Newsblog Mitleid und Häme für die Azzurri

Wer den Schaden hat, muss für den Spott nicht sorgen: Das Italien-Desaster ruft weltweit boshafte Reaktionen hervor - viele bangen aber auch um die Qualität der WM.


Herzlich willkommen bei Der Morgen @SPIEGELONLINE.
Bis 9 Uhr begleitet Sie heute Malte Müller-Michaelis beim Start in den Tag.
Die wichtigsten politischen Themen des Tages finden Sie kompakt in unserem Briefing DIE LAGE.
So schnell kann es gehen: Da macht man den einen oder anderen Witz über Italiens WM-"Desaster" ("La Stampa") und schon ist es wieder 9 Uhr. Damit endet der "Morgen" bei SPIEGEL ONLINE, und ich entlasse Sie in den Tag.
Was Sie heute unbedingt lesen sollten: Die Bilanz zu Trumps Asien-Reise, Hintergrund-Analysen zu den Konflikten in der Golf-Region und zum Wirtschafts-Boom in der Türkei sowie natürlich unsere ausführliche Aufbereitung der Stimmungslage in Italien mit einer Einordnung, was das Fehlen der Squadra Azzurra für die WM in Russland bedeutet.
Und nicht vergessen: Heute Abend bestreitet Deutschland ein hoffentlich unterhaltsames Testspiel gegen Frankreich, wir berichten ab 20.30 Uhr live. Außerdem kommt es bei den ATP Finals zum Match zwischen Alexander Zverev und Roger Federer.
Und noch eine gute Nachricht zum Abschluss: Der nächste "Morgen" kommt bestimmt, am Mittwoch sind wir ab 6 Uhr wieder für Sie da. Ich danke für Ihr Interesse und sage: Arrivederci!
Gute Nachrichten gibt es aus der deutschen Wirtschaft: Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nach Angaben des Statistischen Bundesamts im dritten Quartal um 0,8 Prozent gestiegen. Im zweiten Vierteljahr hatte das Wirtschaftswachstum "nur" 0,6 Prozent betragen. Entscheidend für den leichten Aufschwung war vor allem der internationale Handel, Exporte legten stärker zu als Importe.
Für alle, die sich gefragt haben, was Donald Trump heute so macht: Der US-Präsident nimmt nicht wie geplant am Ostasien-Gipfel in Manila teil, weil sich das Treffen um 90 Minuten verzögert hat. Außenminister Rex Tillerson wird ihn vertreten. Trump ist in der Air Force One auf dem Weg zurück nach Washington und hat für seine Ankunft große Neuigkeiten angekündigt. Da sind wir mal gespannt.
Wo wir gerade beim Thema Wetter waren: Über Rom hängen heute tiefe und traurige Wolken. Die gefühlte Temperatur liegt bei: "Mamma mia, wie konnte das nur passieren?"
Ein schneller Blick auf die Wetteraussichten: Heute morgen war und ist es frostig kalt. Zudem ist es gut möglich, dass Sie schon Nebel oder Hochnebel gesichtet haben. Im Süden gibt es im Tagesverlauf Hoffnung auf ein paar sonnige Stunden, im Norden bleibt es bedeckt mit Regen oder Nieselregen. Die Temperaturen steigen auf maximal drei bis zehn Grad.
 
Neues aus Jamaika: Bislang ist ja vor allem bekannt, in welchen Punkten sich Union, FDP und Grüne uneinig sind. Zumindest in einem Punkt scheint es jetzt aber eine gemeinsame Position zu geben. "Wir wollen einen Rechtsanspruch auf Ganztagesbetreuung für Grundschüler", soll es nach Informationen der "Rheinischen Post" in einem Positionspapier heißen. Wie dieses Ziel umgesetzt werden soll, scheint unter den Parteien aber umstritten zu sein. Alles andere wäre ja auch zu überraschend.
Die verpasste Qualifikation der Squadra Azzurra ist auch in vielen internationalen Medien nach wie vor eines der Top-Themen. Nur in den Niederlanden scheint man die Aufregung nicht zu verstehen. Warum wohl? "De Telegraaf" schreibt lieber darüber, dass die Schweden bei der WM dabei sind. 
Es gibt weitere Reaktionen der italienischen Presse: Die "Corriere dello Sport" schreibt von einer "unerträglichen Fußball-Schande" und einem "unauslöschlichen Fleck". (Foto: DPA)
 
