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Nazi-Verbrecher: Mauerfall verhinderte Auslieferung Brunners

Nur ein paar Wochen länger hätte die DDR existieren müssen, dann wäre wahrscheinlich einer der meistgesuchten Nazi-Verbrecher gefasst worden. Laut Informationen eines österreichischen Magazins stand Alois Brunner 1989 kurz vor seiner Auslieferung von Syrien nach Ost-Berlin.

BND: Der Fall Alois Brunner Fotos
AP

Wien - Die berühmten Nazi-Jäger Serge und Beate Klarsfeld hatten schon seit den sechziger Jahren mit der DDR zusammengearbeitet, um flüchtige NS-Verbrecher zu schnappen, der französische Jude und seine in Deutschland geborene Ehefrau erhielten immer wieder Einsicht in das NS-Archiv des SED-Regimes. Zu den größten Erfolgen zählt die Ergreifung des ehemaligen Lyoner Gestapo-Chefs Klaus Barbie, den die Klarsfelds in Bolivien aufspürten. Mitte der achtziger Jahre wurden sie bei Mitarbeitern der Staatssicherheit mit der Aussicht auf einen besonders großen Fang vorstellig: Es bestünde die Möglichkeit, den ehemaligen SS-Hauptsturmführer Alois Brunner aus seinem selbstgewählten Exil in Syrien abschieben zu lassen und mit dem Flugzeug nach Ost-Berlin zu bringen.

Über diesen verwegenen Plan berichtet das österreichische Magazin "Profil" in seiner jüngsten Ausgabe. Dem Blatt liegt eine mehrere hundert Seiten starke Stasi-Akte vor, die den letztlich Jahre dauernden Dialog des Ehepaars Klarsfeld mit dem DDR-Geheimdienst in der Causa Brunner abbildet. "Profil" zufolge stand die Auslieferung Brunners im Frühjahr 1989 kurz bevor, doch der Fall der Mauer und das Ende des politischen Systems der DDR vereitelten die Pläne, den gesuchten Nazi-Verbrecher vor ein deutsches Gericht zu stellen.

"Es wird davon ausgegangen, dass Brunner, Alois, möglicherweise von der SAR (Syrische Arabische Republik) in die DDR abgeschoben wird", zitierte "Profil" aus einem Dokument von 1988. Im April 1989 schrieb der damalige DDR-Außenminister Oskar Fischer, Staats- und Parteichef Erich Honecker habe "festgelegt, dass der Generalstaatsanwalt der DDR die erforderlichen Maßnahmen zur Vorbereitung der Strafverfolgung Brunners für den Fall seines Eintreffens in der DDR einleitet".

Brunner, engster Mitarbeiter des Holocaust-Organisators Adolf Eichmann, war während des Zweiten Weltkriegs mitverantwortlich für die Deportation von rund 128.500 Juden aus mehreren von Hitlers Truppen besetzten Ländern in Konzentrations- und Vernichtungslager. Er beteiligte sich auch persönlich, etwa in Frankreich, an der Jagd nach Menschen, die sich versteckt hielten. Nach dem Krieg tauchte er unter und setzte sich in den fünfziger Jahren nach Syrien ab, wo er immer wieder mit Journalisten sprach. Zuletzt wurde er 2001 gesehen. Ob der gebürtige Österreicher noch lebt, ist ungewiss, er wäre heute 99 Jahre alt.

Die syrische Regierung hat stets bestritten, Brunner halte sich im Lande auf. Laut den Akten, aus denen "Profil" zitiert, brauchte es mehrere Jahre, um diplomatische Voraussetzungen für eine Auslieferung zu schaffen. So sei außer der DDR auch Frankreich daran beteiligt gewesen, es für Syrien so unverfänglich wie möglich zu machen, sich Brunners zu entledigen. So sei unter Vermittlung Klarsfelds, einem engen Bekannten des damaligen französischen Außenministers Roland Dumas, an Syrien signalisiert worden, dass Frankreich nicht auf eine offizielle Auslieferung Brunners drängen würde. Stattdessen plante man, Brunner einfach auszuweisen und in einen Direktflug nach Ost-Berlin zu setzen, da dies weniger öffentlichen Wirbel verursacht hätte.

Für die Regierung in Damaskus verschwanden mit dem Untergang des DDR-Regimes aber auch die verlässlichsten Partner für eine diplomatisch so heikle Unternehmung. An die Bundesrepublik wollte man sich offenbar nicht wenden, zumal es seit Jahren den Verdacht gibt, der BND habe Brunner möglicherweise als Kontaktmann in Syrien benutzt.

