ARD-Umfrage Mehrheit der Deutschen befürwortet Zuwanderung

Mehr als zwei Drittel der Bundesbürger sind der Ansicht, dass Deutschland Arbeitskräfte aus anderen Ländern braucht, so das Ergebnis einer ARD-Umfrage. Die Einwanderer sind willkommen, solange sie arbeiten.


Köln/Hamburg - Jahrelang lehnte eine Mehrheit der Deutschen es ab, qualifizierten Arbeitskräften aus anderen Ländern die Tür zu öffnen. Die Stimmung hat sich nun geändert: 68 Prozent sind der Auffassung, dass die deutsche Wirtschaft qualifizierte Arbeitskräfte aus anderen Ländern braucht, um erfolgreich zu bleiben. Das ist das Ergebnis des neuen ARD-Deutschlandtrends für Januar.

46 Prozent sind in der Erhebung des Instituts Infratest dimap davon überzeugt, dass Deutschland von den Zuwanderern alles in allem mehr Vorteile als Nachteile hat. Allerdings glauben 76 Prozent, dass sich die Parteien viel zu wenig um die Probleme kümmern, die durch die Einwanderung entstehen.

70 Prozent der Befragten sind der Ansicht, dass Zuwanderer aus EU-Ländern, die in Deutschland keine Arbeit suchen, das Land wieder verlassen müssen. Nach Ansicht der EU-Kommission müssen Einwanderer in Deutschland allerdings leichter Zugang zu Sozialleistungen erhalten. Dies geht nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" aus einer Stellungnahme der Kommission zu einem Verfahren vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) in Luxemburg hervor.

Akzeptanz dank guter Arbeitsmarktsituation

Die neuen Umfrageergebnisse dürften die Debatte um Freizügigkeit und Migration in der EU weiter befeuern. Die CSU hat sich mit dem Slogan "Wer betrügt, der fliegt" gegen sogenannte Armutsmigration besonders aus Bulgarien und Rumänien ausgesprochen. Kritiker warfen ihr vor, mit Blick auf die Europawahl im Mai populistische Stimmungen schüren zu wollen.

Unterstützung erhält die CSU aber aus der der thüringischen CDU. Fraktionschef Mike Mohring fordert ebenfalls einen harten Kurs gegen Einwanderer aus Osteuropa. Zwar sei man froh über die Freizügigkeitsregelungen in der EU, heißt es in einem europakritischen Positionspapier, das die thüringische CDU-Fraktion am Freitag bei ihrer Klausurtagung im Kloster Volkenroda beschließen will. "Gleichzeitig brauchen wir aber auch Regelungen, dass die erstmalige Zuwanderung nicht in die Sozialsysteme laufen kann."

Auch einen Beitrittsstopp für die EU bringt Mohring ins Spiel. "In beitragswilligen Staaten wie Montenegro, Mazedonien, Albanien, der Türkei oder auch Island gibt es zahlreiche nationale Probleme, die zuvor in den Ländern selbst zu lösen sind", heißt es in der Vorlage weiter.

In Thüringen wird im Herbst ein neuer Landtag gewählt. Der CSU war im Zusammenhang mit der von ihr entfachten Debatte um die Armutszuwanderung vorgeworfen worden, mit Blick auf die Europawahl im Mai populistische Stimmungen schüren zu wollen.

Höchste Zustimmung für EU

Nach Einschätzung der Meinungsforscher von Infratest dimap ist für die Akzeptanz der Zuwanderung auch die wirtschaftliche Lage in Deutschland verantwortlich. 79 Prozent der Deutschen schätzen diese als sehr gut oder gut ein. Das ist der höchste Wert, der im ARD-Deutschlandtrend je gemessen wurde. 20 Prozent bewerten die wirtschaftliche Lage als weniger gut oder schlecht.

Auch die Europäische Union erfährt bei den Deutschen so große Zustimmung wie noch nie zuvor in der Umfrage. Dass die Bundesrepublik durch die Mitgliedschaft eher Vorteile als Nachteile hat, glauben der Umfrage zufolge 40 Prozent der Befragten. Vor zehn Jahren, um Juni 2004, waren es gerade einmal 21 Prozent gewesen.

39 Prozent sind momentan der Meinung, dass sich die Vor- und Nachteile für Deutschland von der EU-Mitgliedschaft die Waage halten. 19 Prozent sind der Ansicht, dass ihr Land durch die EU eher Nachteile hat.


Daten zur Umfrage

Stichprobe: Infratest dimap befragte 1004 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger

Zeitraum: 6. bis 7. Januar 2014

Statistische Fehlertoleranz: 1,4 bis 3,1 Prozentpunkte je nach Anteilswert

heb

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insgesamt 255 Beiträge
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Seite 1
Schlumperli 10.01.2014
1. Überschrift falsch
Zitat von sysopMehr als zwei Drittel der Deutschen sind der Ansicht, dass ihre Wirtschaft Arbeitskräfte aus anderen Ländern braucht, so das Ergebnis einer ARD-Umfrage. Die Einwanderer sind willkommen, solange sie arbeiten. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neue-ard-umfrage-mehrheit-der-deutschen-befuerwortet-zuwanderung-a-942748.html
"... solange sie arbeiten" das ist der entscheidende Punkt. Wie wäre es denn mit der Überschrift: Mehrheit der Deutschen lehnt Armutszuwanderung in unser Sozialsystem ab.
monolithos 10.01.2014
2. Geld für Arbeit
Ganz einfach: Sozialleistungen an gemeinnützige Arbeit koppeln, die sonst keiner macht (davon gibt es genug). Wer schafft, kriegt Geld vom Staat. Wer nicht, der nicht. Egal, woher er kommt. Lieber 10000 arbeitende Bulgaren als 1 deutscher HartzIV-Empfänger, der sich vor der Arbeit drückt.
BenDix 10.01.2014
3. ...
Wie kann man nur sowas hier reinsetzen? 1004 repräsentativ ausgesuchte Bundesbürger - das ist doch ein Witz. Würde es eine Volksabstimmung geben wären mit Sicherheit 2/3 gegen die Einwanderung sogenannter Fachkräfte. Wenn die Wirtschaft so boomt - warum haben wir dann immer noch so viele Arbeitslose?
lluke 10.01.2014
4. Seriöse Umfrage
Ob man die Umfrage bei gerade einmal 1004 Befragten ernst nehmen kann?
sleepysmalltalk 10.01.2014
5. Traue...
Traue keiner Statistik, welche du nicht selbst gefälscht hast. Zudem wäre nach der neusten Meldung diese Umfrage nicht mehr erwähnenswert...schließlich geht es hier noch um Arbeitskräfte, während aus Brüssel bereits ganz andere Forderungen kommen und ob man sich dort die Zustimmung im Volk noch so einfach einreden kann, das will ich doch stark anzweifeln.
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