Neonazi-Terror Polizei nimmt Unterstützer der Zwickauer Zelle fest

Der Zugriff erfolgte am frühen Sonntagmorgen. Die Polizei in Sachsen hat einen weiteren mutmaßlichen Unterstützer der Zwickauer Zelle festgenommen. Der Mann soll dem Neonazi-Trio Wohnungen besorgt haben.


Hamburg - Im Zusammenhang mit der Zwickauer Terrorzelle hat es eine weitere Festnahme gegeben. Die Bundesanwaltschaft teilte am Sonntag mit, dass sie Matthias D. an seinem Wohnort im Erzgebirge festnehmen ließ. Es habe bereits seit dem 8. Dezember ein Haftbefehl gegen den 36-Jährigen vorgelegen. Zudem durchsuchten Beamte des Bundeskriminalamts (BKA) drei Wohnungen im Landkreis Erzgebirge. Darunter die von D. und die einer weiteren möglichen Unterstützerin.

Die Bundesanwaltschaft verdächtigt D., die Terrorzelle NSU in zwei Fällen unterstützt zu haben. Er soll dem Trio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe zwei Wohnungen in Zwickau als dauerhafte Unterkunft überlassen haben. Eine Wohnung soll er im Mai 2001 angemietet haben, die andere im März 2008. Um keinen Verdacht zu erregen, soll er ab Juni 2003 mit Uwe Böhnhardt schriftliche Untermietverträge auf einen Aliasnamen des NSU-Mitglieds geschlossen haben. Er soll der Zwickauer Zelle dadurch geholfen haben, ein Leben im Untergrund zu führen und Terroranschläge verüben zu können.

Die Bundesanwaltschaft wirft dem Mann außerdem vor, die Ziele des NSU und die rechtsextremistische Einstellung seiner Mitglieder geteilt zu haben. Die terroristischen Verbrechen der Neonazis soll er zumindest billigend in Kauf genommen haben. D. wird dem Ermittlungsrichter vorgeführt.

Nach SPIEGEL-Informationen hat sich die Zahl der Beschuldigten im Ermittlungsverfahren gegen die Zwickauer Zelle insgesamt auf sieben erhöht. Neben Matthias D. beschuldigt die Bundesanwaltschaft auch Mandy S., für das rechtsradikale Trio Unterkünfte in Sachsen organisiert zu haben.

Nach Erkenntnissen des BKA habe Mandy S. das mutmaßliche Terror-Trio nach deren Flucht im Februar 1998 für mehrere Monate in der Wohnung ihres damaligen Freundes Max B. in Chemnitz einquartiert.

Nach Angaben des Anwalts von Matthias D. war der 36-Jährige nicht über die wahre Identität seiner Untermieter informiert gewesen und von diesen getäuscht worden. Zschäpe soll D. angerufen haben, nachdem sie Anfang November ihre konspirative Wohnung in Zwickau in Brand gesetzt hatte.

Rechtsextremer V-Mann soll Terrorgruppe unterstützt haben

Die NSU erhielt womöglich auch Unterstützung von einem ehemaligen rechtsextremen V-Mann des Thüringer Verfassungsschutzes. Laut "Tagesspiegel am Sonntag" steht der Mann im Verdacht, im Jahr 1999 Kontakt zu der Terrorzelle gehabt zu haben. Zudem soll der Spitzel dem Trio im März 1999 offenbar über einen Mittelsmann 500 D-Mark überlassen haben, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Sicherheitskreise. Der V-Mann soll ein führendes Mitglied der Neonazi-Kameradschaft "Thüringer Heimatschutz" gewesen sein. Dem Bericht zufolge solle er in einem konspirativen Telefonat mit Uwe Böhnhardt dem Trio empfohlen haben, sich bei einem Neonazi in Niedersachsen zu verstecken.

ler



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