Neue CDU-Chefin in Rheinland-Pfalz: Klöckner soll König Kurt stellen

Die CDU in Rheinland-Pfalz hat eine neue Spitzenfrau: Julia Klöckner wurde zur Landesvorsitzenden gewählt und soll im nächsten Jahr den SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck ablösen.

Neue Landeschefin Klöckner, Vorgänger Baldauf: "Teamarbeit über den Tag hinaus" Zur Großansicht
dapd

Neue Landeschefin Klöckner, Vorgänger Baldauf: "Teamarbeit über den Tag hinaus"

Mainz - Die rheinland-pfälzische CDU hat personell die Weichen für die Landtagswahl 2011 gestellt: Die rund 400 Delegierten wählten am Samstag auf einem Parteitag in Mainz ihre Spitzenkandidatin Julia Klöckner zur neuen Landeschefin. Die 37 Jahre alte Bad Kreuznacherin erhielt 95,2 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Ihr Vorgänger Christian Baldauf wurde zum stellvertretenden Landesvorsitzenden gewählt und mit viel Beifall für seine vierjährige Amtszeit als Parteichef bedacht. Unterstützung für die neue Frontfrau kam von Bundeskanzlerin Angela Merkel: Die CDU-Vorsitzende versprach tatkräftige Hilfe im Wahlkampf und bekannte: "Ich komme jetzt immer so gerne her."

Merkel nutzte ihren Auftritt in Mainz, um die Gesundheitsreform, die Bundeswehrreform und die Verlängerung der Laufzeiten der Atomkraftwerke zu verteidigen. Außerdem kündigte sie weitere "wichtige Weichenstellungen" im November an. Die würden zwar "eine Menge Krach und Auseinandersetzung" verursachen, man könne aber seine Politik nicht danach ausrichte, "wie viele Menschen gerade auf der Straße stehen", fügte die Kanzlerin mit Blick auf das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" hinzu.

Klöckner, die seit Herbst 2009 Parlamentarische Staatssekretärin im Bundeslandwirtschaftsministerium ist, betonte, ihre Kandidatur bei der Wahl im März 2011 werde "kein Strohfeuer", sondern sei "mit dem festen Versprechen zu bleiben" verbunden. Dem einst stark zerstrittenen Landesverband versprach sie "Beständigkeit, Verlässlichkeit, Teamarbeit und Politik über den Tag hinaus". Inhaltlich stehe sie für eine Politik der soliden Finanzen, der nachhaltigen Bildung, des Generationenzusammenhalts, der Regionalstärkung, der Mittelstandsförderung und der Sicherheit.

Attacke auf die SPD

"Ich will Rheinland-Pfalz zur Marke machen für Innovation, Integration und Investition", betonte Klöckner. Rheinland-Pfalz müsse stärker auf Zukunftsthemen und -technologien setzen, gerade auch im Umweltbereich, und "zum Land der Ideen" werden. Das sei auch konservativ, weil es die Schöpfung bewahren helfe. "Mit uns bleiben die Kreuze in den Klassenzimmern hängen", bekannte sich Klöckner zum christlichen Fundament.

Der SPD warf sie eine selbstherrliche Regierung "nach Gutsherrenart" vor. "Rheinland-Pfalz ist viel zu schade für Königsallüren mit Schloss, Rennbahn und Hofknicks in der Staatskanzlei", sagte Klöckner mit Blick auf Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und seinen Spitznamen "König Kurt". Das Land brauche wieder Transparenz, Ehrlichkeit und einen Neuanfang für die Bürger. Klöckner versprach "einen Vertrag der Verlässlichkeit". Im Wahlkampf werde sie nichts versprechen, was sie nicht halten könne, und danach den Haushalt mit einem strikten Sparkurs wieder in Ordnung bringen.

