Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Nationalmannschaft bei Gauck: Der Weltmeister-Präsident und seine Jungs

Von Florian Gathmann

DPA

Der Gewinn des Fußball-WM-Titels liegt vier Monate zurück, jetzt ehrte der Bundespräsident die Sieger von Brasilien mit der höchsten Sportauszeichnung. Gauck zeigte sich begeistert - obwohl Handball sein Lieblingssport ist.

Berlin - Er ist schon zum vierten Mal hier. Miroslav Klose, 36, Rekordtorschütze der deutschen Fußballnationalmannschaft, WM-Rekordtorschütze - und mit diesem Tag auch Rekordträger des "Silbernen Lorbeerblatts" unter den deutschen Kickern.

Natürlich hat man ihn in der ersten Reihe platziert, ziemlich genau vor dem Rednerpult mit dem Bundesadler, sozusagen Auge in Auge mit dem Staatsoberhaupt, das Klose und seinen Mit-Weltmeistern an diesem Montagnachmittag die höchste Sportauszeichnung verleiht, die Deutschland zu vergeben hat. 2002 bekam Klose das Lorbeerblatt als Vizeweltmeister, 2006 und 2010 als WM-Dritter.

Und nun steht Klose nach der Verleihung zwischen Joachim Gauck, Kanzlerin Angela Merkel und Innenminister Thomas de Maizière und lächelt für seine Verhältnisse ganz entspannt. "Miro" rufen die Fotografen, und "hier". So ähnlich geht das dann bei jedem der Spieler, die einzeln ausgezeichnet werden.

Gauck ist Fan von Hansa Rostock

Klose, der inzwischen seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft erklärt hat, ist für den sport- und besonders ballbegeisterten Präsidenten in Schloss Bellevue ein Aushängeschild der Mannschaft, die er in seiner Rede als "liebe Fußballer" anspricht. Gauck war in jungen Jahren ein enthusiastischer und ehrgeiziger Handballspieler. Auch fürs Kicken hat das Staatsoberhaupt eine Menge übrig, seiner Heimatmannschaft Hansa Rostock hält er auch in der dritten Liga die Treue.

Fotostrecke

17  Bilder
WM-Team bei Joachim Gauck: Ballkünstler in Bellevue
Begeisterungsfähigkeit ist ja eine Art Markenzeichen dieses Bundespräsidenten geworden - allerdings hat er damit auch beim Thema Fußball die Grenzen seines Amtes erfahren müssen: Als Gauck nach dem Pokalsieg von Borussia Dortmund 2012 inmitten der BVB-Spieler jubelte, fand das beim damals mit 5:2 schmählich unterlegenen Bayern München nicht jeder angemessen präsidial.

Mit dem Vereinsfußball ist es in Deutschland für einen Präsidenten wohl doch ein bisschen wie mit der Parteienpolitik, also heikel. Deshalb dürfte Gauck nach seinen jüngsten Erfahrungen auf letzterem Gebiet doppelt froh sein, dass an diesem Montag erstens die Nationalmannschaft zu Gast ist und zweitens keine Innenpolitik auf dem Programm steht.

Zumal: Es ist ein Wiedersehen in Schloss Bellevue mit einer Gruppe junger Männer, die der Hausherr ja schon kennt - wenngleich er sie seinerzeit in deutlich enthemmterer Stimmung erlebt hat. Gauck durchzitterte das WM-Finale im Maracanã-Stadion erst gemeinsam mit Kanzlerin Angela Merkel auf der Tribüne, anschließend feierte er - ein Bierchen in der Hand - ausgelassen in der Kabine mit der Nationalmannschaft.

Podolski macht wieder Scherze

Dagegen ist das natürlich ein bisschen angestrengter diesmal, die Nationalspieler tragen statt Badelatschen und Handtüchern feine Schnürschuhe und elegante Anzüge in Anthrazit. Mancher der WM-Helden wirkt beinahe eingeschüchtert von der erhabenen Kulisse und dem Protokoll.

Aber Gauck ist ein guter Gastgeber, und so bemüht er sich um ein bisschen Augenhöhe mit seinen Besuchern. Natürlich geht es in seiner Rede ums große Ganze, die Bedeutung des WM-Titels für Deutschland im Jahr 2014 - und warum diese Mannschaft die Republik so gut verkörpert. Aber Gauck scherzt auch ein bisschen und lobt viel. Dass die Franzosen inzwischen von "Le Mannschaft" und die Briten von "The Mannschaft" sprächen, das sei doch wirklich was!

Und dann ist da zum Glück der obligatorische Spaßmacher Lukas Podolski, der sofort mit der Polit-Prominenz schäkert - und auch Angela Merkel wirkt so heiter wie lange nicht mehr seit dem WM-Gewinn.

"Es war und ist schon etwas ganz besonderes, als Bundespräsident Weltmeister zu werden", sagt Gauck am Ende seiner Rede. Drei deutsche Staatsoberhäupter haben das bisher vor ihm geschafft. Aber wer weiß: Falls er doch in eine zweite Amtszeit geht? Löws Mannschaft ist die Titelverteidigung zuzutrauen - und Gauck wäre dann der erste Präsident mit zwei Weltmeisterschaften.

