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Deutsche Kolonialverbrechen: Bundesregierung nennt Herero-Massaker erstmals "Völkermord"

Deutsche Truppen vor dem Kampf gegen die Hereros (Archivfoto von 1904): Zur Großansicht
DPA

Deutsche Truppen vor dem Kampf gegen die Hereros (Archivfoto von 1904):

Zehntausende Herero und Nama wurden während der Kolonialzeit im heutigen Namibia von deutschen Truppen ermordet. Erstmals spricht die Bundesregierung in diesem Zusammenhang von einem Genozid. Eine offizielle Entschuldigung steht noch aus.

Deutsche Truppen ermordeten zwischen 1904 und 1908 mehr als 85.000 Herero und Nama im heutigen Namibia. Einhundert Jahre später nennt eine deutsche Regierung das Massaker erstmals einen "Völkermord". Nach Angaben des Auswärtigen Amts gilt für die Bundesregierung nun als "politische Leitlinie" der Satz: "Der Vernichtungskrieg in Namibia von 1904 bis 1908 war ein Kriegsverbrechen und Völkermord."

Der Satz stammt aus einem Antrag, den Außenminister Frank-Walter Steinmeier 2012 als SPD-Fraktionschef mit in den Bundestag eingebracht hatte. Der Sprecher des Auswärtigen Amts, Martin Schäfer, sagte, dies sei auch Grundlage für die laufenden Gespräche mit Namibia.

Bislang war eine politische Aufarbeitung mit den deutschen Kolonialverbrechen ausgeblieben. Zwar hatte sich 2004 die damalige Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul für die hundert Jahre zuvor begangenen Gräueltaten an den Herero und Nama entschuldigt.

Bundeskanzlerin, Bundespräsident und der Deutsche Bundestag hatten eine Anerkennung des deutschen Völkermordes bisher allerdings vermieden. Wohl nicht zuletzt aus Angst vor Reparationsforderungen, die seit Jahren von namibischer Seite erhoben werden. Deutsche Truppen hatten das ehemalige Deutsch-Südwestafrika 31 Jahre lang kolonisiert und die Menschen dort unterdrückt. Die Kolonialherrschaft ging am 9. Juli 1915 zu Ende.

Zum 100. Jahrestag der Kapitulation hatten hochrangige Herero und Nama zusammen mit Vertretern zivilgesellschaftlicher Gruppen eine Petition zur Anerkennung des Genozids an Bundespräsident Joachim Gauck übergeben.

Der Ministeriumssprecher ließ offen, ob es auch eine förmliche deutsche Entschuldigung geben werde. Die Bundesregierung bekenne sich aber ausdrücklich zur "besonderen historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Namibia und seinen Bürgern". Zum Stand der Verhandlungen sagte er: "Die Gespräche laufen sehr konstruktiv und sind gut vorangekommen, aber noch nicht abgeschlossen." Darin geht es neben der Frage der Anerkennung auch um finanzielle Entschädigung.

brk/dpa

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