In der vergangenen Woche hatte der Bundesnachrichtendienst zugegeben, in den neunziger Jahren Unterlagen zum Fall Brunner vernichtet zu haben. Diese stammten nach SPIEGEL-Informationen aus den Jahren 1954 bis 1964 und entfachten eine Debatte über mögliche Verbindungen Brunners in die Bundesrepublik neu.

bor

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1. nicht überraschend bei dem Oggersheimer, ideologisch wäre er damals dabei gewesen
Deepthought42.0815 30.07.2011
Zitat von sysopNur ein paar Wochen länger hätte die DDR existieren müssen, dann wäre wahrscheinlich einer der meistgesuchten Nazi-Verbrecher gefasst worden. Laut Informationen eines österreichischen Magazins stand Alois Brunner 1989 kurz vor seiner Auslieferung von Syrien nach Ostberlin. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,777518,00.html
Doch wohl eher die Regierung Kohl und der BND...
2. Wen wundert's?
ScOuRgE_ 30.07.2011
Es ist doch einschlägig bekannt, dass der BND noch Nazikriegsverbrecher als Agenten eingesetzt und sie gedeckt hat. Die Verurteilten der Nürnberger Prozesse waren alle nur die schweren Bauernopfer, der Rest bloß "Mitläufer" ;). Als Paradebeispiel braucht man sich eigentlich nur die Familie Quandt angucken: Das Schweigen der Quandts (http://www.youtube.com/watch?v=Ish1HjsOARY) Diese Familie ist die größte Schande für unser Land! Wenn ich mir alleine Sven Quandt angucke, wie er sich einen Porsche zur Zierde in seinen Flur stellt und sich dekadent in der Villa von seinen Bediensteten bekochen lässt: Soviel essen kann ich gar nicht, wie ich kotzen möchte. Diese Tatsachen bringen mich auch immer zum schmunzeln, wenn die CDU und FDP'ler am brüllen sind: "Die DDR war ein Unrechtsstaat!" Richtig, die DDR war ein Unrechtsstaat. Aber was war eigentlich die BRD, beziehungsweise ist? ;)
3. BND - bedingt einsatzbereit - besser nicht dabei!
wibo2 30.07.2011
Führende Nazis fanden in den USA eine Position und ein Exil während die SS-Nazis in der BRD ab 1960 verfolgt wurden. Der schwere Skandal um den BND-Mann Heinz Felfe, seit 1951 in der Spionageabwehr, dem Herz des Pullacher Geheimapparates, er war 1960 als KGB-Agent enttarnt und verhaftet worden, sowie den BND-Mitarbeiter, Johannes Clemens, brachte den Dienst zum Umdenken. Die BND Versager unter dem Schlapphut sind während des kalten Krieges so schrecklich an der DDR gescheitert. Woran liegt das? Wer kann mir das sagen? siehe http://www.geschichteinchronologie.ch/eu/D/BND.html
4. Zu Ihrem Artikel
EchtP 30.07.2011
Zu Ihrer Beschreibung von Brunner: "Die Nazi-Karriere von Alois Brunner (Jahrgang 1912) beginnt 1931: Wenig später lernt er Adolf Eichmann kennen, der ihn bald darauf zu sich in die "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" nach Wien holt. Ab 1939 ist es seine Aufgabe, die Stadt "judenfrei" zu machen. Innerhalb von drei Jahren lässt er 180.000 Menschen deportieren und ins Gas schicken." Sie schreiben, daß Brunner seit 1939 drei Jahre Wiener Juden ins Gas geschickt habe. Meines Wissens gab es erst seit 1942 Gaskammern. Irgendwie hinkt damit diese Aussage. Auch der amerikanische Historiker, der im vorletzten Spiegel zu Wort kam, erklärte, daß die Nazis ursprünglich die Juden nach Madagaskar und hinter den Ural deportieren wollten. Irgendwie sollten auch der Spiegel sich an historische Tatsachen halten. Gas war erst nach der Wannsee-Konferenz im Gespräch. Dies soll aber keineswegs eine Entschuldigung für die Verbrechen Brunners sein.
5. historische Tatsachen?
maty2010 30.07.2011
der Sieger schreibt die Geschichte.Somit müssen alle Medien das wiedergeben, was ihnen die angloamerikanischen Kriegstreiber aufgetragen haben. Aber die Wahrheit wird sich eines Tages durchsetzen.Einige Leute,und zwar nicht wenig werden sich dann `Warm anziehen`müssen.
