Neue im Bundestag 100 Tage Hamsterrad

Von Sonja Bechtold, und

3. Teil: Steffen-Claudio Lemme (SPD), Thüringen


Als Steffen-Claudio Lemme, 44, in den Bundestag einzog, lag seine Fraktion am Boden. Sie hatte bei der Wahl eine schwere Schlappe erlitten, die SPD war aus der Regierung geflogen - nach elf Jahren. Für den Bundestagslehrling Lemme hat das den Einstieg ein bisschen leichter gemacht. "Ich habe ja sogar Erfahrung mit außerparlamentarischer Opposition", sagt der Thüringer SPD-Politiker: Bis vor kurzem war Lemme DGB-Landesvorsitzender. "Der Vorsprung der alteingesessenen Kollegen ist deshalb nicht ganz so groß."

Auch den Respekt vor den Großen der Bundespolitik hat er rasch abgelegt. "Man gewöhnt sich schnell daran, dass man im Plenum plötzlich neben Frau Merkel steht und sogar ein paar Sätze mit ihr wechselt oder mit Ministern in den Fahrstuhl steigt." Eben noch am Bratwurststand in der Thüringer Provinz, jetzt mit den Berliner Politgrößen auf Augenhöhe. Lemmes meint: "Das sind alles Menschen wie du und ich."

Angekommen ist der Neu-Parlamentarier deshalb noch lange nicht im Bundestag. Auch nach drei Monaten sei er weiter "in der Orientierungsphase", sagt der SPD-Politiker. Dass er sich nach wie vor ein Büro von 16 Quadratmetern mit seinen beiden Mitarbeitern teilen muss, hilft dabei nicht gerade.

Lemmes Rückzugsort: Seine Wohnung am Rande Berlins

Dabei hat Lemme schon einiges erlebt: Spannende Debatten im Plenum erlebt, heftige Diskussion im Gesundheitsausschuss geführt, eine nette Wohnung im Grünen am Rande Berlins gefunden. Das erinnere ihn an seinen Thüringer Wohnort, ein Ort vor den Toren Erfurts, sagt der SPD-Mann. Nach den langen Tagen im Regierungsviertel genieße er die Ruhe.

Der Höhepunkt aus 100 Tagen Parlament? "Das war für mich ganz klar die Feierstunde zum Holocaust-Gedenktag im Bundestag", sagt Lemme. Vor allem die Rede von Israels Staatspräsident Schimon Peres habe ihn beeindruckt, "das war eine ganz besondere Atmosphäre".

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Neue im Parlament: Noch nicht ganz angekommen
Die kommenden Wochen dürften für den Gesundheitspolitiker besonders spannend werden. Denn FDP-Minister Philipp Rösler - Lemme nennt ihn "Prämien-Philipp" - muss zur Zukunft des deutschen Gesundheitssystems so langsam Farbe bekennen. "Für uns kommt die Kopfpauschale nicht in Frage", sagt der SPD-Politiker. Und wenn man sich in diesem Punkt mit der Linken einig sei, habe er auch nichts gegen gemeinsame Anträge.

Ob nach dem Abgang von Oskar Lafontaine generell eine Annäherung an die Linken bevorstehe? Da lacht Gewerkschafter Lemme, der vor vielen Jahren schon mal aus der SPD ausgetreten war - und erst im vergangenen Jahr wieder Mitglied wurde. "Natürlich ist Rot-Rot-Grün für die Zukunft nicht abwegig", sagt er.

insgesamt 1957 Beiträge
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Saudi-Arabien 02.02.2010
1.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Da fällt mir die Antwort leicht. [quote] Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht? [/quote} Nichts außer Ärger.
saul7 02.02.2010
2. ++
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Die Erkenntnis, dass mit Klientel-Politik kein Staat zu machen ist!!!
bammy 02.02.2010
3.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Schlagzeilen ;-)) Was sollen die schon gebracht haben? Die ersten Gesetze sind erst mal 4Wochen in Kraft.
Direwolf 02.02.2010
4.
Zitat von sysopDie ersten 100 Tage der Regierung sind traditionell eine Zäsur - Zeit für eine Zwischenbilanz. Was hat Schwarz-Gelb bisher gebracht?
Eine große Enttäuschung. Der Start ist genau so übel wie der Anfang von Rot-Grün und läßt mich armen NRW Wähler mit der Frage zurück, wen ich denn überhaupt noch wählen soll.
yogtze 02.02.2010
5.
Uns nichts - augenommen denjenigen unter uns, die zufällig Hoteliers, Apotheker oder Pharmahersteller sind... Es muss aber weitergehen, die FDP ist ja "vielschichtig" - als Klientelpartei, da gibt es noch einige Interessengruppen zu bedienen.
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