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 44 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Schon vergessen
kirk,james-tiberius 10.11.2014
Meine Erfahrungen zu der Vergangenen WM waren so wie als hätte es die WM garnicht gegeben. Von der Begeisterung habe ich sehr wenig gespürt. Die Menschen gaben einem das Gefühl was interessiert mich die WM wir haben so schon genug Sorgen. Dabei habe ich die WM persönlich mit Spannung verfolgt. Den Menschen bedeuten Titel nicht mehr soviel wie früher. Zeiten wie der eine Boris Beckers oder Steffi Grafs sind lange vorbei oder WM 1990.
2. Ehrung des Unwichtigen
monolithos 10.11.2014
Fußball als Grund für eine hohe Auszeichnung? Letztendlich haben die Herren ja nichts anderes gemacht als gekickt. Im Gegensatz zu vielen anderen in diesem Land, die ganz anders schuften müssen, denen aber keiner am Fernseher zuschaut. Wenn jemand eine Auszeichnung für herausragende Leistungen in diesem Jahr verdient hat, dann sind es die Leute, die den Herrn Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle geholt haben. DAS war eine Leistung! Was ist aus denen geworden? Waren die schon bei Herrn Gauck oder Frau Merkel?
3. Ich habs genossen
shooop 10.11.2014
Zitat von kirk,james-tiberiusMeine Erfahrungen zu der Vergangenen WM waren so wie als hätte es die WM garnicht gegeben. Von der Begeisterung habe ich sehr wenig gespürt. Die Menschen gaben einem das Gefühl was interessiert mich die WM wir haben so schon genug Sorgen. Dabei habe ich die WM persönlich mit Spannung verfolgt. Den Menschen bedeuten Titel nicht mehr soviel wie früher. Zeiten wie der eine Boris Beckers oder Steffi Grafs sind lange vorbei oder WM 1990.
Echt? Bei mir ist es genau anders herum. Ich finde, diese Mannschaft hat großes geleistet und ist wichtig für unser Land.
4.
ali_german 10.11.2014
entgegen aller Kritik! die Jungs haben sich das verdient. sie haben (Fußball-)Deutschland glücklich und stolz gemacht! danke für diesen perfekten wm-Sommer! #allesrisktiert#TeamDE#sogehendiegauchos
5. herummäkeln
nummer50 10.11.2014
Zitat von monolithosFußball als Grund für eine hohe Auszeichnung? Letztendlich haben die Herren ja nichts anderes gemacht als gekickt. Im Gegensatz zu vielen anderen in diesem Land, die ganz anders schuften müssen, denen aber keiner am Fernseher zuschaut. Wenn jemand eine Auszeichnung für herausragende Leistungen in diesem Jahr verdient hat, dann sind es die Leute, die den Herrn Westhauser aus der Riesending-Schachthöhle geholt haben. DAS war eine Leistung! Was ist aus denen geworden? Waren die schon bei Herrn Gauck oder Frau Merkel?
Man kann grundsätzlich natürlich an allem herummäkeln und dieses und jenes nicht gut finden. Man kann genauso die Frage stelle, was geht das der Allgemeinheit an, wenn Herr Westhauser in diese Höhle hinabsteigt und sich dann verletzt. Dem einen oder anderen war der Aufwand für diese Rettung auch zu umfangreich. Ich habe die WM auf jeden Fall genossen und mir hat sie gefallen.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2014
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Der deutsche Bundespräsident
Das Amt
DPA
Der Bundespräsident ist das Staatsoberhaupt der Bundesrepublik Deutschland. Das Grundgesetz weist dem obersten Repräsentanten zwar viele Aufgaben zu, aber deutlich weniger politische Befugnisse als etwa in Präsidialdemokratien wie Frankreich oder den USA. Er soll sein Amt unparteiisch führen, ist jedoch nicht auf repräsentative Aufgaben beschränkt.
Die Aufgaben
AFP
Das Staatsoberhaupt vertritt den Bund völkerrechtlich und schließt im Namen des Bundes Verträge mit anderen Staaten. Zu den normalen Geschäften zählen Staatsbesuche und Empfänge von Diplomaten. Er kann durch Reden und Reisen politische Akzente setzen.

Zu den Aufgaben und Rechten gehört die Mitwirkung bei der Regierungsbildung. Der Präsident schlägt dem Bundestag einen Bundeskanzler zur Wahl vor und ernennt ihn. Falls der Kandidat keine Mehrheit findet, kann der Präsident das Parlament auflösen. Er ernennt und entlässt auch die Minister, allerdings auf Vorschlag des Kanzlers. Gesetze können erst wirksam werden, wenn der Präsident sie unterschrieben hat. Seine Unterschrift kann er nur aus verfassungsrechtlichen Gründen verweigern.
Das Wahlverfahren
Reuters
Anders als in Frankreich, Österreich oder Polen wird das deutsche Staatsoberhaupt nicht direkt vom Volk, sondern von einem Wahlgremium (Bundesversammlung) gewählt. Die Amtszeit beträgt fünf Jahre, eine Wiederwahl ist nur einmal möglich. Der Präsident kann nur durch das Bundesverfassungsgericht und nur bei vorsätzlichen Verstößen gegen das Grundgesetz oder andere Bundesgesetze seines Amtes enthoben werden.

Die Bundespräsidenten

Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: