Neue Vorwürfe gegen Linke-Chef Phantommitglieder bringen Ernst in Bedrängnis

Porsche, Berghof, Spesen - Klaus Ernsts Lebensweise beunruhigt die Linke. Jetzt droht dem Parteichef neuer Ärger: Nach SPIEGEL-Informationen hegen bayerische Parteifreunde den Verdacht, Ernst habe sich mit Phantommitgliedern nach oben getrickst. Der Landesverband ist in Aufruhr.

Linkspartei-Chef Ernst: Zoff im eigenen Landesverband
DDP

Linkspartei-Chef Ernst: Zoff im eigenen Landesverband


Berlin - Ruhe in der Linkspartei - das war einmal. Seit Wochen debattieren die Genossen über ihren Vorsitzenden Klaus Ernst. Mal geht es um seine Spesenabrechnungen, mal um seinen Porsche, dann wieder um einen von ihm gepachteten Bauernhof in Österreich. Die Frage ist: Wieviel Luxus passt zur Linken?

Jetzt droht neuer Ärger. Und wieder geht es um den Parteichef.

Interne Querelen in Ernsts bayerischem Landesverband gefährden nach SPIEGEL-Informationen den Rechenschaftsbericht der Bundespartei. Ulrich Voß, der Schatzmeister der Bayern-Linken, verweigert die Unterschrift unter den aktuellen Rechenschaftsbericht des Landesverbands. Der Ton ist harsch: Er sei "unter keinen Umständen bereit", "antidemokratische" und "teilweise sogar kriminelle Handlungen" durch seine Unterschrift zu legitimieren. Gibt der Bundesverband Ende September wegen der Bayern-Querelen einen unvollständigen Rechenschaftsbericht ab, drohen erhebliche Geldeinbußen.

Doch damit nicht genug. Der Schatzmeister und andere bayerische Linksaktivisten äußern zudem den Verdacht, dass Ernst sich nach oben getrickst haben könnte. Mit Hilfe von Phantommitgliedern, so der Vorwurf, könnte das Ernst-Lager jüngste Parteitagsbeschlüsse manipuliert haben.

Hintergrund ist eine offenbar große Anzahl von Parteimitgliedern, die keine Beiträge zahlen und somit ausgeschlossen werden müssten. Die Karteileichen verändern jedoch die Zahl der Delegierten auf Parteitagen nach oben, weil sie für die Berechnung des Delegiertenschlüssels herangezogen werden: Viele Mitglieder, viele Delegierte. Die knappe Wahl der Ernst-treuen Landesspitze im April, so die Kritiker, könnte auf diese Weise entschieden worden sein. Der Landesverband weist die Vorwürfe zurück, Klaus Ernst äußerte sich nicht.

Der bayerische Landesverband zeigt sich intern tief zerstritten. Der Gewerkschaftsflügel um Ernst liefert sich seit Monaten einen Grabenkrieg mit dem antikapitalistischen Flügel, im April musste die Landesspitze neu gewählt werden. Dass der Streit angesichts der neuen Vorwürfe nun zügig beendet wird, ist kaum zu erwarten.

Das Problem von Phantommitgliedern hat nicht nur die bayerische Linke. Auch im Saarland hatte sich kürzlich eine erhebliche Differenz zwischen der offiziellen Liste und der tatsächlichen Zahl aktiver Mitglieder aufgetan. Die Konsequenz: Die Saar-Linke warf knapp ein Drittel ihrer Mitglieder aus der Partei.

vme

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Seite 1
dederl 14.08.2010
1. Natürlich
Zitat von sysopDer neue Parteichef der Linken steht immer wieder in der Diskussion - ob Porsche, Berghof oder Spesen. Jetzt gibt es einen neuen Vorwurf: Ernst soll sich mit Phantommitgliedern nach oben getrickst haben. Was denken Sie - ist Ernst der Richtige Vorsitzende für Die Linke?
Natürlich ist er der Richtige. In der letzten Wahl forderten die Linken: "Reichtum für alle" Das geht nur, wenn man bei sich selbst anfängt Reichtum zu schaffen. Allen voran müssen die Vorsitzenden der Linken als gutes Vorbild so handeln.
reikur 14.08.2010
2.
Zitat von sysopDer neue Parteichef der Linken steht immer wieder in der Diskussion - ob Porsche, Berghof oder Spesen. Jetzt gibt es einen neuen Vorwurf: Ernst soll sich mit Phantommitgliedern nach oben getrickst haben. Was denken Sie - ist Ernst der Richtige Vorsitzende für Die Linke?
Der Absturz von Lafontaine auf Ernst ist gewaltig. Für sein schmieriges Dauergrinsen und seinen Dialekt kann er vielleicht nicht. Ansonsten gehört er zu den Politikern, von denen kein vernünftiger Mensch einen Gebrauchtwagen kaufen würde.
matt1981bav 14.08.2010
3. nächste Kampagne
Ich bin als Gelb oder Schwarz wählender Kapitalist ja wirklich kein Freund von Klaus Ernst, aber es fällt auf dass die SPD-Grünen Journalisten bei Spiegel und Süddeutsche das Projekt Rot-Grün wieder ausheben wollen. Deswegen wurde eine Kampagne gegen die Bundesregierung und jetzt auch gegen die Linke gestartet. Wie solche Hetzkampagnen funktionieren haben die Journalisten vorher an Bischof Mixa geübt. Dem wurden ja solange die schlimmsten Sachen unterstellt bis er aufgab obwohl er lediglich ein paar Ohrfeigen verteilt hatte in einer Zeit zu der das üblich war.
donemile, 14.08.2010
4.
Zitat von sysopDer neue Parteichef der Linken steht immer wieder in der Diskussion - ob Porsche, Berghof oder Spesen. Jetzt gibt es einen neuen Vorwurf: Ernst soll sich mit Phantommitgliedern nach oben getrickst haben. Was denken Sie - ist Ernst der Richtige Vorsitzende für Die Linke?
Zumindestens hält er die Linke in den Schlagzeilen. Was in unserer Mediendemokratie schon ein Wert an sich ist.
tkrampitz 14.08.2010
5.
Zitat von sysopDer neue Parteichef der Linken steht immer wieder in der Diskussion - ob Porsche, Berghof oder Spesen. Jetzt gibt es einen neuen Vorwurf: Ernst soll sich mit Phantommitgliedern nach oben getrickst haben. Was denken Sie - ist Ernst der Richtige Vorsitzende für Die Linke?
Es ist der perfekte Mann für diesen Job. Noch nie, hat sich der verlogene Kommunismus so sehr selber demaskiert. Die Linkspartei ist moralisch am Ende und wird bis zur nächsten Bundestagswahl in der Bedeutungslosigkeit verschwunden sein. Es beginnt das Erwachen aus dem "linken" Alptraum.
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