Rechtsanspruch ab 1. August: Bundesländer schaffen mehr Kita-Plätze als erwartet

Kindertagesstätte "Lindenpark" in Rostock: Bleibt die Klagewelle aus? Zur Großansicht
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Kindertagesstätte "Lindenpark" in Rostock: Bleibt die Klagewelle aus?

Vom 1. August an gilt der Rechtsanspruch auf Kita-Betreuung für Kinder unter drei Jahren. Überraschend gibt es jetzt laut NDR 20.000 mehr Betreuungsplätze als erwartet. Die Länder meldeten rund 800.000 Plätze. Probleme gibt es aber in den Großstädten - und bei der Qualität der Erziehung.

Berlin - Der 1. August ist Stichtag: Dann haben Eltern einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige. Lange haben die Bundesländer gebangt, ob es genug Plätze gibt - Städte und Gemeinden hatten schon eine Klagewelle befürchtet.

Doch die könnte nun ausbleiben. Laut einem Bericht von NDR Info fallen die Zahlen zum Kita-Ausbau besser aus als erwartet. Die Bundesländer hätten dem Familienministerium für 2013/2014 rund 800.000 Betreuungsplätze für Kinder unter drei Jahren gemeldet. Das Ministerium hatte 780.000 Plätze geplant - die neuen Zahlen bedeuten also ein deutliches Plus von 20.000 Plätzen.

Dem Bericht zufolge hat sich die Versorgung in den westlichen Bundesländern verbessert. Auch dort lägen die Zahlen nah am berechneten Bedarf, zitiert der Sender Regierungskreise. Einige Kindertagesstätten würden noch fertig gebaut, viele warteten aber nur noch auf die Erlaubnis, in Betrieb zu gehen.

In den neuen Bundesländern war man stets davon ausgegangen, dass das Betreuungsangebot ausreichend ist. Auch in ländlichen Gebiete schätzen Experten, dass eine geringere Versorgungsquote reichen wird, weil dort oftmals noch traditionelle Familienstrukturen vorherrschen - sprich: die Großeltern einspringen könnten oder Frauen erst nach mehreren Jahren wieder arbeiten gehen.

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Elternstudie: Wunsch und Wirklichkeit klaffen auseinander
Das Problem bleiben die Großstädte. Dort werden weit mehr Plätze benötigt als auf dem Land. Vor allem in westdeutschen Ballungszentren wird es laut NDR Info weiter Engpässe geben. Das Familienministerium sehe dennoch einen "beachtlichen Endspurt" der Bundesländer.

Ministerin Kristina Schröder (CDU) wird die aktuellen Zahlen am Donnerstag präsentieren. Grundlage sind Daten, welche die Länder bis Ende Juni an das Ministerium übermittelt haben. Auch das Statistische Bundesamt in Wiesbaden veröffentlicht Zahlen, allerdings mit Stichtag 1. März dieses Jahres. Für Kinder ab dem vollendeten dritten Lebensjahr gibt es bereits einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz.

Mehr Erzieher für Kitas gefordert

Offenbar gibt es also doch genug Plätze - doch umstritten bleibt die Qualität der Betreuung. Eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung bemängelt den Betreuungsschlüssel: Eine Erzieherin oder ein Erzieher betreuen in Deutschland im Schnitt 4,5 Kinder unter drei Jahren. Das sei zu viel, kritisiert der jährliche "Länderreport frühkindliche Bildungssysteme".

Keines der Bundesländer erfülle das Verhältnis, das die Bertelsmann Stiftung empfiehlt: ein Angestellter, drei Kinder. Dieses berücksichtige einerseits die tatsächliche Zeit einer Erzieherin bei den Kindern. Jedoch würden Elterngespräche, Teamsitzungen und Fortbildungen ebenfalls ein Viertel der Arbeit ausmachen. "Nur bei einem Personalschlüssel von eins zu drei können alle Kinder ausreichend gefördert werden", erklärt Anette Stein, Expertin der Stiftung für frühkindliche Bildung.

In den neuen Bundesländern sei die Lage deutlich schlechter als im Westen. "Im Osten muss hauptsächlich mehr in Qualität investiert werden", sagt deshalb Jörg Dräger, Mitglied im Vorstand der Bertelsmann Stiftung.

Während in westdeutschen Krippen eine Erzieherin 3,7 Kinder betreut, sind es in Ostdeutschland sechs. Im Vergleich der Bundesländer liegt Sachsen-Anhalt am Ende der Liste mit einem Verhältnis von eins zu 6,5. Spitzenreiter ist Bremen, dort ist eine Erzieherin im Schnitt für 3,1 Kinder zuständig.

