Von Sonja Bechtold, Florian Gathmann und Hendrik Ternieden
Es ist nicht neu für ihn, vor vielen Menschen zu sprechen. Thomas Gambke, 60, hat in seiner langen Karriere bei Schott mehrere Werke im In- und Ausland geleitet, darunter eine Tochterfirma mit 1500 Beschäftigten. "Wenigstens einmal im Jahr musste ich in der Betriebsversammlung reden", sagt der Grünen-Politiker, "da waren immer ein paar hundert Leute". Auch dort habe jedes Wort gezählt. Aber am Rednerpult des Bundestages zu stehen, vor sich auf der einen Seite die Regierungsfraktionen, auf der anderen die der Opposition - das war dann doch etwas ganz anderes für den Abgeordneten aus Landshut. Inzwischen hat er bereits seine zweite Rede im Plenum gehalten.
Obwohl der promovierte Physiker in seinem Leben schon eine ganze Menge gesehen und erlebt hat - der Bundestag ist für den Grünen-Politiker noch mal ein Schritt ins Unbekannte. Vom Spitzenmanager zum Hinterbänkler. 2006 stieg Gambke bei Schott aus, erst zwei Jahre zuvor war er Grünen-Mitglied geworden. Spätestens nach seinen beruflichen Erfahrungen in China hatten ihn Umwelt-Fragen umgetrieben - "meine Aha-Erlebnisse"-, nun wollte Gambke auch politisch etwas tun. "Wer den Mund spitzt, muss dann auch pfeifen", sagt er. Gambke engagierte sich zunächst bei den Grünen in Landshut und auf Landesebene, schon 2005 wäre er beinahe in den Bundestag eingezogen. Vier Jahre später klappte es.
Gambke sieht die zentrale politische Arbeit im Ausschuss
Vieles ist gewöhnungsbedürftig für den neuen Abgeordneten. Auch die Arbeit im Finanzausschuss. Andererseits ist er mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Unternehmer fachlich vielen Kollegen weit voraus. Gambke ist für seine Fraktion unter anderem Berichterstatter für den Bereich Unternehmenssteuern. "Da geht es jetzt beispielsweise bei einer von der Koalition geplanten Änderung des Außensteuergesetzes um 1,8 Milliarden Euro", sagt er. "Da fühle ich dann schon eine gewisse Verantwortung."
Trotz mancher Frustration in den ersten 100 Tagen - Gambke genießt sein neues Abgeordnetendasein. Auch das Hin und Her zwischen Berlin und dem Wahlkreis, vielen Parlamentariern ein Graus, stört ihn nicht weiter. "Ich bin ein Jahr lang zwischen Singapur und meiner Familie in Landshut gependelt - das war anstrengend."
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