"Man kann nicht einfach eine Moschee öffnen und jedem erlauben, dorthin zu gehen und zu predigen." Das hätte auf einem AfD-Wahlkampfplakat stehen können. Die unter anderem an Deutschland gerichtete Aussage stammt aktuell aber von Scheich Nahjan Mubarak Al Nahjan, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten als Minister unter anderem für Toleranz verantwortlich ist. Er fordert die Einführung von Ausbildungen und Lizenzen für religiöse Führer. Darauf hätte man auch selbst kommen können.
Die Golfregion kommt nicht zur Ruhe, und Deutschland exportiert weiterhin in großem Stil Rüstungsgüter. Obwohl der schwelende Konflikt zwischen Saudi-Arabien und Iran immer wieder Tote fordert, hat die Bundesregierung Ausfuhren von unter anderem Patrouillenbooten und militärischen Lkw im Wert von fast 148 Millionen Euro an die saudi-arabische Regierung genehmigt.
Wo Trauer ist, da ist natürlich auch Freude...
Richten wir den Blick noch mal nach Italien, wo sich nach der verpassten WM-Qualifikation eine ungläubige Katerstimmung breitmacht. Die "Gazzetta dello Sport" schreibt von einer "Apokalypse", und "Tuttosport" schimpft über das "verfluchte 0:0". Was alle verwundert: Nationaltrainer Gian Piero Ventura will trotz des spielerischen Offenbarungseides in den Playoffs gegen Schweden nicht zurücktreten. 
Bill Gates will in der Wüste von Arizona eine "Smart City" für 80.000 Menschen bauen. Dafür investiert der Microsoft-Gründer 80 Millionen Dollar. In der Stadt mit dem Namen Belmont soll alles hochtechnisiert ablaufen, unter anderem sollen in der Stadt nur autonome Autos fahren. 
Neben Italien wird auch Venezuela nicht an der WM 2018 in Russland teilnehmen. Aber das südamerikanische Land hat tatsächlich noch größere Probleme: Venezuela droht der Staatsbankrott. Bei einer Gläubigerkonferenz in Caracas gab es weder Lösungsvorschläge noch konkrete Zahlungszusagen, dafür aber Geschenktüten mit Kaffee und Schokolade. Besser als nichts, mag mancher denken. Aber nicht viel besser als nichts, wenn man bedenkt, dass es um eine Gesamtsumme von knapp 1,2 Milliarden Dollar geht. (Foto: Reuters)
 
Bevor ich es vergesse: Der 14. November ist unter anderem Weltdiabetestag, Tag der OP-Schwestern und Tag der eingelegten Gurke.
Eine weitere Empfehlung an Mattel wäre der Gianluigi-Buffon-Ken, der pünktlich zur WM 2018 erscheinen könnte: weinend im Trikot auf der Couch vor dem Fernseher.
Barbie trägt jetzt Kopftuch: Der Spielzeughersteller Mattel bringt im Rahmen der "Sheroes"-Kollektion eine Puppe nach dem Vorbild der muslimischen US-Säbelfechterin Ibtihaj Muhammad (31) mit Hidschab auf den Markt. (Foto: Reuters)
 
