Nebenverdiener im Bundestag Gauweiler kratzt an der Millionen-Euro-Grenze

Er ist der Top-Verdiener im Bundestag: Der Bundestagsabgeordnete und CSU-Vizechef Peter Gauweiler hat nach SPIEGEL-Informationen fast eine Million Euro dazu verdient. Jeder vierte Parlamentarier kassiert nebenher.

CSU-Abgeordneter Gauweiler: Fast eine Million Euro in den ersten neun Monaten 2014
DPA

CSU-Abgeordneter Gauweiler: Fast eine Million Euro in den ersten neun Monaten 2014


Hamburg/Berlin - Mindestens 967.500 Euro hat der CSU-Parlamentarier und Jurist Peter Gauweiler in den ersten neun Monaten der Legislaturperiode kassiert. Das geht nach Informationen des SPIEGEL aus Berechnungen des Politikportals abgeordnetenwatch.de hervor.

Tatsächlich dürfte die Summe von Gauweilers Honoraren, der in München auch eine Anwaltskanzlei hat, weitaus höher liegen. Die Bundestagsabgeordneten müssen ihre Einkünfte nicht in Euro und Cent genau angeben, sondern nach den Richtlinien des Bundestags in zehn Stufen einordnen. Die höchste ist mit "über 250.000 Euro" definiert, Bezüge darüber hinaus müssen nicht näher beziffert werden. Für wen die Parlamentarier tätig sind, ist in ihren Profilen auf der Webseite des Bundestags einsehbar (Angaben zu den Stufen finden Sie in der Tabelle unten).

Stufen der Nebeneinkünfte der Bundestagsabgeordneten

Stufen Einkünfte
Stufe 1 mehr als 1000 bis 3500 Euro
Stufe 2 bis 7000 Euro
Stufe 3 bis 15.000 Euro
Stufe 4 bis 30.000 Euro
Stufe 5 bis 50.000 Euro
Stufe 6 bis 75.000 Euro
Stufe 7 bis 100.000 Euro
Stufe 8 bis 150.000 Euro
Stufe 9 bis 250.000 Euro
Stufe 10 über 250.000 Euro

Quelle: Deutscher Bundestag, einmalige oder regelmäßige monatliche Einkünfte

Nebenverdiener gibt es in allen Fraktionen des Bundestags. Jeder vierte Parlamentarier lässt sich einen Zusatzjob bezahlen. Von den CSU-Abgeordneten sind es sogar 45 Prozent.

Unter den 13 Top-Verdienern des Bundestags mit 100.000 Euro und mehr finden sich elf Parlamentarier der Union, darunter die Nürnberger CSU-Abgeordnete Dagmar Wöhrl sowie die CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen und Philipp Mißfelder.

Auf Platz neun taucht ein SPD-Politiker auf - es ist der ehemalige Kanzlerkandidat Peer Steinbrück . Er hat unter anderem mittlerweile bei der Unternehmensberatung des Landshuter CSU-Politikers Wolfgang Götzer angeheuert. Der Sozialdemokrat gibt die Einkünfte mit der Stufe 4 - 15.001 bis 30.000 Euro - an. Sowohl Götzer als auch Steinbrück wollten sich auf Anfrage des SPIEGEL zu ihrer Partnerschaft nicht äußern.

Die Debatte um Steinbrücks gutbezahlte Vorträge im Bundestagswahlkampf hatte dazu geführt, dass die Regeln für die Veröffentlichung der Nebeneinkünfte für Bundestagsabgeordnete geändert wurden: Statt drei gibt es nun zehn Stufen.


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Bundestagsradar

che/heb

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tsunami69 27.07.2014
1. Bitte, keine Neiddebatte!
Zitat von sysopDPAEr ist der Topverdiener im Bundestag: Der Bundestagsabgeordnete und CSU-Vizechef Peter Gauweiler hat nach SPIEGEL-Informationen fast eine Million Euro dazu verdient. Jeder vierte Parlamentarier kassiert nebenher. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/nebenverdiener-im-bundestag-gauweiler-an-der-millionen-euro-grenze-a-983089.html
Selbst im Krankenhaus-Verwaltungsbereich beschäftigt, wurde mir seit 15 Jahren dort a) komplett meine Möglichkeit zur Altersteilzeit genommen und b) darf ich jetzt ich 67 arbeiten (so ein Job vorhanden - mein jetziger wird gerade wegrationalisiert). Da ich aber weder den verantwortungsvollen Job eines Bankers/Politikers inne habe, darf ich mich auch nicht beschweren. Ich bin ein einfacher Befehlsempfänger und muss ja auch weder mit Gehalt noch Namen haften für mein Unternehmen. Insofern ist eine weitere Lohnkürzung in meinem Bereich absolut zu empfehlen.
rainer_daeschler 27.07.2014
2. Die Höhe ist nebensächlich
Die Höhe der Nebenverdienste sind nicht maßgeblich, sondern ob sie erklärbar sind. Peter Gauweiler gehört jenseits seiner politischen Karriere zu den besten Anwälten Deutschlands. Demzufolge fliegen ihm auch hoch dotiere Mandate zu. Ebenso sind 200.000 bis 300.000 € Nebenverdienst aus einem Unternehmen im eigenem Besitz nichts Bedenkliches. Verdächtig sind jedoch z.B. Beraterverträge in sechsstelliger Höhe, wo man sich beim besten Willen nicht vorstellen kann, wo da die Beratungsqualifikation herkommen soll. Weiter verdächtig sind 5-stellige Honorare für launige Reden bei ehemaligen "Kunden", denen man zu Amtszeiten noch dienlich war. Die Bezieher heimlicher Zuwendungen findet man also nicht automatisch oben auf der Liste der Top-Nebenverdiener. Beweisen lässt es sich meist nicht. Man kann sich nur seinen Teil denken.
hermann_huber 27.07.2014
3. 10 Stufen
Warum nicht einfach den Betrag komplett öffentlichen machen. Zu transparent? ??
EPHK 27.07.2014
4. Nebeneinkünfte
...und da waren die Vorträge von Steinbrück für CDU/CSU Wahlkampfthema? Keine Fraktion erzielt mehr Nebeneinkünfte als die "christliche". Mag ja rechtlich in Ordnung sein, moralisch sicher nicht. Schade nur, dass der Abgeordnete Gauweiler so wenig Zeit für seine Anwesenheit im Bundestag findet!
artis 27.07.2014
5. und wann arbeitet der für den Staat
es ist zum K....., die dürfen alles und den Arbeitslosen können die nicht einen Cent, so etwas müsste verboten werden denn die verdienen soviel Geld nur dadurch das sie durch die Politik so bekannt geworden sind, man müsste mal das Verfassungsgericht anrufen. Ekelhaft das alles. Und jetzt kommt wieder: Die zahlen ja Steuern dafür, das ist OK aber der Gewinn ist auch nicht ohne. Außerdem bekommen sie vom Steuerzahler auch noch genug Kohle quasi für Nichtstun.
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