"Heimatland" statt "Vaterland"? Steinmeier lehnt Änderung der Nationalhymne ab

Die Frauenbeauftragte des Familienministeriums forderte eine geschlechtsneutrale Nationalhymne. Nach Kanzlerin Merkel hat sich nun auch Bundespräsident Steinmeier klar positioniert.

Frank-Walter Steinmeier
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Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich gegen eine geschlechtsneutrale Neuformulierung der Nationalhymne ausgesprochen. "Nein. Ich bin nicht dafür, den Wortlaut zu ändern", sagte Steinmeier der "Saarbrücker Zeitung".

Die Gleichstellungsbeauftragte Kristin Rose-Möhring hatte anlässlich des Internationalen Frauentags am Donnerstag angeregt, im Text der Nationalhymne "Vaterland" durch "Heimatland" zu ersetzen und "brüderlich" durch "couragiert". Über den Vorschlag hatte sich eine hitzige Diskussion entsponnen. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel positionierte sich bereits dagegen.

Warum Steinmeier gegen eine Änderung ist, ist offen. Laut "Saarbrücker Zeitung" habe er nach der kurzen, bündigen Antwort weitergemusst. Ein Ministeriumssprecher hatte den Vorschlag der Gleichstellungsbeauftragten zuvor einen "persönlichen Beitrag" genannt, den er nicht kommentieren könne. Es handle sich um ein "internes Schreiben an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter" des SPD-geführten Ministeriums.

Ausführlicher positionierte sich Steinmeier in dem Gespräch mit der "Saarbrücker Zeitung" dagegen zur Zurückweisung von Ausländern durch die Essener Tafel. Er warb für eine differenzierte Betrachtung. "Es ist nicht alles auf die Höhe von staatlichen Transferzahlungen zurückzuführen", sagte er zu Vorwürfen, die Sozialpolitik trage Verantwortung für wachsende Armut und den Andrang bei den Tafeln. "Klar ist aber auch: Die Politik muss Sorge dafür tragen, dass es nicht zu einer Konkurrenz der Bedürftigen kommt, die sich dann auch noch aggressiv äußert."

Die Hilfsorganisation in Essen hatte Ausländer als Neukunden vom Lebensmittelbezug ausgeschlossen. Sie begründete das damit, dass deren Anteil unter den Empfängern weit über ihrem Durchschnitt an allen Bedürftigen gelegen habe, weshalb er zurückgefahren werden sollte. Zudem hätten Einzelne gedrängelt und so andere Bedürftige abgeschreckt.

apr/dpa



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MisterD 07.03.2018
1. Da bin ich ganz bei ihm...
Der Begriff des Vaterlandes ist nunmal ein gängiger Begriff. Im Übrigen vermisse ich in dem Zusammenhang die Aufregung über den Begriff "Muttersprache". Ja andere Länder haben ihre Hymnen ebenfalls geändert, dort geht es aber um andere Sachverhalte... Merken wir eigentlich gar nicht mehr, welch lächerlich absurde Blüten die Gleichberechtigung mittlerweile treibt? Als ob es keine wichtigen Probleme auf diesem Planeten gäbe...
DrWaumiau 07.03.2018
2. Das sind...
...ganz genau die vielen, kleinen Bausteine, die wir nach und nach ändern müssen, weil genau dadurch die Ungleichstellung in den Köpfen entsteht und aufrechterhalten wird. Umgekehrt müsste man dann natürlich auch überlegen, wo und in welcher Weise die 'Mütter' besonders hervorgehoben sind... Hier jedenfalls, beim 'Vaterland' in der Nationalhymne: Auf jeden Fall ändern, weil gerade davon auch eine starke Signalwirkung ausgehen sollte. Und schliesslich, was verlieren wir dadurch? Genau: Nichts.
gammoncrack 07.03.2018
3. Ich habe das Gefühl, dass hier etliche in der Politik
tätige Personen ihre Existenzberechtigung versuchen zu beweisen. Das ist hier auch wieder so ein Versuch. Als erstes verschwindet der Mohr aus dem Struwelpeter, dann soll in Frankfurt der Begriff Mohr aus den Apothekenbenennung verschwinden. Als nächstes kommt noch der Vorschlag, zwangsweise den Nachnamen Mohr in irgendetwas anderes zu ändern. Und das hier ist genau das gleiche. Jetzt wird überall nach Begriffen gesucht, die ein bestimmtes Geschlechtsmerkmal beinhalten. Weitere Vorschläge gefällig? Bitte unbedingt das Wort "Muttermal" verbieten. Das diskriminiert alle Frauen. Wikipedia: "Das Wort Muttermal kommt aus dem 16. Jahrhundert, als man glaubte, dass diese Hautveränderungen durch unbefriedigte Gelüste der Mutter während der Schwangerschaft entstehen würden." Das geht ja wirklich überhaupt nicht! Frau Kristin Rose-Möhring, das wäre doch wirklich mal etwas, bei dem Sie sich noch besser profilieren können.
wo_st 07.03.2018
4. Muttersprache möchte ich in Vatersprache geändert haben.
Wer solche Probleme im Regierungsapparat hochpoppen lässt, hat wohl nichts zu tun.
jcla 07.03.2018
5. Legitime Forderungen
nach Änderungen des Textes der Nationalhymne können selbstverständlich erhoben werden. Wenn genug Unterschriften dafür gesammelt werden, müsste man auch einen Volksentscheid über die Änderung herbeiführen. Ist das Procedere hierzu gesetzlich verankert? Bitte um Bestätigung oder Einleitung entsprechender gesetzgeberischer Initiative.
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