Zuvor hatte auch Baldauf der SPD-Regierung "Kernversagen" und selbstherrliches Regieren vorgeworfen. Beck richte seine Politik nach der Devise aus "mein Schloss, meine Rennstrecke, mein Stadion", sagte Baldauf in Anspielung auf das umstrittene Schlosshotel in Bad Bergzabern, den Nürburgring und das Stadion des Fußballclubs 1. FC Kaiserslautern. Seine eigene Partei rief er zu einer klareren Profilbildung auf. "Wir brauchen klare Thesen, klare Kante", sagte Baldauf. Konservativ bedeute, Liebe zur Heimat, Ordnung und Anstand, Schutz des Lebens und der Familie. Die CDU müsse "mehr Bürgerbewegung und etwas weniger Parteistruktur sein".

sev/AP

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1. Des Königs neue Kleider.
Pandora0611 25.09.2010
Zitat von sysopDie CDU in Rheinland-Pfalz hat eine neue Spitzenfrau: Julia Klöckner wurde zur Landesvorsitzenden gewählt und soll im nächsten Jahr den SPD-Ministerpräsidenten Kurt Beck ablösen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,719625,00.html
Kurt wer? War der nicht der gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD? Beck richte seine Politik nach der Devise aus "mein Schloss, meine Rennstrecke, mein Stadion", sagte Baldauf in Anspielung auf das umstrittene Schlosshotel in Bad Bergzabern, den Nürburgring und das Stadion des Fußballclubs 1. FC Kaiserslautern.
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therude 26.09.2010
Frau Klöckner, ich rate Ihnen: Geben Sie Ihren Job als Staatssekretärin nicht auf. Sie werden ihn noch brauchen, wenn Sie von König Kurt aus der Pfalz gefegt wurden. Die bodenständigen Pfälzer werden sich für das gestandene Mannsbild Beck und dessen sehr gute Politik für Rheinland-Pfalz entscheiden und nicht für eine Blondine aus dem eh bald sich verflüchtigenden Dunstkreis der Frau Merkel.
3. Frau soll's richten
barca 26.09.2010
Es ist schon bezeichnend, dass Frauen immer dann gerufen werden, wenn Männer am Ende ihrer Weisheit angekommen sind. Die Christlichen wissen schon, warum sie gegen eine Frauenquote sind. Frauen haben keine Angst, auch wenig erfolgversprechende Herausforderungen anzunehmen. Ich denke da nur an Petra Roth, Frankfurts Oberbürgermeisterin. Kein Mann wollte damals diese aussichtslose Kandidatur annehmen. Petra Roth hat sich gestellt und gewonnen. Ihr Beispiel zeigt, dass Frauen es nicht nötig haben, sich als bessere Männer zu beweisen. Es zeigt aber auch, dass Frau viel kann, wenn man(n sie lässt und auch nicht vor Verantwortung zurückschreckt.
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therude 26.09.2010
Zitat von barcaEs ist schon bezeichnend, dass Frauen immer dann gerufen werden, wenn Männer am Ende ihrer Weisheit angekommen sind. Die Christlichen wissen schon, warum sie gegen eine Frauenquote sind. Frauen haben keine Angst, auch wenig erfolgversprechende Herausforderungen anzunehmen. Ich denke da nur an Petra Roth, Frankfurts Oberbürgermeisterin. Kein Mann wollte damals diese aussichtslose Kandidatur annehmen. Petra Roth hat sich gestellt und gewonnen. Ihr Beispiel zeigt, dass Frauen es nicht nötig haben, sich als bessere Männer zu beweisen. Es zeigt aber auch, dass Frau viel kann, wenn man(n sie lässt und auch nicht vor Verantwortung zurückschreckt.
Kickeriki! Dann ist Frau Merkel das Paradebeispiel des Gegenteils.
5. Ach herrjeee
Everybodys darling 26.09.2010
Zitat von Pandora0611Kurt wer? War der nicht der gescheiterte Kanzlerkandidat der SPD? Beck richte seine Politik nach der Devise aus "mein Schloss, meine Rennstrecke, mein Stadion", sagte Baldauf in Anspielung auf das umstrittene Schlosshotel in Bad Bergzabern, den Nürburgring und das Stadion des Fußballclubs 1. FC Kaiserslautern.
Und schon wieder politische Unkenntnis. Beck war nie Kanzlerkandidat der SPD, sondern Parteivorsitzender. Mmmmh ich erinnere mich noch an die Finanzaffäre der rheinland-pfälzischen CDU vom Sommer diesen Jahres: http://www.faz.net/s/Rub594835B672714A1DB1A121534F010EE1/Doc~EC667C93A4CBB4140915302664F27E071~ATpl~Ecommon~Scontent.html Irgendwie ist es zurzeit bei der CDU richtig in Mode zu sein gegen das Parteienfinanzierungsgesetz zu verstoßen.
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