Neue Heimat Ehemaliger Grünen-Politiker Metzger wechselt zur CDU

Einst saß er für die Grünen im Bundestag, jetzt wird er CDU-Mitglied: Oswald Metzger hat das Rätselraten um seine Zukunft beendet und verkündet, dass er sich der Union anschließt. Schon im Bundestagswahlkampf 2009 will der Finanzexperte für seine neue Partei antreten.


Biberach - Von Grün zu Schwarz: Oswald Metzger verlässt seine jahrelange politische Heimat und tritt in die CDU ein. Dies teilte der ehemalige Landtags- und Bundestagsabgeordnete der Grünen am Dienstag in Biberach mit. Er habe heute seinen Aufnahmeantrag bei der CDU eingereicht. Die Aufnahme selbst dürfte nach seinen Worten reine Formsache sein, auch wenn er noch mit niemandem von seiner künftigen Partei gesprochen habe.

Ex-Grüner Metzger: Neue politische Heimat in der CDU
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Ex-Grüner Metzger: Neue politische Heimat in der CDU

Metzger war Ende November vergangenen Jahres bei den Grünen nach gut 20 Jahren Mitgliedschaft ausgetreten, weil er deren Kurs vor allem in der Wirtschafts- und Sozialpolitik nicht mehr mittragen wollte. Metzger hatte bis zuletzt offen gelassen, ob er der CDU oder der FDP beitritt. Die SPD hatte er hingegen frühzeitig als neue politische Heimat ausgeschlossen.

Metzger sagte, er habe einige Angebote von Kreisverbänden der baden-württembergische CDU gehabt. Auch die saarländische FDP habe um ihn geworben. Er habe aber keinen Kontakt im Vorfeld aufgenommen, sagte Metzger. "Ich bin wirklich gespannt, wie der Wechsel ankommt." Der FDP warf er Egoismus vor. Die Liberalen seien zu wenig nachhaltig. Die CDU habe ein anderes Bild von den Menschen. Sie trage Verantwortung gegenüber den Kindern und Enkeln.

Im kommenden Jahr will der 53 Jahre alte Finanzexperte wieder für den Bundestag kandidieren. Metzger sagte, er sehe in der CDU eine "parteipolitische Plattform", auf der seine marktpolitischen Überzeugungen "einen größeren Raum haben als jemals bei den Grünen".

Vor seinem Austritt hatte Metzger die Grünen lange Zeit vor einem Linksruck gewarnt. Den Beschluss des Grünen-Bundesparteitags Ende November vergangenen Jahres für eine Grundsicherung nannte er damals einen Schlusspunkt: "Es hat über die letzten Jahre einen Entfremdungsprozess persönlich und programmatisch gegeben."

Vor dem Parteitag hatte Metzger erklärt, viele Sozialhilfeempfänger sähen ihren Lebenssinn darin, "Kohlenhydrate oder Alkohol in sich hinein zu stopfen, vor dem Fernseher zu sitzen und das Gleiche den eigenen Kindern angedeihen zu lassen".

Metzger sagte nun: "Als Berufspolitiker habe ich mich stets für die Grundprinzipien der marktwirtschaftlichen Ordnung eingesetzt: Freiheit, Wettbewerb und Subsidiarität." Gerade die Union, die sich auf Ludwig Erhard als Vater der sozialen Marktwirtschaft berufe, brauche ein starkes wirtschaftspolitisches Profil. Dazu wolle er seinen Teil beitragen. "Ich bin überzeugt, dass es in der CDU zahlreiche Mitstreiter dafür gibt."

Der CDU-Direktkandidat für den Wahlkreis Biberach wird nach Metzgers Angaben am 1. Juli nominiert. Der Finanzexperte schätzte seine Chancen "50 zu 50" ein, dass es mit der Nominierung klappe. Der Wahlkreis war 2005 von dem CDU-Kandidaten Franz Romer mit 52,4 Prozent der Erststimmen gewonnen worden. Der 66-jährige ehemalige Betriebsratsvorsitzende will aber zur Bundestagswahl 2009 nicht mehr antreten. Für seine Nachfolge gibt es CDU-intern mehrere Bewerber.

"Ich habe keinen Plan B in der Tasche", sagte Metzger. Er habe sich seine Entscheidung gut überlegt, und deshalb werde er die kommenden Stürme mit Anstand überstehen. Der ehemalige Grünen-Politiker warnte erneut vor einer Rücknahme der eingeleiteten Reformen im Bereich des Arbeitsmarktes und der Sozialpolitik. "Fast täglich werden neue Leistungsversprechen des Staates ausgelobt, als ob die Zusagen der Vergangenheit auch nur halbwegs solide finanziert wären."

Der aus Bad Schussenried (Kreis Biberach) stammende Politiker war von 1998 bis 2002 für die Grünen im Bundestag und seit 2006 im Landtag von Baden-Württemberg. Anfang Februar hatte er sein Mandat niedergelegt.

ffr/AP/dpa/ddp



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