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Die meistgesuchten Nazi-Kriegsverbrecher
Alois Brunner
Die Nazi-Karriere von Alois Brunner (Jahrgang 1912) beginnt 1931: Wenig später lernt er Adolf Eichmann kennen, der ihn bald darauf zu sich in die "Zentralstelle für jüdische Auswanderung" nach Wien holt. Ab 1939 ist es seine Aufgabe, die Stadt "judenfrei" zu machen. Innerhalb von drei Jahren lässt er 180.000 Menschen deportieren und ins Gas schicken. Vom Wiesenthal-Zentrum wird er als schlimmster der Nazi-Verbrecher geführt. Ob Brunner, der lange in Damaskus untergetaucht war, heute noch lebt, ist unklar. Immer wieder melden sich Touristen, die ihn gesehen haben wollen. "Solange wir nicht den gegenteiligen Beweis haben, gehen wir davon aus, dass er noch lebt", sagt Efraim Zuroff, der Direktor des Wiesenthal-Zentrums.
Aribert Heim
DPA
Aribert Heim , 1914 in Bad Radkershof in Österreich geboren (undatierte Aufnahme), wird vorgeworfen, als Arzt im KZ Mauthausen Tausende Häftlinge ermordet zu haben. Aufgrund eines Haftbefehls des Landgerichts Baden-Baden wird der als "Dr. Tod" berüchtigte Mediziner seit 45 Jahren international gesucht. Einer Recherche von "New York Times" und ZDF zufolge soll Heim jedoch schon lange tot sein: Der frühere KZ-Arzt sei bereits am 10. August 1992 in Kairo an Krebs gestorben. Die Zielfahnder des baden-württembergischen Landeskriminalamts haben dafür aber keine Belege und suchen weiter.
Sandor Kepiro
Sandor Kepiro war Gendarmerist der ungarischen Gendarmerie und laut Wiesenthal-Zentrum aktiv am Massenmord an Zivilisten vom 23. Januar 1942 in Novi Sad beteiligt. Mindestens 1300 Menschen starben an diesem Tag. Kepiro wurde noch während des Krieges in Ungarn für dieses Verbrechen verurteilt, aber kurz nach dem Prozess besetzten die Nazis Ungarn und ließen ihn wieder frei.
Søren Kam
DPA
Der Däne Søren Kam , 1921 in Kopenhagen geboren (Bild von 1945), gehörte dänischen SS-Einheiten an. Gemeinsam mit Helfern soll er 1943 einen dänischen Journalisten ermordet haben und die Deportation der jüdischen Gemeinde in Dänemark in deutsche Konzentrationslager ermöglicht haben. Kam lebt heute in Bayern. Deutschland lehnte die Auslieferung an Dänemark in der Vergangenheit mehrfach ab.
Károly (Charles) Zentai
Der Ungar Károly Zentai floh nach dem Krieg nach Australien. Er soll im November 1944 als Soldat den 18-jährigen ungarischen Juden Péter Balázs gequält, ermordet und seine Leiche in der Donau versenkt haben. Ungarn hat 2005 von Australien die Auslieferung Zentais verlangt, gegen die Zentai jedoch Widerspruch eingelegt hat.
Michail Gorschkow
Der aus Estland stammende Michail Gorschkow soll an der Ermordung von Juden in Weißrussland beteiligt gewesen sein. Die USA haben ihm die Staatsbürgerschaft entzogen, in Estland wird gegen ihn ermittelt.
Algimantas Dailide
Algimantas Dailide soll Juden festgenommen haben, die anschließend von Nazis und litauischen Kollaborateuren ermordet wurden. Er wurde von den USA ausgeliefert und in Litauen verurteilt, musste die Haft aber wegen seines Gesundheitszustands nicht antreten. Er lebt in Deutschland.
Klaas Carl Faber
Klaas Carl Faber In den Niederlanden wurde er für den Tod von Gefangenen 1944 zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde 1948 in eine lebenslange Haftstrafe umgewandelt. 1952 flüchtete er aus dem Gefängnis. und lebt seit Jahrzehnten in Ingolstadt.
Milivoj Asner
Der ehemalige Polizeichef in Kroatien, Milivoj Asner , soll aktiv an der Verfolgung und Deportation von Serben, Juden sowie Sinti und Roma beteiligt gewesen sein.


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