Nato-Raketen in Türkei: Möglicher "Patriot"-Einsatz wird in Ramstein geleitet

Wenn deutsche "Patriot"-Raketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien zum Einsatz kommen, werden sie von Deutschland aus geleitet. Die Einsatzführung läge bei Nato-Offizieren im zuständigen Kommando in Ramstein, stellte die Allianz klar. Die Systeme unterstünden nicht türkischem Befehl.

Starteinheit mit "Patriot"-Raketen: Möglicher Einsatz in der Türkei Zur Großansicht
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Starteinheit mit "Patriot"-Raketen: Möglicher Einsatz in der Türkei

Brüssel - Die Entscheidung soll schon bald fallen. Am kommenden Dienstag beraten die Außenminister der Nato in Brüssel über den möglichen Einsatz deutscher, niederländischer und US-amerikanischer "Patriot"-Luftabwehrraketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien. Das Bundeskabinett wird möglicherweise bereits zwei Tage später über ein deutsches Mandat für den Einsatz sprechen. Wie und von wo die Systeme gelenkt würden, ist dagegen längst klar: von einem Nato-Luftwaffenkommando in Ramstein in Rheinland-Pfalz. Dies sagte die Nato-Sprecherin Oana Lungescu am Freitag in Brüssel. "Wer hat den Finger am Drücker? Es ist die Nato", sagte sie.

Das Luftverteidigungskommando der Nato für Europa in Ramstein, das von US-General Philip M. Breedlove befehligt wird, werde vom Europa-Oberkommandeur, US-Admiral James Stavridis, mit der Einsatzführung beauftragt. Die oberste Kontrolle liege beim Nato-Rat der 28 Bündnisstaaten. Nato-Militärs sagten, das Kommando in Ramstein sei auf Einsätze wie diesen vorbereitet und technisch ausgerüstet.

Eine türkische Befehlsgewalt über die "Patriot"-Raketen stehe nicht zur Debatte, sagten Diplomaten. Lungescu sagte, die Einsatzführung liege "bei den Kommandeuren vor Ort". Auf die Frage, ob sie damit das Nato-Kommando in Ramstein meine, sagte sie: "So verstehe ich das." Sie betonte mehrfach: "Und die Türkei ist ein Vollmitglied der Nato."

Standortsuche läuft

Bisher steht noch nicht fest, wo wie viele Abwehrraketen stationiert werden sollen. Ein Bericht einer Expertengruppe, die dem Vernehmen nach zehn mögliche Standorte vorschlagen will, werde in der kommenden Woche erwartet, hieß es.

Deutschland hat sich ebenso wie die Niederlande und die USA - die drei einzigen Nato-Staaten, die über die moderne Version der "Patriot" verfügen - grundsätzlich zur Stationierung bereit erklärt. Der Bundestag hat aber noch nicht über ein Mandat entschieden.

Lungescu sagte, die Türkei habe "nach flagranter Verletzung ihrer Souveränität" durch syrischen Beschuss um eine Verstärkung ihrer Luftverteidigung gebeten. Es gehe nicht um eine Flugverbotszone über Syrien, sondern um den Schutz der Türkei: "Und natürlich um Abschreckung gegen jede Art von Aggression, damit jeder, der die Türkei bedrohen könnte, darüber noch einmal nachdenkt."

Die "Patriot"-Systeme sind vor allem gegen syrische Raketen des in der einstigen Sowjetunion hergestellten Typs Scud-B gerichtet. Sie haben eine Reichweite zwischen 400 und 700 Kilometern und können nach Ansicht von Fachleuten sowohl mit konventionellen Sprengköpfen als auch mit chemischen oder biologischen Waffen bestückt werden.

Die Stationierung der "Patriot"-Abwehrraketen würde, sobald die Entscheidung dazu gefallen ist, "eher Wochen als Monate" dauern, sagte die Nato-Sprecherin. Militärs sprachen von einem Zeitraum von etwa vier Wochen, der mindestens nötig sei. Die Raketensysteme seien dann so mit der Kommandozentrale in Ramstein vernetzt, dass diese rund um die Uhr die Waffen kontrollieren könne.

