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Nachtwölfe-Motorradkorso: Bundesregierung droht Putins Rockerbande

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AFP

Im Streit um den geplanten Motorradkorso der Nachtwölfe geht die Bundesregierung in die Konfrontation: Nach Informationen von SPIEGEL ONLINE droht die Regierung den Putin-treuen Rockern mit Einreisesperren.

Die Bundesregierung hat den russischen Rockern der Gruppe Nachtwölfe mit Einreiseverboten gedroht, falls sie versuchen sollten, die Feierlichkeiten zum Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland zu stören. Das Auswärtige Amt und das Innenressort betonten gegenüber SPIEGEL ONLINE in einer gemeinsamen Stellungnahme, dass der geplante Motorradkorso nicht "dem Ziel dient, einen Beitrag zur Stärkung der deutsch-russischen Beziehungen zu leisten".

Der Bundesregierung sei es "ein wichtiges Anliegen, dass der Jahrestag in Würde begangen wird". Eine mögliche "Instrumentalisierung des unermesslichen Leids der Opfer und des Widerstands gegen die Naziherrschaft" werde Berlin mit allen Mitteln verhindern, so die recht harsche Stellungnahme. Ausdrücklich betonte die Regierung, dass für den Jahrestag "die Aussöhnung zwischen den ehemaligen Kriegsgegnern" das Kerninteresse Berlins sei, nicht die Konfrontation.

Den Rockern der Nachtwölfe, die sich oft mit Wladimir Putin zeigen, aber stets betonen, nicht politisch motiviert zu sein, drohte Berlin ungewöhnlich scharf: "Sobald Grund zu der Annahme besteht, dass Gefahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung in Deutschland bestehen", werde man alle "notwendigen Maßnahmen" ergreifen, um diese zu verhindern. Ausdrücklich sei man gewillt, "Ausländer an der Einreise nach Deutschland zu hindern". Ebenso möglich seien "geeignete polizeiliche Maßnahmen in Deutschland".

Zahlreiche Visa wurden schon annulliert

Seit Tagen steht das Auswärtige Amt mit den Sicherheitsbehörden in Kontakt und berät, wie man den Aufmarsch der Rocker noch stoppen kann. Tatsächlich hatte das Ministerium von Außenminister Frank-Walter Steinmeier schon mehrere bereits erteilte Visa für führende Mitglieder der Nachtwölfe annulliert - und damit faktisch für sie bereits eine Einreisesperre in den sogenannten Schengen-Raum verhängt. Bei einem Abgleich von Daten hatte sich herausgestellt, dass diese Visa auf Basis falscher Angaben erteilt und als Touristenvisa ausgestellt worden waren. Aus dem Auswärtigen Amt hieß es dazu, die Anführer der Gruppe hätten sich diese Visa erschlichen und ihre Verbindung zu den Nachtwölfen absichtlich verschwiegen.

Zuvor hatten schon andere Länder entlang der Route den Rockern gedroht. Die Motorradtour soll am 25. April beginnen und am 9. Mai, dem in Russland begangenen Jahrestag des Kriegsendes, in der deutschen Hauptstadt enden. "Ziel ist es, das Andenken an diejenigen zu ehren, die beim Kampf gegen den Faschismus gefallen sind", sagte Organisator Andrej Bobrowski. Besucht werden sollen dabei außer Deutschland noch Weißrussland, Polen, Tschechien, die Slowakei und Österreich. Die Biker wollen nach eigenen Angaben die "guten Beziehungen" zwischen Russland und den durchquerten Ländern stärken.

In einem Statement an die russische Botschaft in Warschau teilte das polnische Außenministerium allerdings mit, der Bande die Einreise verweigern zu wollen. In Tschechien droht ebenfalls Ungemach, dort muss die Gruppe mit massiven Polizeikontrollen rechnen. "Der Staat sucht nach Wegen, um ihnen den Spaß an der Fahrt zu verderben", berichtete die Zeitung "Lidove noviny" am Freitag online. Die Kreml-nahen Biker müssten sich wie andere Verkehrsteilnehmer verhalten und dürften nicht als Kolonne fahren, hieß es demnach aus Polizeikreisen.

Der 1989, wenige Jahre vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion, gegründete Klub zählt in deren Nachfolgestaaten heute rund 5000 Mitglieder.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Friedlich ?
quark@mailinator.com 25.04.2015
Bekanntlich ist Freiheit immer die Freiheit der Andersdenkenden. Solange diese Leute sich also an Recht und Gesetz halten, sollten sie doch wohl auch einreisen und hier rumfahren dürfen, oder ? Es gibt auch genug Deutsche, welche in Putin nicht den Scheitan sehen, als welcher er hier gern dargestellt wird. Dürfen die dann auch nicht gemeinsam Motorad fahren ?
2. So ein Theater
ornitologe 25.04.2015
wegen ein paar russischen Bikern. Von Selbstbewusstsein zeugt die Einreisesperre in die BRD nicht gerade. Oder muss sich Deutschland vor harmlosen, unbewaffneten Motoradfahrern aus Russland fürchten? Die hochgelobte freie, westliche Demokratie läuft Gefahr, sich mit solchen Beschränkungen lächerlich zu machen. Etwas mehr Standfestigkeit hätte ich unserer Demokratie schon zugetraut...
3. Versteh ich nicht
redracer2014 25.04.2015
Warum droht man denn diesen Leuten? Nur weil ein paar davon Putin kennen? Echt engstirnig und kindisch
4. Kleiner Vorschlag
Leser1000 25.04.2015
Betrachtet die Leute doch einfach als Biker. Wenn Sie im Konvoi kommen , im Sinne eines Aufmarsches, dann mögen sie die Route anmelden - wie es andere Organistationen in Deutschland bei entsprechenden Gelegenheiten - auch müssen. Sodann mag man ihnen eine Route zubilligen; sie auf dem "Alex" begrüßen, Ihnen einen Tee aus dem Samowar und einem "Berliner" servieren. Irgendein ehrlicher Berliner Hobby Bikerverein (nicht gerade die Halbseidenden) sollte sich doch als "Stationsbetreiber" finden lassen. Als Gastgeschenk. mit den besten Wünschen für die Rückreise - gibt´s dann die Europakarte bzw. eurasische Karte -Stand Jahr 2000- und dem kleinen Hinweis auf die Unverletzlichkeit der Grenzen. PS: Sollte wieder Erwarten jemand geblitzt werden, so könnte das Knöllchen ja direkt dem russischen Präsidenetn mit der Bitte um (direkte) Weiterleitung übermittelt werden. -:). Als demokratischer Staat sollte man wegen der Biker nun nicht in Hysterie verfallen. Gelassenheit wäre m.E. angezeigt.
5. Völlig überdreht
obruni.ningo 25.04.2015
Ich dachte wir sind ein freies Land und verstehen uns als Vorbild. Besteht denn die Gefahr von Gewalttaten?
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