Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.

Neue Vorwürfe: Wulffs sollen VIP-Vertrag von Autohändler bekommen haben

Die Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten reißen nicht ab: Für den Wagen seiner Ehefrau soll er einen "sehr günstigen" Leasing-Vertrag bekommen haben - erst vor wenigen Wochen, auf dem Höhepunkt der Kreditaffäre. Wulffs Anwälte bestreiten die Vorwürfe.

Ehepaar Wulff: "VIP-Vertrag" für den Wagen der First Lady? Zur Großansicht
dapd

Ehepaar Wulff: "VIP-Vertrag" für den Wagen der First Lady?

Berlin - In der Affäre um Bundespräsident Christian Wulff sind neue Vorwürfe über Sonderkonditionen von befreundeten Geschäftsleuten aufgetaucht. Nach einem Bericht der "Berliner Zeitung" soll die Frau des Bundespräsidenten Ende Dezember - also nach dem Bekanntwerden der Kreditaffäre - für einen Audi Q 3 von einem Berliner Autohaus "einen VIP-Vertrag mit sehr günstigen Leasing-Konditionen" bekommen haben.

Wulffs Anwalt Gernot Lehr bestreitet dies. Es habe keinen "Prominentenrabatt" gegeben. Der von Frau Wulff bestellte Q 3 werde erst Mitte dieses Jahres ausgeliefert. Deshalb habe Audi ihr am 22. Dezember "einen Wagen gleichen Fahrzeugtyps gegen Zahlung einer monatlichen Pauschale aus dem eigenen Fahrzeugpark zur Verfügung gestellt". Der Bundespräsident habe den Autohändler "ausdrücklich" aufgefordert, "den ganz normalen Tarif" zu nehmen, und keine "Sonderbehandlung" gewünscht, sagte Lehr. Für die Anmietung zahle Frau Wulff monatlich 850 Euro.

Laut "Berliner Zeitung" sollen als monatliche Ratenzahlungen "1,2 Prozent der unverbindlichen Preisempfehlung" vereinbart worden sein. Üblich seien 1,5 Prozent. Je nach Motor koste das Fahrzeug zwischen 31.000 und 36.000 Euro.

Einladung zum Sommerfest für Privatgeschenke?

Selbst Geschenke an den gemeinsamen Sohn der Wulffs werden nun thematisiert. Zu dessen Geburtstag habe der Geschäftsführer des Autohauses bereits im Mai 2011 ein "Bobby-Car" an die Privatadresse in Burgwedel geschickt, berichtet die Zeitung weiter. Dafür habe sich Wulff in einem Schreiben mit dem offiziellen Briefkopf des Bundespräsidenten bedankt und den Geschäftsführer zum Sommerfest des Bundespräsidialamtes 2012 eingeladen.

Zur Erläuterung erklärten die Anwälte des Bundespräsidenten, die Eheleute Wulff würden den Autohändler und seine Frau aus der Zeit in Hannover kennen. Das Geschenk befinde sich "in der Kinderspielecke im Schloss Bellevue und kann dort von Besuchskindern genutzt werden".

Wulff sagt Teilnahme an Weltwirtschaftsforum ab

Unterdessen berichtet die "Bild"-Zeitung, der Bundespräsident habe einen geplanten Besuch auf dem Weltwirtschaftsforum Ende Januar in Davos abgesagt. Das Präsidialamt habe dafür "terminliche Gründe" angeführt. Laut "Bild" wollte Wulff am Eröffnungstag des hochkarätig besetzten Treffens unter anderem mit Spitzenvertretern deutscher Industrieunternehmen zusammentreffen.

Für die seit Wochen schwelende Affäre um den Bundespräsidenten dürfte der Mittwoch ein wichtiger Tag werden: Am Vormittag will der Landtag in Hannover sich mit der Affäre befassen. SPD und Grüne wollen die Hintergründe des 500.000-Euro-Darlehens beleuchten, das Wulff 2008 in seiner Zeit als Ministerpräsident bei einer befreundeten Unternehmergattin aufgenommen hatte.

Nach Ansicht der niedersächsischen Landesregierung hat Wulff mit der Annahme des Hauskredites nicht gegen das Ministergesetz verstoßen. "Das in Frage stehende Darlehen ist ein reines Privatgeschäft", heißt es in einer schriftlichen Antwort des Finanzministeriums auf den Fragenkatalog der Grünen im Landtag. "Amtsbezogenheit" des Darlehens sei nicht gegeben.