Während die Jamaika-Verhandlungsführer weiterhin unter anderem um Klima- und Energiepolitik streiten, ist RWE auf dem besten Weg, das Jahr 2017 mit einem Gewinn oberhalb der Milliardengrenze abzuschließen. Nach den ersten drei Quartalen lag der bereinigte Überschuss bei fast 876 Millionen Euro, für das Gesamtjahr hält Finanzchef Markus Krebber 1,0 bis 1,3 Milliarden Euro für realistisch.
Dass das Fanning-vs-Hai-Video vom russischen Sender RT (ehemals "Russia Today") stammt, ist nicht wirklich ein Zufall, sondern vielmehr eine geschickt getarnte Überleitung zur nächsten Nachricht: RT hat dem Druck der US-Regierung nachgegeben und sich in den Vereinigten Staaten als "ausländischer Agent" registrieren lassen. RT-Chefredakteurin Margarita Simonjan sagte, die Registrierung sei erfolgt, um ein Strafverfahren zu vermeiden, und schob nach: "Wir gratulieren der amerikanischen Redefreiheit und allen, die noch daran glauben."
Fry sagte, er erinnerte sich an dieses YouTube-Video, auf dem der Profisurfer Mick Fanning einen Hai mit den Fäusten in die Flucht schlägt. "Ich glaube, ich schulde Mick ein Bier", sagte Fry.
Und noch mal Sport - genauer: eine Mischung aus Surfen und Boxen. Der britische Arzt Charlie Fry (25) ist gerade im Urlaub am Avoca Beach in Australien. Dort wurde er beim Surfen von einem zwei Meter langen Hai attackiert und in die Schulter gebissen. Fry wehrte den Angriff mit einem gezielten Faustschlag ab und kam mit dem Schrecken sowie leichten Fleischwunden davon.
Nicht nur Italien ist übrigens raus, sondern auch Rafael Nadal. Der Weltranglistenerste hat nach seiner Auftaktniederlage bei den ATP Tour Finals, der inoffiziellen Tennis-Weltmeisterschaft, seine Saison für beendet erklärt. Nadal hat gestern Abend gegen den Belgier David Goffin 6:7, 7:6, 4:6 verloren und hätte eigentlich noch zwei weitere Gruppenspiele bestreiten müssen. Das übernimmt jetzt sein Landsmann Pablo Carreno Busta für ihn. Heute Abend um 21 Uhr spielt der deutsche Hoffnungsträger Alexander Zverev gegen den Weltranglistenzweiten Roger Federer. Beide hatten ihre Auftaktmatches gewonnen.
Was bei der Fußball-Weltmeisterschaft fehlen wird...
Apropos Jamaika: Jetzt raten Sie doch mal, was der karibische Inselstaat und Italien gemeinsam haben. Richtig: Beide Nationen sind nicht bei der WM 2018 in Russland mit dabei. 29 von 32 Teilnehmern stehen fest, das hier sind sie (in der Reihenfolge, in der sie sich qualifiziert haben): Russland, Brasilien, Iran, Japan, Mexiko, Belgien, Südkorea, Saudi-Arabien, Deutschland, England, Spanien, Nigeria, Costa Rica, Polen, Ägypten, Serbien, Island, Portugal, Frankreich, Uruguay, Argentinien, Kolumbien, Panama, Senegal, Marokko, Tunesien, Schweiz, Kroatien und Schweden. Die Entscheidungen über die letzten drei Plätze fallen heute, morgen und Donnerstag in noch drei ausstehenden Playoff-Rückspielen: Irland gegen Dänemark, Peru gegen Neuseeland sowie Australien gegen Honduras.
In Deutschland gibt es auch acht Wochen nach der Bundestagswahl eigentlich nur ein ganz großes Thema: die scheinbar unendlichen Jamaika-Sondierungsgespräche. Diese Woche soll endlich Schluss sein, eine Einigung scheint aber nicht in Sicht. Zu den viel zitierten Knackpunkten gehören unter anderem der Kohleausstieg, die Mütterrente, der Solidaritätszuschlag und ganz allgemein die Steuersätze. Einigungen scheinen nicht wirklich in Sicht. Aber das ist ja nichts Neues.
Ein Thema, das die Welt leider auch weiterhin beschäftigt, ist das verheerende Erdbeben der Stärke 7,3 in der iranisch-irakischen Grenzregion. Mindestens 455 Menschen kamen ums Leben, über 7000 wurden verletzt, Zehntausende verbrachten die Nacht unter freiem Himmel - zum Teil, weil ihre Häuser eingestürzt waren, zum Teil aus Angst vor Nachbeben. (Foto: AP)
 
