Kritik an der Nato Ischinger warnt vor Kriegsgefahr mit Russland

Die Kriegsgefahr zwischen der Nato und Russland sei größer als in den Achtzigern, warnt der Vorsitzende der Münchner Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger. Die Nato müsse sich mäßigen.

Wolfgang Ischinger
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Wolfgang Ischinger


Wolfgang Ischinger, deutscher Spitzendiplomat und Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, empfiehlt der Nato Zurückhaltung im Umgang mit Russland. Das westliche Militärbündnis solle "nicht draufsatteln, sondern mäßigen" , sagte Ischinger dem NDR-Magazin "Panorama".

Die Gefahr, dass aus "Eskalationsschritten militärische Kampfhandlungen" werden, ist aus Ischingers Sicht größer als in der Spätphase des Kalten Krieges oder "in den vergangen 25 Jahren", ja sogar "größer denn je".

Ischinger hält die Russland-Strategie der Nato für eindimensional, sie setze "nur auf eine Demonstration militärische Stärke". Dialog, Entspannung und die Rückkehr zur Rüstungskontrollen müssten aber ein "zweiter Pfeiler" der Strategie sein, so Ischinger.

Als Zeichen der Entspannung empfahl Ischinger Visaerleichterungen für die russische Bevölkerung. "Der normale Russe kann nicht ohne Visum nach Europa einreisen", kritisierte Ischinger. Das Signal wäre dann: "Wir beantworten die vergiftende russische Propaganda nicht mit entsprechender Gegenpropaganda, sondern wir schaffen die Visumspflicht für russische Bürger schrittweise ab."

General a.D. Kujat: "Misstrauen abbauen"

Harald Kujat, Bundeswehrgeneral a.D. und bis 2005 Vorsitzender des Nato-Militärausschusses, appelliert an das Bündnis, es müsse "Vertrauen wieder herstellen" und "Misstrauen abbauen". Außerdem empfiehlt Kujat, den Nato-Russland-Rat intensiver zu nutzen, nämlich als Mittel des Krisenmanagements und der Deeskalation.

Laut der Grundakte von 1997 bestehe die Möglichkeit, mit dem Nato-Russland-Rat "auf der militärischen Ebene, der Ebene der Außenminister, ja sogar auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs" eng zusammenzuwirken. Das finde aber überhaupt nicht statt, kritisiert Kujat im NDR.

Zuvor hatte der Russlandbeauftragte der Bundesregierung, Gernot Erler(SPD), bereits vor einer Eskalation des Streits zwischen Nato und Russland "bis hin zu Krieg" gewarnt.

Stationierungen und Militäroperationen schaukelten sich "wechselseitig hoch. Das ist gefährlich", so Erler in der "Passauer Neuen Presse". Aus solchen Entwicklungen entstünden "unkontrollierte Situationen bis hin zum Krieg".

Bereits am Wochenende hatte Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier davor gewarnt, "durch lautes Säbelrasseln und Kriegsgeheul die Lage weiter anzuheizen" und mehr Dialog mit Russland gefordert. Damit hatte Steinmeier eine hitzige Debatte in der Koalition und zwischen den Nato-Partnern entfacht.


Sendehinweis: Politikmagazin "Panorama", 21.45 Uhr, ARD


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Forum - Diskussion über diesen Artikel
insgesamt 462 Beiträge
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micromiller 23.06.2016
1. Ischinger sieht das falsch
auch NATO und unsere geliebte Kanzlerin wissen, dass ein Krieg mit Russland nicht möglich ist, da es danach nichts zu feiern gibt.
alex300 23.06.2016
2. Der Krieg ist schon längst im Gange.
Informationskrieg. Krieg der Sanktionen. Politischer Krieg. Stellvertreterkriege in Syrien und Ukraine. Es fehlt nur noch der richtige Atomkrieg... Wann fliegen die Raketen?
braman 23.06.2016
3. Erst Steinmeier,
jetzt Ischinger? Kehrt ein wenig Vernunft zurück nach DE? Jeder in DE sollte sich im klaren sein das ein Krieg gegen RU das Ende des westlichen Mitteleuropas bedeutet. Und wofür? Wessen Interessen wird Mitteleuropa geopfert? Sicher nicht denen der Mitteleuropäer, auch nicht denen Russlands. MfG: M:B.
blabla55 23.06.2016
4.
Diese Probleme entstanden mit der Aufnahme der ehemaligen Ostblockstaaten alle fühlen sich bedroht,siehe Polen,Lettland oder siehe den Krieg vor einigen Jahren im Georgien.Hier besteht die grosse Gefahr das von diesen Länder bewußt eine Eskalation herbeigeführt wird.
kiefer1941 23.06.2016
5. mäßigen...
ist das wohl passendste Wort in Richtung NATO /EU und das im Umfeld des 75. Jahrestages des Überfalls des faschistischen Deutschland auf die Sowjetunion. Danke !
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