Newsblog Das war Der Morgen @SPIEGELONLINE am 29.3.2016

Nachrichten und Themen aus Deutschland und der Welt - hier zum Nachlesen.

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Herzlich willkommen bei Der Morgen @SPIEGELONLINE.
Bis 9 Uhr begleitet Sie heute Frank Patalong beim Start in den Tag.
Die wichtigsten politischen Themen des Tages finden Sie kompakt in unserem Briefing DIE LAGE.

Fortschritt: Die Wumme, die wie ein Handy aussieht

Ja, ist es denn nicht herrlich? Das US-Start-up Ideal Conceal macht gerade weltweit Schlagzeilen mit einer echten Innovation: die erste Handfeuerwaffe, die man zusammenklappen kann und die dann aussieht wie ein etwas dickliches Handy. "Carry with confidence, conceal in style" wirbt die Firma und hat dabei offenbar nicht nur Ballerwütige im Blick, sondern auch Modebewusste.

Das ist so die Art Nachricht, bei der man als Journalist nach Hinweisen darauf sucht, dass das nur Satire ist. Die Webseite der Firma ist von OMG Design gestaltet - das Kürzel steht ja oft für "Oh my God!". Ansonsten wirkt das alles leider echt. Das erschütterndste daran ist ja, dass man sich das wirklich vorstellen kann. Top Idee, wird sich verkaufen. Man ahnt auch schon, in was für Kreisen.
Der Morgen geht nun dem Ende entgegen. Er begann mit wenigen Nachrichten, doch leider leben wir in einer Welt, in der das nie sehr lang so bleibt. Das liegt natürlich auch daran, dass wir alle heute jederzeit alles erfahren: In unserer Wahrnehmung summiert sich das oft zum Bild einer irren, unsicheren Welt.

Aber die Welt ist nicht nur so. Egal, was heute noch passiert: Behalten Sie auch stets im Blick, was gut ist!

Auch wir versuchen jeden Tag, Ihnen nicht nur das Irre in der Welt zu zeigen, sondern auch das Konstruktive, das Interessante, Amüsante und Bildende. Haltung und Perspektive sind wichtig für jeden von uns. Sie bestimmen auch, was und wie viel wir von der Welt überhaupt wahrnehmen.

In diesem Sinne: Kommen Sie gut durch Ihren Tag, gönnen Sie sich was!
Ich gönne mir jetzt einen Kaffee.

Bis zum nächsten Mal,
Frank Patalong
Zum beherrschenden Thema des Tages könnte sich die Entführung eines ägyptischen Passagierflugzeugs nach Zypern entwickeln, über die wir seit einiger Zeit fortlaufend berichten. Um 8.46 Uhr landete die Maschine in Larnaka, viel weiß man bisher noch nicht: An Bord sind rund 80 Passagiere.

SPIEGEL ONLINE hält sie hier fortlaufend auf dem neuesten Stand.
Drogenfund: US-Küstenwache konfisziert sechs Tonnen Kokain

Zum fünften Mal seit Juni 2015 ist der US-Küstenwache ein Semi-U-Boot, mit dem Drogen geschmuggelt wurden, ins Netz gegangen.

Auch Menschen ohne Drogenschmugglerambitionen kennen solche Boote als Halbtaucher, wie sie zum Beispiel im Tourismus eingesetzt werden, um sich die Unterwasserwelt anzusehen: Es geht hier um Boote, deren Korpus sich unter der Wasseroberfläche bewegt, und nur der Führungsstand und die Abgasrohre sind über der Wasseroberfläche zu sehen. Obwohl solche Fahrzeuge alles andere als tauglich für lange Hochseefahrten sind, erfreuen sie sich wachsender Beliebtheit bei südamerikanischen Drogenbossen - aus naheliegenden Gründen.

Der nun bekannt gegebene Zugriff fand schon am 3. März vor der Küste Panamas statt. Die konfiszierte Ware, rund sechs Tonnen Kokain, soll rund 200 Millionen Dollar wert sein, vier Schmuggler wurden verhaftet. Die US-Küstenwache gab ein kurzes Video des Zugriffs frei:

USCG intercepts narco sub
von marinelogcom via YouTube

Nicht lustig: Die Türkei und die Pressefreiheit

Was sagt es aus über einen Staat, wenn der wegen einer TV-Satire den Botschafter des Landes einbestellt, in dem diese produziert und ausgestrahlt wurde? Sinnvoll ist so etwas nur, wenn man davon ausgeht, dass der Staat so etwas verhindern, also direkte Kontrolle über Medien ausüben kann.