Eine Staffel von "Patriot"-Abfangraketen besteht aus acht Spezialfahrzeugen. Auf jedem dieser Fahrzeuge werden acht Raketen zum Abschuss bereitgehalten. Für den Betrieb einer "Patriot"-Batterie werden etwa 85 Soldaten benötigt.

ler/dpa

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insgesamt 74 Beiträge
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1. - flagranter Verletzung ihrer Souveränität-???
liptovskykarl 30.11.2012
Also ein paar verirrte Granaten die in der Tuerkei eingeschlagen sind, bedeuten fuer die Tuerkei und die Nato eine -Falgrante Verletzung der Souveraenitaet der Tuerkei-!? Das muss man sich einmal vorstellen! Unfassbar! Was ist dann denn die staendige Unterstuetzung der Tuerkei fuer die Terroristen in Syrien bei der die Tuerkei Absolut keine Ruecksicht auf Syriens Souveraenitaet nimmt?? Das ist dann nichts anderes als ein offener Krieg gegen Syrien und die syrische Bevoelkerung!! Fuer wie dumm sollen wir Leser vom SPON gehalten werden?? Das ist nichts anderes als uebelste Kriegspropaganda!!
2. Türkei oder Ramstein, die Antwort ist Nein
seine-et-marnais 30.11.2012
Zitat von sysopDPAWenn deutsche "Patriot"-Raketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien zum Einsatz kommen, werden sie von Deutschland aus geleitet. Die Einsatzführung läge bei Nato-Offizieren im zuständigen Kommando in Ramstein, stellte die Allianz klar. Die Systeme unterstünden nicht türkischem Befehl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nato-patriot-einsatz-in-der-tuerkei-wuerde-in-ramstein-geleitet-a-870343.html
'Deutsche' Patriotraketen mit 'deutschen' Soldaten haben nichts in der Türkei verloren. Sollen sich die Türken als 'aufstrebende Mittelmacht mit Wirtschaftswunder' doch selbst Patriots kaufen wenn sie mit dem Feuer spielen wollen. Das Ganze ist doch nur ein Manöver nachdem die Mehrheit der Deutschen diese Stationierung ablehnt und vor allem den türkischen Wunsch den Finger am Drücker zu haben. Mit 'Ramstein' will man sagen das Kommando bleibt in deutschen Landen, obwohl es auch hier nicht Deutschland ist das entscheidet, sondern die NATO, klingt aber ein wenig besser.
3.
suedseefrachter 30.11.2012
Zitat von sysopDPAWenn deutsche "Patriot"-Raketen im türkischen Grenzgebiet zu Syrien zum Einsatz kommen, werden sie von Deutschland aus geleitet. Die Einsatzführung läge bei Nato-Offizieren im zuständigen Kommando in Ramstein, stellte die Allianz klar. Die Systeme unterstünden nicht türkischem Befehl. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nato-patriot-einsatz-in-der-tuerkei-wuerde-in-ramstein-geleitet-a-870343.html
Sandkastenkriege für Erwachsene. Vielleicht sollte man eine Zone für Kriegsspiele in der Wüste errichten wo sich diese verrückten dann legal umbringen können, und Waffen könnte man für diese Zone auch subventionieren, jeder der die Zone betritt darf sie nicht mehr verlassen. Guttenberg mag viel Blödsinn gemacht haben, die Aussetzung der Bundeswehr war das Beste das diesem Staat passieren konnte. Man sollte auch nicht vergessen Geld ist mit Macht gleichzusetzen. Ohne Geld keine Macht. Wer das notwendige Cash am Ende des Tages auf seiner Seite hat hat das sagen.
4. Natürlich ...
coyote38 30.11.2012
... werden die deutschen Patrioten in letzter Konsequenz aus Ramstein geführt. In Ramstein liegt AIRCENT ... das ist das Hauptquartier der NATO-Luftstreitkräfte für die Region Zentraleuropa. Diese Kommandostruktur ist aber auch nicht anders, wenn die deutschen Patrioten in ihren Friedensausbildungsstellungen an der Nord- oder Ostsee stehen. Einfach mal einen halbwegs militäraffinen Journalisten mit der Recherche beauftragen und schon hätte man sich den ganzen medialen Sturm im Wasserglas um das unqualifizierte türkische Gerede vom "Finger am Drücker" schenken können ...
5. Laien am Druecker
britneyspierss 30.11.2012
Erstaunlich wie sich militärische Laien über die Befehls-und Kommandostruktur der NATO auslassen ohne je einen einzigen Artikel des NATO-Vertrages und ihre Satzung gelesen zu haben wie die NATO arbeitet.
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