"Napalm-Mädchen" Kim Phuc Phan Thi wird in Dresden geehrt

Sie wurde als "Napalm-Mädchen" bekannt und zu einer Ikone gegen den Vietnamkrieg. Nun erhält Kim Phuc Phan Thi, 55, den Dresdner Friedenspreis für ihr Engagement für Kinder in Krisengebieten.

Kim Phuc im Jahr 2013
imago/ Belga

Kim Phuc im Jahr 2013


Die im Vietnamkrieg als Neunjährige schwer verletzte und verbrannte Kim Phuc Phan Thi, die als "Napalm-Mädchen" bekannt wurde, erhält am Montag den Dresdner Friedenspreis. Ihr Foto, aufgenommen vom Associated-Press-Fotografen Nick Ut, ging damals um die Welt und führte in den USA zu einem Sinneswandel in Bezug auf den Vietnamkrieg.

Am 8. Juni 1972 regnete es bei einem Angriff südvietnamesischer Kampfflugzeuge Napalm und brennenden Phosphor auf sie und ihr Dorf Trang Bàng. Für Phuc ein Tag, den sie knapp, aber schwer versehrt an Leib und Seele, überlebte. Und der Moment, der seitdem ihr Leben mitbestimmt.

"Ich wollte sterben", sagt sie heute noch. Der Fotograf, der sie berühmt machte, war auch an ihrer Rettung beteiligt. Er übergoss sie mit Wasser und brachte sie in ein Krankenhaus.

Sein später mit dem Pulitzerpreis geehrtes Bild erträgt Phuc bis heute besser in Gesellschaft. "Wenn ich allein bin, meide ich das Bild", sagt die heute 55-Jährige. "Aber ich kann damit für den Frieden arbeiten, das ist meine Vision."

Seit vielen Jahren engagiert sie sich für Versöhnung und kümmert sich mit einer eigenen Stiftung um Kinder aus Kriegsgebieten. Dafür bekommt sie den mit 10.000 Euro dotierten Friedenspreis in Dresden verliehen.

"Mein Traum ist zu helfen, dass die Welt ein besserer Platz zum Leben ist." Als Uno-Botschafterin reist sie viel, obwohl ihre Narben manchmal wie Feuer brennen. Sie erzählt ihre Geschichte und spricht für Kinder, "die keine Stimme haben".

Ihre Stiftung baut seit 2002 Schulen, Waisenhäuser und medizinische Einrichtungen weltweit. Das jüngste Projekt: eine Bibliothek für Kinder in dem Dorf, wo sie zum "Napalm-Mädchen" wurde. "Bildung ist so wichtig, jedes Kind muss die Chance haben zu lernen."

Phuc in einer Ausstellung in Los Angeles, 1996
AP

Phuc in einer Ausstellung in Los Angeles, 1996

Als die mit den USA verbündete südvietnamesische Armee damals, im Sommer 1972, fälschlicherweise Phucs Dorf mit Napalm beschoss, erlitt Phuc auf der Hälfte ihres Körpers Verbrennungen dritten Grades, 14 Monate lang war sie im Krankenhaus und wurde danach sehr oft operiert. Bis heute unterzieht sie sich immer wieder Therapien, um ihre Narben erträglich zu machen. "Nach der letzten schmerzen sie nur noch halb so viel."

Die kommunistischen Machthaber, die die Macht des Bildes erkannten, hatten sie als Kriegsopfer zur Propaganda vorgeführt. Nach einer Behandlung in Deutschland studierte Phuc auf Kuba, erst Pharmazie, dann Sprachen, und lernte ihren Mann kennen.

"Ich habe nicht geglaubt, dass mich ein Mann liebt und heiratet. Ich dachte, ich würde nie ein normales Leben führen." Mit ihm ging sie nach Kanada ins Asyl, inzwischen ist es ihre Heimat. "Da kann ich frei leben und fühle mich sicher." Mit Vietnam, wo ihre Geschwister leben, verbindet sie nur die schreckliche Kindheit. "Aber meine Herkunft vergesse ich nicht."

cht/dpa



insgesamt 8 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dr_gb 11.02.2019
1. Das kann nicht laut, breit und oft genug berichtet werden !
!!!
HuFu 11.02.2019
2.
Das Sinnbild des Krieges. Besser konnte und kann man das Grauen nicht ausdrücken!
frenchie3 11.02.2019
3. Viele Bilder beschreiben das Grauen
des Krieges, aber dieses hier hat mich am schlimmsten getroffen. Ich habe mich oft gefragt was aus dem Mädchen geworden ist
Palmstroem 11.02.2019
4. Ein manipuliertes Bild für den Frieden?
Dieses berühmte Foto ist ein Beispiel für die Manipulation durch Medien und hat dazu beigetragen, dass bis heute 70 Millionen Vietnamesen immer noch unter kommunistischer Herrschaft leiden. Kim Phuc Phan Thi wurde von der kommunistischen Partei als Propagandistin mißbraucht und genoss dafür Privilegien. Trotzdem nutzte sie ihre erste Chance und floh in die Freiheit des "bösen" Westen. Für viele Vietnamesen fing das Grauen erst nach dem Abzug der US-Truppen an. Zehntausende Boat-People und hundertausende in den Umerziehungslagern mussten die Ho Chi Minh-Rufe der Vietnamkrieg-Gegner mit ihrem Leben bezahlen.
cum infamia 11.02.2019
5. in der Eile
Zitat von PalmstroemDieses berühmte Foto ist ein Beispiel für die Manipulation durch Medien und hat dazu beigetragen, dass bis heute 70 Millionen Vietnamesen immer noch unter kommunistischer Herrschaft leiden. Kim Phuc Phan Thi wurde von der kommunistischen Partei als Propagandistin mißbraucht und genoss dafür Privilegien. Trotzdem nutzte sie ihre erste Chance und floh in die Freiheit des "bösen" Westen. Für viele Vietnamesen fing das Grauen erst nach dem Abzug der US-Truppen an. Zehntausende Boat-People und hundertausende in den Umerziehungslagern mussten die Ho Chi Minh-Rufe der Vietnamkrieg-Gegner mit ihrem Leben bezahlen.
... und ihrem Haß haben Sie glatt vergessen, warum die KOMMUNISTEN diese Kind "mißbrauchen" konnten ! Weil Demokraten (so sagt man doch für die USA und ihre Gehilfen" ? ) mit NAPALM auf Dörfer bombten.Dann wurde das diffizieler und es wurde "nur " noch agent oragne (ein GIft) verwendet. Mit Mißbildungen im Mutterleib. SIeht ja keiner...DIe heutige Uranmunition, die ganze Regionen verseuchte, ist da dann aber ganz "unschädlich". Warum denk ich übrigens bei den Worten"Manipulation" auch gleich an den ertunkenen Flüchtlingsjungen am Strand ?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2019
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.