Die Regierung des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan hat sich das gerade geleistet: Sie bestellte den deutschen Botschafter wegen eines Spottliedes auf Erdogan ein, das in der Satiresendung "Extra 3" lief. Darüber könnte man lachen, wenn es nicht einen so ernsten Hintergrund hätte.

Wie ernst, das kann wohl kaum einer besser auf den Punkt bringen als SPIEGEL-ONLINE-Redakteur Hasnain Kazim, dessen Korrespondententätigkeit in der Türkei vor Kurzem endete, weil er sich dort Behinderungen seiner Arbeit, zunehmenden Drohungen und am Ende einer Nichtverlängerung seiner Akkreditierung ausgesetzt sah.

Auf Hasnains Analyse, was es bedeutet, wenn ganz normale Medienaktivität diplomatische Verstimmungen verursacht, darf man sich am Vormittag bei SPIEGEL ONLINE freuen.

Zur Einstimmung haben wir hier noch einmal den vidiotischen Stein des Anstoßes für Sie:


Song: Erdowie, Erdowo, Erdogan | extra 3 | NDR
von extra 3 via YouTube


Der Nachrichten-Ausblick: Was kommt heute noch?

Da sind sogar die Auguren der Nachrichtenagenturen in ihren Tagesausblicken bisher ziemlich ratlos. Der Tag beginnt mit einer relativen Nachrichtenflaute - was ja durchaus eine gute Nachricht ist: no bad news are good news.

Ab 20.45 Uhr hofft Fußball-Deutschland natürlich darauf, dass Jogis Mannen die Klatsche gegen England vergessen machen: Die ARD überträgt das Spiel gegen Italien und fängt sicherheitshalber schon mal 30 Minuten früher damit an, damit auch jeder Experte vorab zu Wort kommt. Spott beiseite: Wie Löw und Co. mit der (eigentlich irrelevanten) Niederlage von letzter Woche umgehen und darauf reagieren, wird jedes Sportressort am heutigen Dienstag beschäftigen. So wird aus dem Freundschaftskick in München eine kleine Nagelprobe.

Volkswagen könnte Nachrichten produzieren: Der vom selbstverschuldeten Abgasskandal gebeutelte Konzern stellt gegen Mittag seinen Geschäftsbericht 2016 vor.

Der Rest der bisher erwartbaren News ist von einer Fallhöhe, bei der keine Höhenangst aufkommt: Die Mehrheit der Deutschen ist für eine Plastiktütengebühr, werden wir erfahren. Demoskopisch gesichert. Ikea-Gründer Ingvar Kamprad wird morgen 90 Jahre alt. Und die dpa hat schon ein Päckchen von fünf Artikeln zum Thema 1. April angekündigt. Kein Scherz.
Dieses Ding zieht ja seit Anfang Februar seine Kreise durch die Netzwerke. Was viele aber nicht wissen: Das ist eine richtige Welle.

Ernsthaft, es gibt Massen davon: T-Rexe beim romantischen Candlelight-Dinner, beim Ballet, als Komparse in der Oper, im Kampf mit Spiderman - was immer Sie wollen. Manche der beknackten Videos ernten bei Youtube 5000 Aufrufe, weil schon vorher 10 Millionen Leute den Käse per Facebook bekommen haben. Andere bringen es auf 22 Millionen Aufrufe bei Youtube, bevor sie in die Social-Kanäle schwappen.

Wer will, kann sich daraus ein abendfüllendes Programm stricken. Was das Drehbuch angeht, sollte man sich aber von überzogenen Ansprüchen trennen. Im Genre des "Aufgeblasener T-Rex-Film" gilt: Concept is King.



Ryan riding his TTR50 dirt bike in a Jurassic Park T-Rex Tyrannosaurus Costume
von dbcycleparts via YouTube

And now for something compleeeeeeetly different: Interessieren Sie sich auch so für Menschen in aufblasbaren T-Rex-Kostümen, die interessante Dinge tun?
T Rex on Horse Doing Tricks
von Happy Horse Report via YouTube

Kämpferische Clinton redet Klartext: Republikaner haben sich Trump selbst eingebrockt.

So langsam geht der US-Wahlkampf in die Kurve und damit in eine Phase über, in der das sich gegenseitig Beharken in den Vordergrund rückt. Sowohl Hillary Clinton, als auch Donald Trump scheinen auf der Zielgerade Richtung Kandidatur, wenn nichts Großes mehr passiert. Dass immer mehr Republikaner über ihren Kandidaten klagen, warf Clinton ihnen am Montag mit Kawumm vor die Füße: "Donald", schrieb sie den Republikanern ins Stammbuch, "kam nicht aus dem Nichts."

