Neonazi-Attentat Passauer Polizei lässt Festgenommene frei

Doch kein schneller Fahndungserfolg: Nach dem Neonazi-Attentat auf den Passauer Polizeichef hat sich der Verdacht gegen zwei festgenommene Männer nicht erhärtet. Dem Opfer wurden Fotos gezeigt, aber er erkannte keinen der beiden wieder. Auch ein DNA-Vergleich fiel negativ aus.


Passau - Die Hoffnung, den Mordversuch am Passauer Polizeidirektor Alois Mannichl rasch aufzuklären, hat sich vorerst zerschlagen. Der Tatverdacht gegen zwei Männer, die am Sonntag im Raum Passau festgenommen worden waren, hat sich nicht bestätigt. Die beiden Männer würden wieder freigelassen, teilte Passaus Leitender Oberstaatsanwalt Helmut Walch am Montag mit.

Ein DNA-Vergleich ihrer Kleider mit den Tatortspuren habe keine Übereinstimmung ergeben, sagte Walch. Außerdem habe Mannichl die beiden Männer auf Fotos nicht wiedererkannt. Schon zuvor war aus Ermittlerkreisen zu hören, dass die Verdächtigen die Tat bestreiten und für die Tatzeit offenbar ein Alibi hatten.

Passaus Polizeichef Mannichl war am Samstag vor seinem Wohnhaus in Fürstenzell nahe der Dreiflüssestadt vermutlich von einem Rechtsextremisten niedergestochen worden. Die Ermittler vermuten einen Racheakt von Neonazis, nachdem die Passauer Polizei in diesem Jahr immer wieder gegen die rechtsextreme Szene vorgegangen war.

Tatwaffe aus dem eigenen Garten?

Mannichl hatte das Attentat nur knapp überlebt, befindet sich aber auf dem Weg der Besserung. Nach dem Angriff konnte der 52-Jährige selbst eine konkrete Beschreibung des Täters geben. Demnach hatte ein etwa 1,90 Meter großer, kahlköpfiger Mann an der Haustür Mannichls geklingelt. Als der Beamte öffnete, wurde er mit einer Naziparole beschimpft und niedergestochen.

Aufgrund der Täterbeschreibung, die der Beamte seinen Kollegen lieferte, wurden die beiden Männer am Sonntag festgenommen. Die Ermittler hatten keine näheren Angaben darüber gemacht, ob die Männer Mitglieder einer rechtsextremen Organisation sind. Nun geht die am Samstagabend eingeleitete Großfahndung nach dem Täter weiter.

Offenbar stach dieser mit einem Messer aus Mannichls eigenem Garten zu. Bei der Tatwaffe handle es sich um eine Art Gartenwerkzeug, verlautete am Montag aus Polizeikreisen. Ob der Täter wegen Mordvorsatzes belangt werden könne, wenn er das Messer nicht mitgebracht habe, sei offen.

Am Montagmittag demonstrierten in Passau mehr als 300 Menschen gegen rechte Gewalt. Oberbürgermeister Jürgen Dupper sagte auf der Kundgebung auf dem Residenzplatz, der feige Anschlag auf den aufrechten Passauer Polizeidirektor Mannichl sei "ein Anschlag auf uns alle". Die Kundgebung unter dem Motto "Kein Platz für rechte Gewalt" war von den Hochschulgruppen der Universität organisiert worden.

Anschlag befeuert Diskussion um NPD-Verbot

Die Tat hat mittlerweile eine neue Diskussion um einen möglichen neuen Verbotsantrag gegen die auch in Passau aktive rechtsextremistische NPD ausgelöst. Nachdem Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer und Innenminister Joachim Herrmann (beide CSU) eine Initiative in diese Richtung bereits angedeutet hatten, forderte am Montag auch der stellvertretende CSU-Landtagsfraktionschef Karl Freller ein rasches Verbot der NPD und anderer rechtsextremer Organisationen.

Der FDP-Innenexperte Max Stadler zweifelte dagegen den Sinn eines weiteren Verbotsantrags beim Bundesverfassungsgericht an. Stattdessen sollten die Aussteigerprogramme für Neonazis fortgesetzt und die Aufklärungsarbeit an Schulen fortgesetzt werden, sagte der aus Passau stammende Bundestagsabgeordnete am Montag im ZDF-"Morgenmagazin".

Seehofer will den verletzten Polizeidirektor am späten Montagnachmittag im Krankenhaus besuchen. Der Anschlag wird an diesem Dienstag auch Thema bei der Sitzung des bayerischen Kabinetts sein.

Die Bundesregierung sieht in dem Mordanschlag eine "neue Qualität" rechtsextremer Gewalt. Regierungssprecher Ulrich Wilhelm verwies am Montag in Berlin dabei auf die "unglaubliche Direktheit" des Mordversuches hin.

Er wolle jedoch den Ermittlungen nicht vorgreifen, fügte Wilhelm hinzu. Die schreckliche Tat von Passau zeige einmal mehr die "sehr gravierenden Herausforderungen" im Kampf gegen Rechtsextremismus "für unseren freiheitlichen Rechtsstaat". In dem Kampf seien nicht nur die Sicherheitsbehörden gefordert. Es müsse auch klargemacht werden, dass rechtsextreme Gedanken wieder in einen Unrechtsstaat führen würden.

phw/dpa/AP

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