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27. Februar 2013, 17:18 Uhr

Steinbrücks "Clowns"-Schmähung

"Gesagt ist gesagt"

Er steht dazu: Peer Steinbrück nimmt trotz des Wirbels um seine Äußerung, in Italien hätten "zwei Clowns" die Wahl gewonnen, nichts zurück. Der SPD-Kanzlerkandidat zeigt immerhin Verständnis dafür, dass Präsident Napolitano aus Groll ein geplantes Treffen absagte.

Potsdam/Berlin - Peer Steinbrück steht nach wie vor zu seinen umstrittenen Äußerungen über den Wahlausgang in Italien. "Gesagt ist gesagt", so der SPD-Kanzlerkandidat am Mittwoch vor der Brandenburger Landespressekonferenz in Potsdam.

"Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben", hatte Steinbrück am Dienstagabend in Potsdam gesagt und damit auf das Abschneiden von Italiens Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi und des Spitzenkandidaten der Protestbewegung 5 Sterne, Beppe Grillo, angespielt. "Mein Eindruck ist, dass zwei Populisten gewonnen haben", sagte Steinbrück.

Italiens Präsident Giorgio Napolitano hatte daraufhin ein für den Abend geplantes Treffen im Berliner Hotel Adlon mit Steinbrück abgesagt. Für die Absage des Staatschefs habe er Verständnis, sagte er. Denn Napolitano habe Neutralität zu wahren. Steinbrücks Sprecher teilte später mit, der SPD-Kanzlerkandidat habe ein klärendes Telefonat mit Napolitano geführt.

Die SPD nahm Steinbrück umgehend in Schutz. Generalsekretärin Andrea Nahles versuchte, die Absage herunterzuspielen: "Peer Steinbrück hat auf einer Veranstaltung gesprochen, die 'Klartext' hieß." Die Bürger hätten "klare Kante" erwartet, und Steinbrück habe ausgesprochen, was er denke. "'Clown' ist das Mildeste, was mir persönlich zu Berlusconi in diesem Zusammenhang einfällt", sagte Nahles. "Bei allem Verständnis für die schwierige Regierungsbildung wird wohl eine klare Meinung zum Wahlausgang noch erlaubt sein."

Berlusconi sei "ein Clown mit einem besonderen Testosteronschub", hatte Steinbrück außerdem auf der Veranstaltung gesagt. "Ob die Menschen danach abgestimmt haben, uns ist zu sehr die Keule des Sparens über den Schädel gezogen worden, weiß ich nicht - oder ob sie eher danach abgestimmt haben, wer ihnen populärere und damit auch etwas angenehmere Botschaften vertreten hat."

Kritik kam umgehend aus dem Regierungslager: Die stellvertretende FDP-Chefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagte, für diese Aussagen sei "Fremdschämen" angesagt. "Mit solchen Äußerungen qualifiziert sich Steinbrück fürs Unterhaltungsfernsehen, aber nicht fürs Kanzleramt." Unions-Fraktionsvize Michael Meister (CDU) kritisierte: "Steinbrück benimmt sich wie die Axt im Walde. Einerseits kritisiert er den Auftritt der Bundeskanzlerin in Europa, andererseits beleidigt er nach den Schweizern nun auch die Italiener". Das schade dem Ansehen Deutschlands, sei widersprüchlich und unanständig.

Steinbrück hat bereits wiederholt mit Aussagen für Schlagzeilen gesorgt - etwa zu der Frage, ob das Kanzlergehalt im Vergleich zu Sparkassendirektoren angemessen ist. Union und FDP nahmen den neuen Zwischenfall umgehend zum Anlass für Kritik an Steinbrück - wobei auch die Koalition alles andere als glücklich ist über den komplizierten Wahlausgang in Italien, der die Euro-Stabilisierung erschweren könnte.

als/dpa/Reuters

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