Ursula von der Leyen (CDU) stellte die neue engere EU-Kooperation in direkten Zusammenhang mit Donald Trump. „Es war für uns wichtig, gerade nach der Wahl des amerikanischen Präsidenten, uns eigenständig aufzustellen als Europäer“, sagte die Verteidigungsministerin. Der US-Präsident muss sich derweil weiterhin mit dem Vorwurf auseinandersetzen, Russland hätte Einfluss auf die US-Wahl genommen. Im Fokus dabei: Sein Sohn Donald Trump junior, der jetzt auch einräumte, dass er mit WikiLeaks in Kontakt stand.
Bei der WM sind die Italiener nicht mit dabei: Bei der gemeinsamen europäischen Außen- und Sicherheitspolitik dafür schon. Gestern einigten sich 23 EU-Staaten auf engere militärische Zusammenarbeit. Nicht mit dabei: Dänemark, Irland, Malta, Portugal und Großbritannien. Die Brexit-Briten, die eine gemeinsame EU-Verteidigungsstrategie bislang blockiert hatten, haben aber zumindest angekündigt, die Pläne unterstützen zu wollen.
1958 - das ist so lange her, dass Gianluigi Buffon damals noch nicht Nationaltorhüter war. Kaum vorstellbar. Nach der verpassten Qualifikation erklärte der ewige Gigi seinen Rücktritt aus der Squadra Azzurra. Vielleicht überlegt er es sich aber doch noch mal anders und greift für die WM 2022 noch mal an. Zuzutrauen wäre es ihm, schließlich ist er dann erst 44 Jahre jung. Die tragischsten Buffon-Bilder der letzten Nacht finden Sie hier.
Eine Fußball-Weltmeisterschaft ohne Italien? Geht das überhaupt? Ja, und es gab es sogar schon mal: 1958 gehörten die Azzurri nicht zum damals noch aus 16 Mannschaften gehörenden Teilnehmerfeld. Ein sehr junger Pelé schoss Brasilien in Schweden zum Titel. Ausgerechnet in Schweden, möchte man aus italienischer Sicht sagen. Man hätte ahnen können, dass der Playoff-Gegner kein gutes Omen ist.
Was genau ist da gestern Abend in Mailand eigentlich genau passiert? Nach einer 0:1-Niederlage im Hinspiel kamen die Italiener gegen Schweden nicht über ein 0:0 hinaus. Man muss kein großer Fußball-Arithmetiker sein, um zu wissen, was das bedeutet. Die WM 2018 in Russland findet ohne die Squadra Azzurra statt.
Eins der Bilder der vergangenen Nacht: Gianluigi Buffon (links) ist nach dem 0:0 gegen Schweden und der verpassten Qualifikation in Tränen aufgelöst. (Foto: DPA)
 
Buongiorno möchte man heute vor allem unseren italienischen Freunden zurufen. Aber so richtig buono ist der Morgen aus Sicht der Tifosi gar nicht. Für manche ist es vielleicht sogar der traurigste Morgen seit fast 60 Jahren. Italien hat die Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft verpasst! Das gab es zuletzt 1958. In Gedanken sind wir bei unseren amici südlich der Alpen. Vielleicht starten Sie heute mal mit einem Cappuccino oder Espresso in den Tag. Was Sie auch trinken: Ich begrüße Sie zum "Morgen" auf SPIEGEL ONLINE mit den Nachrichten aus der ganzen Welt.


insgesamt 13 Beiträge
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amarildo 14.11.2017
1. meinung
Der naechste World Cup is in 2022 und die Qualifikationrunde faengt in der zweiten Haelfte von 2020 an. Das sind ein bisschen ueber zwei Jahre . Jetzt kann man damit anfangen den Trainer zu wechseln und der Neue kann dann anfangen ein neues Team aufzubauen. Die Sonne geht auch morgen frueh schon wieder auf.
wokri 14.11.2017
2. Unschönes Spiel
Die Schweden haben gemauert wie die Italiener zu ihren besten Zeiten, so fühlt es sich an wenn du 90 min. An einer Mauer zerschellst.
Immanuel K. 14.11.2017
3. Die Qualität...
...der Fouls wird durch die Abwesenheit der Squadra Azzurra wirklich deutlich leiden... Und ich werde - sich am Boden wälzende, sich dem Tode nahe wähnende - Fussballspieler wirklich vermissen...
annatheke 14.11.2017
4. Keine Häme!
Es ist einfach schade, auch wenn ich den zynischen Fußball über Jahre hassen gelernt habe. Mit Buffon geht einer der sympathischsten Sportsmänner weltweit! Ein super Typ! Ciao!
Barças Superstar 14.11.2017
5. Perspektive
Ohne Argentinien wäre mir lieber gewesen, aus deutscher Sicht. Ohne Deutschland wäre vielen auch Recht gewesen (Niederlande, Argentinien, Spanien, u.v.m.). Alles eine Frage der eigenen Position. Ich plädiere für eine WM alle 3 Jahre ohne WM-Quali. sondern nach Ranking der jeweils letzten kontinentalen Meisterschaften im Vorjahr zzgl. ein paar Restplätzen.
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