Italiens Präsident: Napolitano kritisiert Steinbrücks "Clowns"-Äußerung

"Das war nicht in Ordnung": Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück nach dessen "Clowns"-Äußerung empfohlen, seine Worte besser zu wählen. Bundespräsident Joachim Gauck wollte die Worte Steinbrücks nicht kommentieren - und sagte dann doch was.

Berlin - Italiens Präsident Giorgio Napolitano hat den SPD-Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück wegen dessen abfälliger Äußerungen zum Wahlausgang in seiner Heimat öffentlich kritisiert. "Es liegt natürlich auf der Hand, dass das nicht in Ordnung ist", sagte Napolitano am Donnerstag in einer Pressekonferenz mit Bundespräsident Joachim Gauck.

Jeder könne natürlich denken, was er wolle, sagte Napolitano weiter. "Aber wenn man über gewisse Dinge spricht, die ein befreundetes Land betreffen und die das Ergebnis von freien Wahlen angeht, dann muss man wirklich sehr ausgewogen sein bei der eigenen Wortwahl."

Man müsse "sich wirklich an eine Regel der Mäßigung halten, was das Verhältnis zwischen zwei Ländern angeht", sagte der 87-Jährige.

Steinbrück hatte den ehemaligen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi und den Protestpolitiker Beppe Grillo als "Clowns" bezeichnet, von deren Wahlsieg er entsetzt sei. Napolitano hatte daraufhin ein geplantes Abendessen mit Steinbrück platzen lassen, nachdem er von dessen Äußerungen erfahren hatte.

Zur Absage sagte Napolitano nun, Steinbrücks Einlassungen seien eine bedauerliche Angelegenheit gewesen. "Deswegen lagen die Bedingungen für ein eigentlich anberaumtes Treffen nicht mehr vor."

Gauck sagte, er wolle die Äußerung des SPD-Kanzlerkandidaten ebenso wenig kommentieren, wie er als Staatsoberhaupt die Äußerungen von Regierungsmitgliedern nicht kommentiere. Dann fügte er hinzu: "Manches kommentiert sich auch von selbst."

Für die Äußerungen musste sich Steinbrück heftige Kritik in Italien anhören, wo die Absage Napolitanos überwiegend positiv kommentiert wurde. In der Heimat kritisierten auch Parteifreunde die Aussage ihres Kanzlerkandidaten. Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), forderte ebenfalls, den politischen Willen der Wähler zu respektieren. "Wir sind bei der Betrachtung der Wahl alle gut beraten, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Italiener diese Parteien und ihre Führer gewählt haben", sagte Schulz der "Passauer Neuen Presse".

Aus dem schwarz-gelben Lager kam beißender Spott. Der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, sagte über Steinbrück, dieser mutiere "zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi".

fab/dpa/Reuters

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insgesamt 105 Beiträge
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1. Was macht denn der Wissing da?
ongduc 28.02.2013
'Deutscher Peerlusconi', darf der denn nun im Gegensatz zu unserem Peer den Berlusconi beleidigen?
2. Wer austeilt, muß auch einstecken können
MichaelundNilma 28.02.2013
Dies spielt sich in der Politik zwar nicht so öffentlich ab wie in diesem Fall aber Herr Steinbrück ist ja dafür bekannt, das er seine Meinung auf der Zunge trägt. Wenn man bedenkt, auf welch grobe Art und Weise Herr Berlusconi über Herrn Schulz vom EU - Parlament hergezogen ist oder die Figur von Frau Merkel öffentlich lächerlich machen wollte. Wie wir in den italienischen Zeitungen als Nazis beschimpft worden sind und trotzdem kam keine politische Reaktion aus Deutschland. Jetzt, wo Herr Steinbrück sich über zwei Politiker in Italien mokiert, da kommt eine Reaktion unserer Politiker und natürlich aus Italien. Verstehe das wer will. Verkehrte Welt.
3. Steinbrück, der Volkstribun
caecilia_metella 28.02.2013
So kommt er irgendwie zunehmend herüber. Und prompt wird er von noblen Herrschaften kritisiert. Dabei hat er doch recht. Berlusconi hat sich wirklich etliche Streiche geleistet. Und der andere soll doch ein Komiker sein. Man benötigt tatsächlich eine Menge Humor, um die großen Probleme anzugehen. Warum die Aufregung?
4. Natürlich
Lichtgestalt1503 28.02.2013
Zitat von sysop"Das war nicht in Ordnung": Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano hat SPD-Spitzenkandidat Peer Steinbrück nach dessen Clowns-Äußerung empfohlen, seine Worte besser zu wählen. Bundespräsident Joachim Gauck wollte die Worte Steinbrücks nicht kommentieren - und sagte dann doch was. Napolitano kritisiert Steinbrücks Clowns-Äußerung - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/napolitano-kritisiert-steinbruecks-clowns-aeusserung-a-886125.html)
war es formal-ästhetisch nicht in Ordnung, aber was erlauben Italia? Wie kann man diesen halbseidenen Lustgreismafiosibetrügersteuerhinterzieher wieder wählen? Ist mir absolut unbegreiflich!!! Ich denke, dass Steinbrück mit seiner Clown-Formulierung die Sichtweise von ca. 99,5% der Deutschen wiedergibt.
5. Da müßte sich gauck aber überall beschweren
derbergischelöwe 28.02.2013
Dt. Politiker in SS-Uniformen, Hakenkreuzfahnen beim Staatsbesuch, Hitlervergleiche und und und. Wenn wir da empfindlich wären, Gauck müßte alle Termine absagen... Also bella italia: schon den Ball flach halten!
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Steinbrück und die italienischen Clowns

Peer Steinbrück hat die italienischen Politiker Silvio Berlusconi und Beppo Grillo als "Clowns" bezeichnet - woraufhin Italiens Staatspräsident Giorgio Napolitano ein für Mittwoch geplantes Abendessen mit dem SPD-Kanzlerkandidaten in Berlin absagte. War der Clowns-Spruch von Steinbrück ein Fehler?


Fotostrecke
Wahl in Italien: Die lange Nacht von Rom

Fläche: 301.336 km²

Bevölkerung: 59,571 Mio.

Hauptstadt: Rom

Staatsoberhaupt:
Giorgio Napolitano

Regierungschef: Matteo Renzi

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