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kgp/dpa

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insgesamt 45 Beiträge
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1. Kita-Erzieher
Inuk 11.07.2013
Vielleicht lässt Frau von der Leyen die berühmten Dachdecker, die nicht bis 67 arbeiten können umschulen, um somit die fehlende Menge der Erzieher und Erzieherinnen auszugleichen.;o)
2. Quantität statt Qualität für unsere Kinder?!
elmond 11.07.2013
In Hessen wurden einiges versucht um möglichst viele Kinder bei möglichst wenigen Erzieher/innen unter zu bringen. Einiges, wie z. B. Fremdkräfte mit in den Personalschlüssel aufzunehmen konnte abgewendet werden... anderes wie die finanzielle Förderung von größeren Gruppen bzw. "Bestrafung" kleiner Gruppen wurde durchgeboxt. Auch wurde die Lage mit Integrationskindern verschärft. Im Endeffekt sind 1,75 Fachkräfte für 24 Kinder + Integrationskinder zuständig. Eine "Erziehung" und ein individuelles eingehen auf das Kind ist so kaum noch möglich. Die Kinder werden immer öfter eher "aufbewahrt". Reiche Familien haben das erkannt und gehen verstärkt zu privaten Kitas, die ein Kind-/Erzieher-Verhältnis von 3:1 statt 12:1 haben. Dies kann sich eine durchschnittlich verdienende Familie meist nicht leisten kann. Es werden Milliarden über Milliarden Euro in Bauprojekte verpulvert oder in sinnlose Beschaffungsprojekte der Bundeswehr (Drohnen, Eurofighter, Transporthubschrauber mit fehlenden Gurten...) als in unsere Kinder. Kinder sind unsere Zukunft und unser Glück! Statt dem Gewissen zu folgen, bestimmen Seilschaften, Lobbyisten und die "Interessen" anderer Staaten unseren politischen Alltag.
3. auch hier Baden-Württemberg wieder bester Flächenstaat
rbn 11.07.2013
und auch Bayern steht nicht schlecht da. Kann mir jemand sagen, warum die ganze Republik Bayern angreift, weil dort auch Betreuungsgeld befürwortet wir? So soll es doch gerade sein: für die Eltern zwei Alternativen, nämlich sowohl Betreuungsgeld als auch Kindertagesstätte. Ich stelle fest, dass auch diesmal Bayern wieder das beste Bundesland ist, neben Baden-Württemberg. Und das, obwohl beide Länder auch noch Länderfinanzausgleich abgezogen bekommen. Ein Hoch auf den deutschen Süden. (Nachmachen!)
4. Experten?
der_tor 11.07.2013
Zitat von sysopIn den neuen Bundesländern war man stets davon ausgegangen, dass das Betreuungsangebot ausreichend ist. Auch in ländlichen Gebiete schätzen Experten, dass eine geringere Versorgungsquote reichen wird, weil dort oftmals noch traditionelle Familienstrukturen vorherrschen - sprich: die Großeltern einspringen könnten oder Frauen erst nach mehreren Jahren wieder arbeiten gehen. NDR: Bundesländer schaffen mehr Kita-Plätze als erwartet - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/politik/deutschland/ndr-bundeslaender-schaffen-mehr-kita-plaetze-als-erwartet-a-910524.html)
Das bezweifel ich sehr stark. Genau dort sind Frauen nämlich gewohnt und gewillt einer eigenständigen Beschäftigung nachzugehen. D.h. doch wohl auch, daß Kinder nach einem Jahr in die Krippe gehen. Und ob alle Großeltern Kita-Ersatz spielen wollen, kann wohl auch stark angezweifelt werden. Das kann vorübergehen funktionieren, aber nicht auf Dauer. Als Konsequenz stehen wohl auch in den neuen Ländern zuwenig Kita-Plätze zur Verfügung, oder?
5. Kraft-los
Palmstroem 11.07.2013
Ein Jahr lang haben die Medien Familienministerin Schröder dafür kritisiert und eine Riesenlücke moniert. Nun zeigt sich, das gesteckte Ziel ist weitgehend erreicht - auch weil der Bund 5 Milliarden zusätzlich bereitgestellt hat, obwohl der Ausbau Ländersache ist. Dass es vor allem in NRW-Staädten Probleme gibt ist nicht verwunderlich. Denn dort haben die Städte Zuschüsse für Krippenplätze zur Schuldentilgung mißbraucht. Gerade Hannelore Kraft, in zig Talkschows die Gegnerin von Schröder hat hier versagt. Aus ihren Versprechen, mehr für Betreuung und Bildung zu tun ist nichts geworden. Im Gegenteil, Krippenplätze zuqwenig und Gelder für Unis - gekürzt. RotGrün eben.
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Krippen: Jünger als drei Jahre
Bundesland
Kinder pro Vollzeitkraft
Bremen 3,1
Baden-Württemberg 3,3
Saarland 3,4
Nordrhein-Westfalen 3,4
Schleswig-Holstein 3,7
Rheinland-Pfalz 3,8
Hessen 3,8
Bayern 3,9
Niedersachsen 4,0
Thüringen 5,0
Hamburg 5,2
Mecklenburg-Vorpommern 5,7
Brandenburg 6,2
Sachsen 6,1
Sachsen-Anhalt 6,5
Berlin Keine Angaben
Neue Bundesländer
6,0
Alte Bundesländer
3,7
Deutschland gesamt
4,5
Kindergärten: Dreijährige bis Schuleintritt
Bundesland
Kinder pro Vollzeitkraft
Bremen 7,3
Baden-Württemberg 8,1
Niedersachsen 8,1
Schleswig-Holstein 8,2
Hamburg 8,2
Bayern 8,8
Nordrhein-Westfalen 8,8
Rheinland-Pfalz 9,0
Hessen 9,1
Saarland 9,2
Thüringen 10,5
Brandenburg 10,9
Sachsen-Anhalt 11,7
Sachsen 12,3
Mecklenburg-Vorpommern 13,6
Berlin Keine Angaben
Neue Bundesländer
11,8
Alte Bundesländer
8,6
Deutschland gesamt
9,1