In einer Rede an der University of Wisconsin sagte sie: "Was die Republikaner mit ihren extremistischen Taktiken gesät haben, ernten sie nun mit Trumps Kandidatur."

Im Klartext: Heult nicht rum, Ihr seid selbst schuld, man erntet, was man sät. Das kann man so sehen, und auch viele unabhängige Beobachter teilen diese Perspektive: Ohne die Erfolge der Tea-Party und ohne die nicht nur die Geografie verändernden Erfolge von Politikerinnen wie Sarah "Ich kann Russland von Alaska aus sehen" Palin wäre ein – sagen wir mal – Phänomen wie Donald Trump kaum denkbar.
Steigen wir mit einer der stets relevantesten Nachrichten zum Tag ein: Hier sind Ihre Wetteraussichten.
Positiv fällt mir dazu ein: Wir sitzen alle in einem Boot. Negativ ist, dass sich sowas eben ziemlich nass anfühlen kann, vor allem bei viel Wind und stürmischen Böen. Das harmonisiert immerhin ganz prächtig mit den während des Tages fast das ganze Land betreffenden Schauern und Gewittern – das ist Wetter aus einem Guss, sozusagen.
Nass wird es vor allem in der Landesmitte und im Norden, im Süden reißt die Wolkendecke auch schon einmal auf. Dafür verpassen unsere südlichen Landsleute die hoffentlich letzten Graupelschauer des Jahres – bei Temperaturen zwischen 9 und 15 Grad. Dazu pfeift es wie gesagt kräftig, und zusammengefasst könnte man das alles auch so ausdrücken: Keine Ahnung, wie es bei Ihnen genau aussehen wird, aber schön wird das wohl nicht.
Sorry, aber so sieht es aus, sagen die Auguren. Regenschirm dabei?
Guten Morgen, liebe Leserschaft, wie geht es Ihnen?

Hinter uns liegt ein mächtig langes Wochenende, vor uns eine merklich verkürzte Woche – das hat doch was. Dass wir zwei – Sie und ich – jetzt noch eine Stunde früher kommunizieren, als das vor Ostern der Fall gewesen wäre, ist zwar ärgerlich, in diesem Jahr aber nicht mehr zu ändern. Nehmen wir es mit Humor und hoffen, dass wir diesen schlechten Witz irgendwann mal abgeschafft bekommen.

Ich bin Frank Patalong und werde Sie in den beginnenden Arbeitstag begleiten. Sind Sie bereit?



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insgesamt 6 Beiträge
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Seite 1
basecape-man 29.03.2016
1. clinton mag ja recht haben ,aber mit so einem stil ...
kann sie vielleicht die wahl gewinnen doch die usa einen wird sie damit nicht.damit ist die nächste periode des politischen stillstandes in den usa vorprogramiert.die usa wird weiter an bedeutung verlieren.einige mögen das begrüssen .strategisch gesehen bleibt abzuwarten wer dieses vakuum ausfüllen wird.russland militärisch stark aber wirtschaftlich schwach?europa politisch als einheit nicht existend?die zeiten werden unruhiger ,das ist sicher.
karljosef 29.03.2016
2. Trump haben sich die Republikaner selbst eingebrockt?
Oder liegt es am System, dass man in den USA als Kandidat nur dann eine Chance hat, wenn man einen extrem teuren Wahlkampf selbst bezahlen kann oder Leute "kennt", die ihn "völlig uneigennützig" bei der Bezahlung unterstützen?
MoorGraf 29.03.2016
3. ceterum censeo: ich mag die Sommerzeit!
Ich finde es toll, dass es jetzt abends um 8 noch hell ist, und da ich auch im Winter nicht um 9 Uhr morgens im Dunkeln ausharren will, stelle ich gerne die Uhr zweimal im Jahr um.
BjoBa 29.03.2016
4. smartphone Pistole?
Wer ist denn da die Zielgruppe? Dachte Waffen dienen nur der Selbstverteidigung gegen Tiere und zuhause gegen Einbrecher. Aber vor Tieren braucht man eine solche Tarnung nicht und vor Einbrechern auch nicht. Wer ist da also die Zielgruppe?
thequickeningishappening 29.03.2016
5. Zu Clinton vs Trump
Trump ist "rechts", Sanders "links", die Mittelschicht ist sauer, eigentlich wenig Spielraum fuer Frau Clinton but who knows?
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