Neue Koalitionsoptionen Die Alles-ist-möglich-Republik

Die Grünen sind so stark wie nie, die schwächelnde FDP öffnet sich nach links, die SPD ist für alles zu haben - im Frühjahr des Jahres 2011 präsentieren sich die Parteien in Wechsellaune. Welche Konstellationen sind möglich? Ein Überblick.

CDU-Generalsekretär Gröhe, FDP-Kollege Lindner, SPD-Chef Gabriel: Einiges in Bewegung
Christian Thiel / DER SPIEGEL

CDU-Generalsekretär Gröhe, FDP-Kollege Lindner, SPD-Chef Gabriel: Einiges in Bewegung

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Berlin - Sie kommen aus den tiefsten Gräben herausgekrochen dieser Tage. Beispielsweise FDP-Generalsekretär Christian Lindner. Er spricht plötzlich von "Gesprächsfäden mit den Grünen und mit der SPD". Aus dem Mund von Lindner, einem politischen Zögling Guido Westerwelles und bis dato Kämpfer für das schwarz-gelbe Projekt, ist das eine kleine Sensation. Oder Bundesfamilienministerin Kristina Schröder. "Meine Sympathien für die Grünen, zumindest für den bürgerlichen Flügel, sind kein Geheimnis", sagt sie im aktuellen SPIEGEL. Tatsächlich war die Grünen-Nähe der strammen CDU-Politikerin bisher kaum einem bekannt. Und SPD-Präside Heiko Maas träumt in einem Gastbeitrag für SPIEGEL ONLINE vom sozial-liberalen Comeback.

Wie bitte?

Im deutschen Parteiensystem ist einiges durcheinander geraten im Frühjahr 2011. Alte Gräben werden zugeschüttet, so scheint es, die politischen Lager sind in Auflösung. Es herrscht Bäumchen-Wechsel-Dich-Stimmung.

Das hat viel mit dem Boom der Grünen zu tun. Die fühlen sich derzeit so stark, dass selbst das Kanzleramt für sie in Reichweite rückt. "Kanzlerin kann ich auch", sagte Bundestags-Fraktionschefin Renate Künast kürzlich der "B.Z.". In Stuttgart stellt ihre Partei mit Winfried Kretschmann künftig den Ministerpräsidenten, in Berlin will Künast im Herbst dem Regierenden SPD-Bürgermeister Klaus Wowereit das Rathaus entreißen.

An den Grünen kommt keiner mehr vorbei - auch nicht die Union. Je schwindsüchtiger sich der liberale Koalitionspartner präsentiert, umso mehr schielen CDU und CSU auf die früher als Öko-Fundis verschrienen Grünen. Die FDP blinkt im Überlebenskampf nach links - raus aus der schwarz-gelben Falle. Und die SPD muss versuchen, neben Bündnissen mit den Grünen die rot-gelbe Option zurückzuerobern.

Vorstellbar ist das, weil spätestens nach der Atom-Katastrophe das politische Motto gilt: anything goes. Das schwarz-gelbe Abrücken von der Kernkraft hat vieles über den Haufen geworfen. Aber auch die großen Debatten der vergangenen Monate trugen dazu bei, dass alte Gewissheiten und Frontlinien brüchig geworden sind. Thema Finanzkrise, Thema Euro-Rettung. Und auch der Streit um einen schwäbischen Bahnhof hat die Milieus kräftig durcheinander gerüttelt: Stuttgart 21 wurde vom lokalen Thema zum nationalen Aufreger.

Deutschland wird zur Alles-ist-möglich-Republik. Ein aktueller Koalitions-Überblick.

insgesamt 68 Beiträge
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Dino, 08.04.2011
1. Armes Deutschland
Zitat von sysopDie Grünen sind so stark wie nie, die schwächelnde FDP öffnet sich nach links, die SPD ist für alles zu haben - im Frühjahr des Jahres*2011 präsentieren sich die Parteien in*Wechsellaune.*Welche Konstellationen sind möglich?*Ein Überblick. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755594,00.html
Wenn die Damen und Herren so weitermachen, haben wir bald eine medial gesteuerte Sozialdemokratische Einheitspartei Deutschlands SED oder die Sozialdemokratische Partei Ohne Normen SPON. Dem SPIEGEL sei Dank.
keinzeitungsleser 08.04.2011
2. toll
Zitat von sysopDie Grünen sind so stark wie nie, die schwächelnde FDP öffnet sich nach links, die SPD ist für alles zu haben - im Frühjahr des Jahres*2011 präsentieren sich die Parteien in*Wechsellaune.*Welche Konstellationen sind möglich?*Ein Überblick. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,755594,00.html
Parteien wollen Wahlen gewinnen. In den Parteien toben Macht - und Egokämpfe. Und auf den Bundestag nehmen die Lobbyisten Einfluss. Den Parlamentariern wird über "Fraktionszwang" das Abstimmungsverhalten vorgeschrieben. Was für ein Theater!
horstma 08.04.2011
3. Mir alles egal - fast.
Ich bin 52, aus BaWue, und habe noch nie nach Kriterien wie schwarz, rot oder gelb gewählt. Früher war alles dabei. Auch aus dem Grund, weil man sich auf Wahlversprechen nicht verlassen kann. Ich sehe nur zwei Dinge - und das hat mit Japan überhaupt nichts zu tun - also bitte damit aufhören, das immer zu unterstellen: 1.) In Zukunft muß der Umweltschutz bei der Planung von Projekten eine große Rolle spielen. 2.) Das knappe Geld muß für Projekte ausgegeben werden, die den Menschen direkt und zügig helfen. Nicht vielleicht in 30 Jahren einer Aktiengesellschaft "Bundesbahn" und ihren Aktionären. Daß gerade in BaWue diese Ansicht jetzt langsam durchsickert, lässt mich hoffen, daß sich diese Einsicht auch in anderen Ländern verbreitet.
Seifen 08.04.2011
4. Macht und nochmals Macht!
Der Machtgeilheit der Politiker wird alles unter geordnet. Deshalb sind sie austauschbar, denn hinter ihrer Denkweise steht keine Überzeugung.
nettozahler 08.04.2011
5. Alles ist möglich
Die beste Lösung wäre zurück zu schwarz-rot, möglichst noch in dieser Legislatur. Die Linke (im Westen)und die FDP düften kaum noch eine Rolle spielen und die von den Grünen bedrohte SPD hätte als Juniorpartner der Grünen sehr geringe Profilierungschancen. In einer Mehrheit der Bevölkerung besteht begründete Furcht vor einer grünen Öko-Diktatur. Die penetranten Säulenheiligen der Grünen und ihre Blockwarte allerorten machen vielen Leuten einfach Angst.
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