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Ermordeter Nemzow: EU-Botschafter nehmen an Trauerfeier teil

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Das Foto des Kreml-Kritikers Nemzow in der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen: Weltweites Entsetzen

Bei der offiziellen Trauerfeier für den ermordeten Oppositionspolitiker Boris Nemzow werden Botschafter aus der EU dabei sein, darunter auch der hochrangigste deutsche Diplomat in Moskau. Auch eine deutsche Ex-Ministerin nimmt teil.

Berlin - Der Tod von Boris Nemzow, der in Moskau von Unbekannten erschossen worden ist, hat viele Menschen in Russland und im Ausland erschüttert. Galt der 55-Jährige als eine der wenigen noch verbliebenen prominenten Stimmen aus dem Lager der Opposition. Am Dienstag findet nun in Moskau die offizielle Trauerfeier für ihn statt, im Sacharow-Zentrum, benannt nach Andrej Sacharow, Atomphysiker und einer der bekanntesten Dissidenten aus der Sowjet-Ära.

Bei der Trauerfeier, die am Dienstagvormittag beginnen und am frühen Nachmittag enden soll, wird auch der deutsche Botschafter in Moskau, Rüdiger Freiherr von Fritsch, sowie der SPD-Politiker Gernot Erler teilnehmen. Erler ist Koordinator der Bundesregierung für die zwischengesellschaftliche Zusammenarbeit mit Russland, Zentralasien und den Ländern der östlichen Partnerschaft. Die Teilnahme des Botschafters und Erlers wurde SPIEGEL ONLINE am Montagabend aus Kreisen des Auswärtigen Amtes in Berlin bestätigt.

Zudem bemüht sich auch die EU-Vertretung in Moskau, andere Botschafter der EU zur Teilnahme an der Trauerfeierlichkeit für Nemzow zu bewegen. Damit will die EU auch ein politisches Zeichen der Solidarität mit der Opposition setzen.

Auch die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hält sich derzeit in Moskau auf. Die Liberale wird als Vizevorsitzende der FDP-nahen Friedrich-Naumann-Stiftung an der Veranstaltung teilnehmen, ebenso der Vorsitzende der Stiftung, der frühere FDP-Partei- und Fraktionschef Wolfgang Gerhardt. Die Stiftung pflegt seit Jahren Kontakte zu Nemzows Partei, der RPR-Parnas. Leutheusser-Schnarrenberger verband ihre Reise nach Moskau mit einer politischen Forderung. Neben umfangreichen Ermittlungen russischer Behörden verlangte sie einen Sonderberichterstatter des Europarates im Falle Nemzows. "Dieser Sonderberichterstatter muss versuchen, die Hintergründe des Anschlags aufzuklären", sagte die FDP-Politikerin SPIEGEL ONLINE. Dem Europarat gehört auch Russland an. Über das Motiv für einen Mord wird heftig gerätselt, in Russland kursieren viele Versionen und Gerüchte.

Leutheusser-Schnarrenberger war vor ihrer Tätigkeit als Justizministerin zeitweise als Sonderberichterstatterin des Europarates unterwegs, so im Falle des einst zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilten russischen Unternehmers und Oligarchen Michael Chodorkowski.

Chodorkowski kam im Dezember 2013 nach einer persönlichen Intervention des Ex-Außenministers und FDP-Ehrenvorsitzenden Hans-Dietrich Genscher bei Russlands Präsident Wladimir Putin aus der Lagerhaft heraus und flog anschließend nach Deutschland.

Vom Begräbnis ausgeschlossen ist der polnische Senatspräsident und ehemalige Bürgerrechtler Bogdan Boruszewicz. Die russischen Behörden verweigern ihm das Visum. "Ich bin überrascht, ich wollte den ermordeten Boris Nemzow ehren, und alle Russen, die so denken wie er", sagte Boruszewicz. Er habe den polnischen Staat bei der Beisetzung repräsentieren sollen, sagte der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski. Als Bürgerrechtler hatte der heutige Senatspräsident im August 1980 den Streik auf der Danziger Leninwerft mit vorbereitet.

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insgesamt 46 Beiträge
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1. Anmaßend die Forderungen nach Ermittlungen.
ü60 02.03.2015
Was ist, wenn sich die Ursache des Mordes als banal herausstellt? Auch Prominente, selbst Putingegner, haben ein Privatleben. Und der Tote hatte ja ein schillerndes Leben.
2. Wenn sich dann heraustellt, dass es eine ukrainische Bandenmilieusache ist
Kismett 02.03.2015
(oder ein Fememorde innerhalb der rechten Gruppierungen Russlands*) ist die gleichgeschaltete westliche Diplomatie in ihrem Eifer, das Gastland zu diffamieren, blamiert bis auf die morschen Knochen. Die ham´ Se doch nicht alle, sich so weit aus dem Fenster zu lehnen und die sog. rechte und nationalistische Opposition in Russland zu unterstützen. * Eine Geheimdienstattentat ist es nicht. Die würden keine Zeugin (Lockvogel) überleben lassen und sich dann noch dabei filmen lassen.
3. Eu
widder58 02.03.2015
Wozu dient diese neuerliche Einmischung?
4. Nemzow-Freundin
Walther Kempinski 02.03.2015
Das kurze Interview der Nemzow-Freundin ist doch mehr als erstaunlich. Sie weiß nicht mehr wo sie verhört wurde? Und es soll sich alles hinter ihrem Rücken abgespielt haben? Ich dachte beide liefen Seit an Seit? Ganz offensichtlich wurde eine Zeugin hier vom Staatsapparat eingeschüchert und steht nun (obwohl Zeugin) unter Hausarrest. Das alles stinkt nach Putin!
5. Fakten, Mutmaßungen, fehlende Beweise
Demokratie+Freiheit 02.03.2015
Ohne Beweise gegen Putin und seine mutmaßlichen Auftragskiller kann jeder natürlich seine eig. Meinung haben. So erdrückend die Indizien gegen Putin sind und mutmaßlich genauso von ihm persönlich inszeniert worden sind, so wenig wird es je eine Anklage gegen ihn geben. Als Diktator steht ihm doch jedes Recht des Stärkeren zu, seine unliebsamen Mitbürger zu ermorden - das macht doch wohl jeder Diktator so. Umso fragwürdiger ist es, wenn die russ. Opposition weiterhin versucht, mit Demokratischen Mitteln gegen einen Diktator vorzugehen. Ohne Revolution wie in der DDR wird Rußland nie vom Diktator befreit.
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Fläche: 17.098.200 km²

Bevölkerung: 143,972 Mio.

Hauptstadt: Moskau

Staatsoberhaupt:
Wladimir Putin

Regierungschef: Dmitrij Medwedew

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