Neonazis: NPD-Fraktionschef nach Hetzrede im Visier der Staatsanwaltschaft

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Er warnt vor "Hottentotten-Tänzen" auf deutschen Marktplätzen, droht den "Demokratenfratzen" und will die Wehrmacht zurück - bei einer Rede vor Neonazis zeigte der mecklenburg-vorpommerische NPD-Fraktionschef Pastörs sein wahres Gesicht. Das interessiert jetzt die Staatsanwaltschaft.

Hamburg - Udo Pastörs hält Adolf Hitler für ein "Phänomen". Der "Führer" habe ja "wahnsinnige Pflöcke eingerammt, auf fast allen Gebieten", hat der Fraktionschef der NPD im Landtag von Mecklenburg-Vorpommern einmal gesagt - "militärisch, sozial, ökonomisch". Bei so viel Bewunderung ist nicht auszuschließen, dass Pastörs auch am Samstagnachmittag im brandenburgischen Rathenow an den Nazi-Reichskanzler gedacht hat, als er vor rund 250 Gesinnungsgenossen eine Rede hielt.

NPD-Fraktionschef Udo Pastörs im Schweriner Landtag: Drohungen gegen Demokraten
DDP

NPD-Fraktionschef Udo Pastörs im Schweriner Landtag: Drohungen gegen Demokraten

Der Landtag von Schwerin ist weit, mag sich der NPD-Mann gedacht haben, diese ungeliebte "Quasselbude" voll von "Banditen" (Pastörs) mit ihrer lästigen Geschäftsordnung. Hier vor dem Kulturhaus der Kleinstadt vor den Toren Berlins will das Fußvolk vom "SelbstSchutz Sachsen-Anhalt" und den "Freien Nationalisten" aus Dessau deutliche Worte. Also runter mit der Maske des Biedermanns, Udo Pastörs redet braunen Klartext. Der Mitschnitt, den der NDR nun gesendet hat, erinnert in Ton und Inhalt an dunkle Zeiten deutscher Geschichte.

"Wenn wir weiterleben wollen als Volk mit deutschem Antlitz", sei Radikalität ein Muss, ist Pastörs da zu hören. "Sonst wird es in 50 Jahren hier auf diesem Platz vielleicht Hottentotten-Tänze geben, aber keine deutschen Frauen und Männer mehr."

Er greift tief in die Mottenkiste des Zweiten Weltkrieges, fordert lauthals eine "hochmoderne, hochmotivierte, schlagkräftigen deutsche Armee", hinter der das Volk stehe und die wieder Wehrmacht heißen soll, "nicht Bundeswehr, sondern deutsche Wehrmacht, damit auch jeder weiß, wofür sie eingesetzt werden soll, nämlich für den Schutz unseres Heimatlandes".

So richtig in Rage geredet hat Pastörs dann noch eine klare Botschaft für die "Demokratenfratzen" der "gottverdammten demokratischen Parteien": Wenn die NPD an die Macht gelange, ereifert er sich, sei man verpflichtet, "jene einer gerechten Strafe zuzuführen, die für diese Ausplünderungspolitik unseres deutschen Volkes Verantwortung tragen. Also, liebe herrschende Klasse, seht euch vor, denn wer Wind sät, wird Sturm ernten. Lasst uns Sturm sein!" Pastörs' Stimme überschlägt sich fast. Der braune Mini-Mob jubelt.

"Gestus von Hitler und Goebbels"

Im Schweriner Schloss ist man entsetzt. SPD-Vizelandeschef Mathias Brodkorb fühlt sich an den "Gestus eines Hitler oder Goebbels" erinnert und erkennt in Pastörs Worten die unverhohlene Drohung "einer brutalen Gewaltherrschaft". Armin Jäger, Fraktionschef der CDU, sieht das "wahre Gesicht der NPD" entlarvt und einen "klaren Aufruf zum Angriff auf die Grundfesten der freiheitlich demokratischen Grundordnung". Innenminister Lorenz Caffier (CDU) nannte Pastörs im NDR gar einen "Möchtegern-Führer", der deutlich die antidemokratischen Ziele der rechtsextremen Partei formuliert habe.

Die Hetzrede von Rathenow könnte für Pastörs ein juristisches Nachspiel haben. Denn nun beschäftigt sich die Staatsanwaltschaft Potsdam mit den rechtsextremen Drohgebärden. "Wir prüfen die Rede auf eine strafrechtliche Relevanz, ein förmliches Ermittlungsverfahren gibt es bisher nicht", sagte Oberstaatsanwalt Wilfried Lehmann heute. Aber sogar in rechtsextremen Kreisen glaubt man, Pastörs könnte sich mit seinen Äußerungen selbst ein Bein gestellt haben. "War das wirklich clever, Herr Pastörs?", fragt etwa das einschlägige, allerdings NPD-kritische Störtebeker-Netz.

Nicht dass die politischen Gegner die Qualität des Pastörs'schen Gedankenguts erstaunen würde, es ist vielmehr die Offenheit, mit der der Politiker dieses nun trotz seiner öffentlichen Funktion zur Schau stellt. Im Landtag schwadronierte er zwar schon von "gesundem Frauen- und Männertum", die für eine "gesunde Volksstruktur" nötig seien, von einer bevorzugten Förderung der "Gesunden und Starken" statt Hilfe für Benachteiligte. Auch sammelt er eifrig Ordnungsrufe und wurde auch schon aus dem Saal geworfen. Doch so deutliche Worte wie in Rathenow hat sich Pastörs seit seinem Einzug in den Landtag verkniffen.

Anlehnungen an Nazi-Vokabular

Dass er von der Arbeit im Parlament allerdings eigentlich nicht viel hält und in ihr nur ein Mittel zum Zweck sieht, hatte er vor den Landtagswahlen im vergangenen September klar zu verstehen gegeben. "Ich bin kein großer Anhänger dieser Form des Parlamentarismus", bekannte er gegenüber dem "Stern". Dann sprach er von "krankhaften Keimen in unserem Staatswesen", von "Viren", die man mit der Axt heraussezieren müsse. Schon in diesen Formulierungen ließen sich eindeutige Anlehnungen an das Vokabular der Nationalsozialisten erkennen, die die jüdische Bevölkerung als "Parasiten" und "Schmarotzer" beschimpften.

Auch zum Wahlkampfauftakt 2006 in seinem Wohnort Lübtheen im Kreis Ludwigslust soll Pastörs schon einmal lauthals gewarnt haben, "unsere Besen mit Stahlborsten" zu bestücken, um "dieses Kroppzeug, was in den Ämtern herumsitzt", davonzujagen. Worte, die sehr an den "eisernen Besen" erinnern, mit dem Göring einst "das rote System" auskehren wollte.

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