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Nachwahl in Dresden: Endergebnis der Bundestagswahl verzögert sich um Wochen

Die Bundestagswahl wird zur Hängepartie. Wegen des überraschenden Todes einer NPD-Kandidatin wurde die Abstimmung im Dresdner Wahlkreis 160 verschoben - und damit das amtliche Endergebnis der Gesamtwahl. Ein vorläufiges amtliches Endergebnis wird in der Wahlnacht verkündet. Doch 219.000 Dresdner könnten zum Kanzlermacher werden.

Kerstin Lorenz: Tod während des Wahlkampfs
DPA

Kerstin Lorenz: Tod während des Wahlkampfs

Dresden - Die sächsische Landeswahlleitung teilte mit, die Wahl in dem betroffenen Wahlkreis 160 müsse nach dem Tod der NPD-Kandidatin Kerstin Lorenz abgesagt und neu angesetzt werden. Lorenz war nach Angaben ihrer Partei gestern im Alter von 43 Jahren gestorben, nachdem sie am Montag bei einer Wahlkampfveranstaltung einen Hirnschlag erlitten hatte und ins Koma gefallen war.

Wann die Wahl nachgeholt wird, steht noch nicht fest. "Wir wollen Zeitnähe, spätestens am ersten Oktober-Wochenende, vielleicht auch noch im September", sagte Sachsens Landeswahlleiterin Irene Schneider-Böttcher. "Das trifft in der Folge andere Entscheidungen wie die Wahl des Bundeskanzlers."

Womöglich steht der Sieger der Bundestagswahl bei einem knappen Resultat nach der Auszählung im übrigen Deutschland also erst später fest. Denn in dem Dresdner Bezirk sind rund 219.000 Menschen wahlberechtigt.

Ungeachtet der Nachwahl wird in der Nacht nach der Bundestagswahl jedoch ein vorläufiges amtliches Endergebnis veröffentlicht. "Es wird noch geprüft, in welcher Form in der Wahlnacht das vorläufige amtliche Endergebnis verkündet wird", sagte Heinz-Christoph Herbertz, Bürochef des Bundeswahleiters Johann Hahlen.

Bei der Bundestagswahl 2002 setzte sich im Wahlkreis 160 die CDU-Politikerin Christa Reichardt mit 33,8 Prozent vor der SPD (31,3) Prozent durch. Damals lag die Wahlbeteiligung dort bei 75,9 Prozent.

In den letzten Tagen sind die Spekulationen über den Ausgang der Wahl spannender denn je geworden. Nach den neuen Forsa-Zahlen hätten SPD, Grüne und Linkspartei eine Mehrheit. Da Kanzler Gerhard Schröder eine Zusammenarbeit mit der Linkspartei ausgeschlossen hat, wäre derzeit eine große Koalition aus CDU/CSU und SPD die wahrscheinlichste Lösung. Eine Umfrage des Instituts Emnid für die "Berliner Morgenpost" ergab ebenfalls einen deutlichen Aufwärtstrend für die SPD, danach würde es aber dennoch weiter ganz knapp für Union und FDP reichen.

Die NPD in Dresden müsse nun einen Nachfolger benennen, teilte die Landeswahlleitung mit. Zudem seien neue Wahlzettel nötig, auch die Briefwahl müsse neu anlaufen. Bereits abgegebene Briefwahl-Stimmen wurden für ungültig erklärt.

Dem Bundeswahlgesetz zufolge muss beim Tod eines Direktkandidaten spätestens sechs Wochen nach der eigentlichen Wahl eine Nachwahl stattfinden. Erst danach kann ein endgültiges Ergebnis veröffentlicht werden.

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