Neue Kommandozentralen Die Nato rüstet auf

Die Nato baut neue Kommandozentralen in Ulm und Norfolk, Virginia, auf. Bis zu 30.000 Soldaten könnten eine schnelle Eingreiftruppe bilden. Auch, weil sich östliche Bündnispartner von Russland bedroht fühlen.

Nato Response Force (Archivbild)
DPA

Nato Response Force (Archivbild)


Die Nato rüstet auf: Bis 2020 soll die Reaktionsfähigkeit der Truppen erhöht werden. Das Verteidigungsbündnis plant, je 30 Einheiten von Heer, Luftwaffe und Marine so zu trainieren und auszurüsten, dass sie im Fall einer Krisensituation innerhalb von 30 Tagen einsatzbereit wären. Das bestätigte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Insgesamt könnte es um etwa 30.000 Soldaten, 300 Flugzeuge und mindestens 30 Kriegsschiffe oder U-Boote gehen. Sie sollen die bisherige schnelle Nato-Einsatztruppe NRF (Nato Response Force) ergänzen.

Die Nato hatte nach dem Ende des Kalten Kriegs ihre Kommandostrukturen deutlich zurückgefahren. Wegen der Rolle Russlands in der Ukrainekrise hat das Bündnis seine Truppenpräsenz in Osteuropa inzwischen wieder verstärkt und zieht auch mit den Kommandostrukturen nach. Hintergrund ist die als aggressiv wahrgenommene Politik Russlands. Vor allem östliche Bündnispartner fühlen sich bedroht.

Ulm wird Sitz des neuen Logistik-Kommandos

Stoltenberg bestätigte erstmals öffentlich, dass Ulm in Baden-Württemberg zum Standort eines neuen Unterstützung- und Nachschubkommandos der Nato werden soll. Es wird schnelle Truppen- und Materialtransporte in Europa ermöglichen und ihren Schutz organisieren.

Neben Deutschland sollen die USA in Norfolk (Virginia) ein weiteres neues Kommando aufbauen. Dieses wird für effiziente Truppentransporte über den Atlantik verantwortlich sein. Stoltenberg zufolge will das Bündnis insgesamt 1200 neue Posten in seiner Kommandostruktur schaffen. Die Planungen sollen an diesem Donnerstag und Freitag in Brüssel bei einem Nato -Verteidigungsministertreffen weiter vorangetrieben werden.

Das neue Atlantik-Kommando in den USA soll für die Absicherung der Seewege zwischen Nordamerika und Europa zuständig sein. Aufgabe ist auch der Schutz von Infrastruktur wie unterseeische Datenkabel zur Kommunikation.

"Wir müssen für das Unvorhergesehene gewappnet sein"

Eine hohe Einsatzbereitschaft sei in einer unberechenbarer gewordenen Welt unerlässlich, sagte Stoltenberg. "Wir müssen für das Unvorhergesehene gewappnet sein."

Truppenverlegungen in Europa müssen bisher weitgehend von den einzelnen Nato-Ländern selbst organisiert werden. Für schweres Gerät wie Panzer gibt es dabei an jeder Grenze zeitraubende Zollformalitäten. Die Nato will diese Hürden nun abbauen.

Das neue Logistik-Kommando in Ulm soll dabei nicht nur die Transportleistungen für die Nato-Partner koordinieren, sondern auch den Schutz und die Versorgung der verlegten Truppen organisieren. Deutschland hatte das Angebot im Februar unterbreitet, damals war neben Ulm noch Bonn als möglicher Standort im Gespräch.

Aus der Bundeswehr war zu hören, dass die Vorbereitungen für den Aufbau in Ulm bereits angelaufen sind. Ein Großteil des benötigten Personals ist demnach de facto bereits vor Ort, weil in Ulm schon ein multinationales Kommando zur Führung von Kriseneinsätzen im Auftrag von EU, Nato und Uno angesiedelt ist.

EU-Kommission will in panzertaugliche Straßen investieren

Die EU-Kommission schlägt vor, im kommenden Jahrzehnt etwa 6,5 Milliarden Euro in panzertaugliche Verkehrswege zu investieren. Damit sollten von 2021 bis 2027 Schienennetze, Straßen und Brücken ausgebaut werden, teilte die Brüsseler Behörde mit.

Ein Problem aus Sicht der EU-Kommission ist es, dass besonders schwere oder überdimensionierte Militärfahrzeuge nicht überall auf Europas Straßen fahren können.

Die Behörde hatte schon vorgeschlagen, bis 2019 Verkehrswege in Europa auf ihre militärische Tauglichkeit zu überprüfen. Anschließend soll eine Liste mit den am dringendsten renovierungsbedürftigen Streckenabschnitten erstellt werden. Dafür sollten anschließend die 6,5 Milliarden Euro verfügbar sein.

brt/dpa/AFP

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