CSU-Vize Weber "Die Grünen entwickeln sich zu einer realistischen Koalitionsoption"

Die Union bastelt an einer Regierung mit der SPD - doch CSU-Vize Weber setzt künftig eher auf die Grünen: Die neue Doppelspitze lobt er als "Signal der Vernunft".

CSU-Politiker Weber
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Die Grünen sind nach dem Parteitag von ihrer neuen Doppelspitze begeistert - aber die Wahl von Annalena Baerbock und Robert Habeck stößt auch auf Anerkennung bei der konservativen Konkurrenz. "Die neue Realo-Doppelspitze ist ein Signal der Vernunft", sagte CSU-Vize Manfred Weber dem SPIEGEL.

Weber, Chef der EVP-Fraktion im Europäischen Parlament, geht in seinem überraschenden Lob sogar noch weiter. "Die Grünen entwickeln sich immer mehr zu einer realistischen Koalitionsoption für CDU und CSU auf Bundesebene, auch wenn uns inhaltlich noch einiges trennt", sagte er. "Die SPD muss aufpassen, dass die Grünen ihnen nicht den Rang als prägende Partei des Mitte-Links-Spektrums ablaufen."

"Die Grünen profitieren, weil sie zur Übernahme von Verantwortung und damit zum Kompromiss und zum Gestalten bereit waren und sind", sagte der CSU-Politiker. "Das unterscheidet sie von der FDP und Teilen der SPD."

Formate in Koalitionsverhandlungen
Dreier-Runde
CDU: Parteivorsitzende Angela Merkel
CSU: Parteivorsitzender Horst Seehofer
SPD: Parteivorsitzender Martin Schulz
Kleine Runde
CDU: Merkel, Unionsfraktionschef Volker Kauder, Kanzleramtschef Peter Altmaier, CDU-Vize und hessischer Ministerpräsident Volker Bouffier, Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer
CSU: Seehofer, Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, Generalsekretär Andreas Scheuer, Vize-Generalsekretär Markus Blume
SPD: Schulz, Fraktionschefin Andrea Nahles, Generalsekretär Lars Klingbeil, rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer, mecklenburg-vorpommerische Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Hamburger Erster Bürgermeister Olaf Scholz (alle drei Parteivizes)
Die 18 Arbeitsgruppen und ihre Chefverhandler
1. Europa: Martin Schulz (SPD), Peter Altmaier (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
2. Wirtschaft und Bürokratieabbau: Brigitte Zypries (SPD), Thomas Strobl (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
3. Verkehr und Infrastruktur: Thorsten Schäfer-Gümbel (SPD), Daniel Günther (CDU), Alexander Dobrindt (CSU)
4. Arbeit, Soziales und Rente: Andrea Nahles (SPD), Karl-Josef Laumann (CDU), Stephan Stracke (CSU)
5. Familien, Frauen, Jugend und Senioren, inklusive Demokratieförderung: Katarina Barley (SPD), Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU), Angelika Niebler (CSU)
6. Bildung und Forschung: Manuela Schwesig (SPD), Michael Kretschmer (CDU), Stephan Müller (CSU)
7. Digitales: Lars Klingbeil (SPD), Helge Braun (CDU), Dorothee Bär (CSU)
8. Gesundheit und Pflege: Malu Dreyer (SPD), Hermann Gröhe (CDU), Georg Nüßlein (CSU)
9. Finanzen und Steuern: Finanzen und Steuern: Olaf Scholz (SPD), Peter Altmaier (CDU), Andreas Scheuer (CSU)
10. Innen, Recht und Verbraucherschutz: Heiko Maas (SPD), Thomas de Maizière (CDU), Stephan Mayer (CSU)
11. Migration, Integration: Ralf Stegner (SPD), Volker Bouffier (CDU), Joachim Herrmann (CSU)
12. Wohnungsbau, Mieten, Stadtentwicklung: Natascha Kohnen (SPD), Bernd Althusmann (CDU), Kurt Gribl (CSU)
13. Kommunen, ländlicher Raum: Michael Groschek (SPD), Reiner Haseloff (CDU), Kurt Gribl (CSU)
14. Landwirtschaft:: Anke Rehlinger (SPD), Julia Klöckner (CDU), Christian Schmidt (CSU)
15. Energie, Klimaschutz, Umwelt: Barbara Hendricks (SPD), Armin Laschet (CDU), Georg Nüßlein (CSU)
16. Außen, Entwicklung, Verteidigung und Menschenrechte: Sigmar Gabriel (SPD), Ursula von der Leyen (CDU), Gerd Müller (CSU)
17. Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Medien: Kunst, Kultur, Kreativwirtschaft und Medien: Michael Roth (SPD), Monika Grütters (CDU), Dorothee Bär (CSU)
18. Arbeitsweise Regierung und Fraktionen: Andrea Nahles, Carsten Schneider (beide SPD), Volker Kauder, Michael Grosse-Brömer (beide CDU), Horst Seehofer, Alexander Dobrindt (beide CSU)
Steuerungsgruppe
CDU: Peter Altmaier/Helge Braun, Michael Grosse-Brömer
CSU: Andreas Scheuer, Stefan Müller
SPD: Lars Klingbeil, Carsten Schneider

Webers Äußerungen sind deshalb bemerkenswert, weil CDU und CSU ja derzeit mit den Sozialdemokraten über die Bildung einer neuen Koalition auf Bundesebene verhandeln . Der CSU-Vize ist selbst Teil der christsozialen Verhandlungstruppe.

Sein Grünen-Lob dürfte einmal mehr Ausdruck der Enttäuschung in Teilen der Union darüber sein, dass es nicht zu einer Jamaika-Koalition gekommen war. Die FDP hatte die Sondierungen abgebrochen. Weber wird zum liberalen Flügel innerhalb der CSU gezählt.

Allerdings gibt es auch prominente CSU-Vertreter wie Landesgruppenchef Alexander Dobrindt, der aus seiner Grünen-Abneigung keinen Hehl macht und auch in den Jamaika-Sondierungen immer wieder seine Vorbehalten gegen eine gemeinsame Koalition artikuliert hatte. Auch Bayerns designierter Ministerpräsident Markus Söder hatte sich zuletzt klar von den Grünen abgegrenzt.

Im Video: Analyse zur neuen Grünen-Doppelspitze

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insgesamt 68 Beiträge
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mullertomas989 29.01.2018
1. Das gleiche könnte man über die CSU sagen....
... wenn Manfred Weber Vorsitzender würde.... Er ist ein Beleg dafür, dass es auch seriöse, konstruktive Politiker in dieser Partei gibt. Nicht nur dampfplaudernde Scheinriesen.
maynard_k. 29.01.2018
2. Bei der CSU passiert das Gegenteil
Während die Grünen immer weiter in die "Mitte" rücken, rückt die CSU bekanntlich immer weiter nach rechts außen. Ich denke die CSU muss eher aufpassen koalitionfähig zu bleiben nicht auf einmal an der Seite der AfD zu stehen und von den Grünen in der GroKo abgelöst zu werden!
herbert 29.01.2018
3. Der CSU Weber sollte sich mal mit den Gruenen beschaeftigen
dann wird er schnell merken, dass die Themen bei den anderen Parteien sind und die Gruenen ein noch immer pubertaerer Haufen ist mit der Parole ueberall dagegen sein !!!
dirk1962 29.01.2018
4. Schade nur,
dass die Grünen eben diese Nähe zur Union viele Wähler kosten wird. So schnell vergessen die Wähler nicht, wie schnell die Grünen bereit wären die Klimaziele zu vergessen, für ein Ministerpöstchen. Dadurch sind sie nicht mehr glaubwürdig, weil sie stehen eben für nichts mehr. Zumindest das haben sie mit der Union gemeinsam.
staubmantel 29.01.2018
5.
Ja, Weber, die Grünen knicken eher ein. Insofern passen CSU und die Grünen gut zusammen. Beide ohne Charakter bzw. Prinzipien.
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