Von Sebastian Fischer, Florian Gathmann, Veit Medick und Severin Weiland
Es ist ein großer Schritt vom Möllner Stadtrat in den Deutschen Bundestag. Aber wenn es nach dem Urteil von Thomas de Maizière geht, scheint er dem neuen grünen Abgeordneten Konstantin von Notz, 38, gelungen zu sein. Es ist Mittwochnachmittag und Notz hat gerade seine erste Rede im Plenum begonnen, als sich Innenminister de Maizière auf der Regierungsbank nach links wendet und zur Kollegin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger sagt: "Der ist gut."
Dass die Justizministerin darauf nur mit einer Art angedeutetem Nicken reagiert, liegt wohl auch daran, dass der Mann am Rednerpult vor allem ihrer Partei die Leviten liest. "Sie haben nicht nur gewackelt - sie sind umgefallen", sagt er in Richtung der FDP-Fraktion. Der Grünen-Politiker spricht zum Auftakt der Aktuellen Stunde zum "Swift-Abkommen", das die EU eben durchgewinkt hat. Es erlaubt US-Ermittlern künftig legalen Zugriff auf "alle relevanten Daten" europäischer Bankkonten. Leutheusser-Schnarrenberger schaut ins Leere.
"Unseren Gutti" nennen ihn manche Grüne. Einige Parallelen zwischen Notz und Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sind tatsächlich unübersehbar: das Alter, die adelige Herkunft, das smarte Auftreten - und ihr täglicher Griff zur Geltube. Zudem sind beide promovierte Juristen. Doch Notz mag den Vergleich nicht, er findet ihn albern.
Am Tag nach seiner Jungfernrede sagt er: "Ich war schon ziemlich aufgeregt." Während andere aus seiner Generation bereits Bundesminister sind, lernt Notz in diesen Wochen das Bundestagsabgeordneter-Sein. "Ist schon eine hohe Taktzahl", wie er findet.
Aber natürlich haben sie in der Grünen-Fraktion schnell gemerkt, was sie an dem Rechtsanwalt und bisherigen Kommunalpolitiker aus Schleswig-Holstein haben: Der Bundestagsneuling wurde sofort als Fraktionsvize für Innen- und Rechtspolitik gehandelt. Zu diesen Spekulationen schwieg er - und ließ anderen den Vortritt. Ein bisschen Demut schadet nicht.
Notz will sich jetzt in seine Themen einarbeiten, dazu gehört auch die für die Grünen besonders wichtige Netzpolitik. Und dann? "Ich plane nicht so lange", sagt er und lächelt.
Dass auch bei den Grünen alles auf seine Generation hinausläuft, weiß Notz. Zwölf Abgeordnete unter 35 gibt es in seiner Fraktion - darunter so profilierte Parlamentarier wie Fraktionsvize Josef Winkler, 35, und Verteidigungspolitiker Omid Nouripour, 34. Einer wie der Ökonomie-Vordenker Gerhard Schick ist auch erst 37, die neue Fraktionsvize Ekin Deligöz 38.
Sie werden irgendwann regieren - ob als Jamaikaner, nur mit der Union oder doch in einem linken Bündnis.
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