Hamburg - So schnell geht das manchmal: Kaum hat die CDU in Baden-Württemberg die Macht verloren, da bringen schon die ersten Christdemokraten wieder schwarz-grüne Bündnisse ins Spiel. Der grüne Spitzenkandidat Winfried Kretschmann hatte am Sonntag das historisch beste Wahlergebnis der Partei erzielt - und kann sich im Mai als erster Grüner zum Ministerpräsidenten wählen lassen.
Selbst auf Bundesebene halten CDU-Politiker eine Koalition nun für möglich: "Die CDU sollte sich die Option Schwarz-Grün nicht nur aus machtpolitischen Gründen erhalten", sagte EU-Kommissar Günther Oettinger (CDU) dem SPIEGEL. Es könne "noch in diesem Jahrzehnt" zu erfolgreichen Formen der Zusammenarbeit zwischen Schwarzen und Grünen kommen - "und zwar auf jeder Ebene".
Auch Bundesumweltminister Norbert Röttgen (CDU) plädiert im SPIEGEL dafür, sich den Weg zu einem schwarz-grünen Bündnis offenzuhalten. "Die CDU sollte so stark wie möglich sein und dadurch möglichst viele Koalitionsoptionen haben", sagte er. Politisches Lagerdenken halte er für falsch. Kanzlerin und CDU-Chefin Angela Merkel lehnt ein schwarz-grünes Bündnis im Bund nach der nächsten Wahl 2013 dagegen ab.
Unionsfraktionsvize Günter Krings sagte, er fände es "töricht, Koalitionen mit den Grünen von vornherein auszuschließen". Auch Familienministerin Kristina Schröder (CDU) sagt, sie sehe viele Gemeinsamkeiten zwischen der CDU und den Grünen: "Meine Sympathien für die Grünen, zumindest für den bürgerlichen Flügel, sind kein Geheimnis", sagte Schröder. Gerade mit jüngeren Grünen verbinde sie "ein ähnlicher Lebensstil, eine ähnliche Debattenkultur, wir gehen ähnlich an Probleme heran."
"So billig sind wir nicht zu haben"
Grünen-Chefin Claudia Roth erteilte einer Koalition mit der Union auf Bundesebene dagegen eine klare Absage. "Weil die FDP in der Bedeutungslosigkeit versinkt, macht Angela Merkel nun ein bisschen auf Grün. Aber so billig sind wir nicht zu haben", sagte Roth dem "Hamburger Abendblatt".
In einem Bündnis müssten die Inhalte zusammenpassen, für die man gemeinsam kämpfe. "Und das sehe ich bei CDU und Grünen nicht." Die Energiepolitik trenne die beiden Parteien immer noch fundamental. An eine Wende glaube sie erst, wenn der Atomausstieg festgeschrieben werde, betonte Roth.
Auch Fraktionschef Jürgen Trittin äußerte sich skeptisch und wies auf unterschiedliche Auffassungen in der Atomenergiepolitik hin. "Die Union hat sich von den Grünen sehr weit entfernt", sagte Trittin der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".
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