Stuttgarter Staatsanwalt ermittelt nicht

Am Morgen erklärte die Staatsanwaltschaft in Stuttgart, dass sie wegen des umstrittenen Anschlusskredits der BW-Bank an Wulff auf Ermittlungen verzichtet. Es habe sich kein Anfangsverdacht auf Untreue und Vorteilsnahme ergeben. Insgesamt waren bei der Staatsanwaltschaft im Zusammenhang mit der Affäre 19 Anzeigen eingegangen.

Zuletzt hatte die "Welt" berichtet, dass Wulff die Kosten für ein Hotelzimmer-Upgrade aus dem Jahr 2008 erstatten will. Nach Informationen des SPIEGEL hatte der Münchner Filmunternehmer David Groenewold für den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten beim Besuch des Oktoberfestes in München ein Upgrade für eine Suite im Fünfsternehotel "Bayerischer Hof" übernommen. Davon soll Wulff nach Angaben seines Anwalts nichts gewusst haben.

fab/dpa

Diesen Artikel...
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 555 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Aha
mischubo 18.01.2012
Zitat von sysopDie Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten reißen nicht ab:*Für den Wagen seiner Ehefrau soll*er einen "sehr günstigen" Leasing-Vertrag bekommen haben - erst vor wenigen Wochen, auf dem Höhepunkt in der Kreditaffäre. Wulffs Anwälte bestreiten die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809738,00.html
"Selbst Geschenke an den gemeinsamen Sohn des Wulffs werden nun thematisiert." Sagt man jetzt schon "das Wulff"?
2. Raus aus dem Ratssaal
pragmat. 18.01.2012
Zitat von sysopDie Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten reißen nicht ab:*Für den Wagen seiner Ehefrau soll*er einen "sehr günstigen" Leasing-Vertrag bekommen haben - erst vor wenigen Wochen, auf dem Höhepunkt in der Kreditaffäre. Wulffs Anwälte bestreiten die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809738,00.html
Ich möchte diesen Herren nicht auch noch als Vorbild in den Ratssäälen hängen sehen und dann Weihnachten die Rundmails erhalten, das eine Annahme von Geschenken mit einem Wert über 10 Euro verboten ist.
3. Nur noch peinlich
Palmstroem 18.01.2012
Zitat von sysopDie Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten reißen nicht ab:*Für den Wagen seiner Ehefrau soll*er einen "sehr günstigen" Leasing-Vertrag bekommen haben - erst vor wenigen Wochen, auf dem Höhepunkt in der Kreditaffäre. Wulffs Anwälte bestreiten die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809738,00.html
Als der SPIEGEL vor fast zwei Jahren seine Recherchen gegen Wulf begann, ging es um das Gerücht, Herr Wulff hätte das Haus von einem befreundeten Unternehmer halb geschenkt bekommen. Nun bleibt als Gerücht ein Bobby-Car als mögliches Geschenk. Mehr gibt es zu diesem "Medien-Skandal" nicht zu sagen!
4. Absonderliche Berichte
Christian Wernecke 18.01.2012
Zitat von sysopDie Vorwürfe gegen den Bundespräsidenten reißen nicht ab:*Für den Wagen seiner Ehefrau soll*er einen "sehr günstigen" Leasing-Vertrag bekommen haben - erst vor wenigen Wochen, auf dem Höhepunkt in der Kreditaffäre. Wulffs Anwälte bestreiten die Vorwürfe. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,809738,00.html
Die Presse hat sich festgebissen und will den Mann stürzen sehen. Anders kann ich mir diese absonderlichen Berichte nicht mehr erklären.
5. Soll
pepito_sbazzeguti 18.01.2012
Wenn ich schon lese: "Soll bekommen haben". Ist das Eurer Ansicht nach seriöser Journalismus? Und dann noch als Quelle die "BZ"....auweia.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH




Fotostrecke
Christian Wulff: Neujahrsempfang im Schloss Bellevue


Fotostrecke
Wulff an Döpfner: "Die Anwälte sind beauftragt"

Fotostrecke
Christian Wulff: Ende einer kurzen Amtszeit
Der kompakte Nachrichtenüberblick am Morgen: aktuell und meinungsstark. Jeden Morgen (werktags) um 6 Uhr. Bestellen Sie direkt hier: