich-brauch-Kohle"-Tour nach Deutschland kommt, soll er gerne im Bundestag sprechen.
wika 23.09.2011
4. Die Idee ist super …
… und bürgt gleichzeitig für verbessertes Show-Programm aus dem Bundestag. Da es sich ja schon um unser teuerstes Kabarett handelt, sollte man auch die Erwartungen nicht zu tief hängen. Abgesehen davon halte ich das Glaubens-Alternativprogramm, vertreten durch den Dalai Lama für durchaus interessant. Die Chinesen würde ich gleich dazu einladen, steigert den Unterhaltungswert. Übrigens, bei der Papst-Rede habe ich jetzt wirklich die *Ausrufung des Deutschen Gottesstaates* vermisst … Link (und den Segen für die Bankenrettung) (http://qpress.de/2011/09/22/bad-bank-avanciert-zum-kult-kurort-europas/). Damit hätte er nun wirklich den Kuckuck noch abschießen können. Dafür hätte ich im Bundestag sogar Eintritt bezahlt. Darüber hinaus könnten wir auch im Iran mal nachfragen, ob die uns nicht einen hochrangigen Ajatollah zur Verfügung stellen könnten, der uns die Segnungen des Islam und der Scharia etwas näher erläutern kann. Hier wären die Grünen Sicherheit auch dabei, selbst wenn sie noch keinen Gebetsteppich mit in den Bundestag schleppen.
Elfenschubser 23.09.2011
5. ...
Ist Beck wirklich an der Solidarität mit den Tibetern interessiert oder ist der Dalai Lama einfach nur Mittel zum Zweck des Protests gegenüber der Papstrede?
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