Flüchtlingsunterkunft in Nauen Polizei geht nicht von versuchtem Brandanschlag aus

Vor einer geplanten Flüchtlingsunterkunft in Nauen haben Wachleute eine verrußte Holzlatte entdeckt. Einige Medien, auch SPIEGEL ONLINE, berichteten von einem versuchten Brandanschlag. Die Polizei hat jedoch bislang keine Hinweise darauf.


Der Fund einer verrußten Holzleiste vor einer Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Nauen hat am Donnerstag für Aufsehen gesorgt. Die Nachrichtenagentur dpa und lokale Medien, auch SPIEGEL ONLINE, berichteten zunächst, es habe sich um einen versuchten Brandanschlag auf die Traglufthalle gehandelt. Unbekannte hätten die brennende Leiste über den Zaun geworfen, der Gegenstand habe die Halle nur knapp verfehlt, berichtete die "Märkische Allgemeine". Bundesweit griffen Medien die Meldung auf, auch SPIEGEL ONLINE berichtete.

Die Polizei schilderte den Fall am Donnerstag jedoch anders: Wachleute hätten die Leiste auf halber Strecke zwischen Halle und Zaun gefunden - in rund zwölf Metern Entfernung zur geplanten Unterkunft. Wie lange die Leiste dort schon gelegen habe und wie sie dahin gekommen ist, sei noch nicht geklärt, sagte eine Polizeisprecherin SPIEGEL ONLINE. "Wir gehen derzeit nicht von einem versuchten Brandanschlag aus." Den bisherigen Ermittlungen nach habe niemand beobachtet, dass die Leiste auf das Gelände geworfen worden sei. Die Leiste könne auch bei Bauarbeiten auf dem Gelände dort liegen geblieben sein. An der Halle gebe es keine Schäden.

Am Mittwochabend stellte die Polizeidirektion dennoch Strafanzeige gegen unbekannt wegen versuchter Brandstiftung. Das sei vorsorglich geschehen damit die Polizei eine Ermittlungsgrundlage habe, sagte die Polizeisprecherin. "Wir sind sehr vorsichtig", sagte die Sprecherin.

Versuchter Brandanschlag oder Unordnung bei Bauarbeiten? Wie es zu den unterschiedlichen Darstellungen des Vorfalls kommt, kann sich die Polizeisprecherin nicht erklären. Seitens der Polizei sei nicht offiziell mitgeteilt worden, dass es sich bei dem aktuellen Vorfall in Nauen um Brandstiftung handele. Die dpa korrigierte am Donnerstagvormittag ihre erste Meldung und übernahm stattdessen die Version der Polizei.

Die Traglufthalle, um die es bei dem aktuellen Vorfall geht, wurde in den vergangenen Monaten als Ersatz für eine andere Unterkunft aufgebaut. Ursprünglich sollten Flüchtlinge in einer ehemaligen Turnhalle in Nauen untergebracht werden. Im vergangenen August zündeten Rechtsradikale die Unterkunft jedoch an, das Gebäude brannte aus. Die Ermittler gaben Anfang März bekannt, dass es sich bei den mutmaßlichen Brandstiftern um eine fünfköpfige Neonazi-Zelle um den NPD-Stadtverordneten Maik Schneider aus Nauen handeln soll.

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brk

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