Neuer BER-Flughafen-Chef Ausgerechnet Mehdorn

Als Bahn-Chef hoch umstritten, als Air-Berlin-Boss gescholten - jetzt soll Hartmut Mehdorn den Berliner Pannenflughafen retten. Kann das gutgehen? Als konsequenter Sanierer und Sparer könnte er genau der Richtige sein.

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Berlin - "Die Maya haben sich nur um drei Monate verrechnet", kommentiert die "taz" - und vergleicht die Überraschung des Tages mit dem Weltuntergang. "Einer, der sich mit Verspätungen auskennt", lästert der "Westen" über den frisch ernannten Flughafen-Krisenmanager Hartmut Mehdorn. Am Montag fängt der 70-Jährige als Geschäftsführer des Berliner Pannen-Airports an. Bei vielen löste die Personalie reflexartig Hohn aus.

Ausgerechnet Mehdorn!

Grünen-Fraktionschefin Renate Künast zeigte sich "entsetzt" ob der Entscheidung für Mehdorn; FDP-Generalsekretär Patrick Döring stellte in Frage, ob Mehdorn allein den Bauflop retten könnte. "Satire", "verspäteter April-Gag", "schlechter Scherz", rumort es in den sozialen Netzwerken. Die Welle des Spotts rollt, und sie ist hämisch wie selten.

Aber ist sie auch gerechtfertig? Fakt ist: Mehdorn ist nicht die erste Wahl für den Job. Der eigentliche Favorit, der Frankfurter Flughafen-Geschäftsführer Wilhelm Bender, war ebenfalls als Flughafenchef im Gespräch, später als Chefberater. Nach Querelen um die Höhe seines Tagessatzes wurde Bender nicht einmal das..

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Neuer BER-Chef: Die Stationen des Hartmut Mehdorn
Die Verantwortlichen feiern die Entscheidung für Mehdorn freilich als Coup. Der Vorschlag für Mehdorn kam von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Er und Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verweisen auf Mehdorns jahrzehntelange Erfahrung als Spitzenmanager von Großkonzernen wie der Deutschen Bahn und Air Berlin.

Mehdorns zweiter großer Pluspunkt ist, dass er klare Strukturen schaffen kann. Bei der Bahn entschlackte er einen monströs wuchernden Beamtenapparat und machte ihn wieder effizient. In der Luftfahrtbranche kennt sich Mehdorn aus, und in der Wirtschaft gilt er als jemand, der Dinge durchzieht. Genau darum geht es beim Berliner Pannenflughafen: Dass er endlich fertig wird. Im Moment ist die Eröffnung auf unbestimmte Zeit verschoben.

"Wahrscheinlich meistgehasster Manager"

Soweit die Vorschusslorbeeren. Doch Mehdorn ist auch ein umstrittener Spitzenmann. In seiner Karriere scheiterte er mehrfach an seinen selbst gesteckten Zielen. Als Bahn-Chef trat er 1999 an, den Staatskonzern an die Börse zu bringen, was nicht gelang. Bei Air Berlin versprach er "nachhaltige Gewinne". Zwar bescheinigten ihm Analysten, die Kosten in den Griff bekommen und mit dem Einstieg der Golf-Airline Etihad das Überleben des Unternehmens gesichert zu haben. Doch schreibt die Billig-Airline auch nach Mehdorns Abschied operativ weiterhin tiefrote Zahlen.

Zudem könnte ihm beim Mammutprojekt BER sein Sturkopf im Wege stehen. Denn als Geschäftsführer muss er nicht nur klare Entscheidungen treffen, sondern zwischen vielen Akteuren vermitteln können. Berlin und Brandenburg halten je 37 Prozent am Flughafenbetreiber, der Bund 26 Prozent. Auch wenn Mehdorn in der Politik hervorragend vernetzt ist, fehlt es ihm zuweilen an Diplomatie und Gespür. Als DB-Chef sorgte er mit seinem Widerstand gegen eine Holocaust-Ausstellung auf Bahnhöfen für Aufruhr. Und er hielt noch eisern am Ziel fest, das Unternehmen an die Börse zu kriegen, als sich die Politik insgeheim schon längst davon verabschiedet hatte. Erst die Finanzkrise 2008 machte Mehdorns Börsenpläne zunichte.

Gehalt bleibt geheim

Nicht zu unterschätzen ist Mehdorns mieses öffentliches Image. Gerechtfertigt oder nicht: Viele Bürger machen Mehdorn und seinen Sparkurs bei der Bahn noch immer für Verspätungen, Pannen und das Berliner S-Bahn-Desaster verantwortlich. Mehdorn verwies bei seinem Rücktritt darauf, den Konzern von einem Jahresverlust von 1,5 Milliarden Euro auf einen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro gebracht zu haben. Doch es nützte nichts: Mehdorn ging "als der wahrscheinlich meistgehasste Manager" Deutschlands, schrieb die "Süddeutsche Zeitung".

In seinem neuen Job muss Mehdorn aber nicht nur managen, sondern auch Vertrauen zurückgewinnen. Bei Millionen vom Flughafenchaos genervten Bürgern, bei enttäuschten Mitarbeitern und verprellten Firmenpartnern. Optimismus ausstrahlen, das wird eine schwierige Herausforderung für den unpopulären Mehdorn. Die Schadensersatzklage gegen den Flughafen, die Mehdorn selbst als Air-Berlin-Chef einreichte, soll seiner Aussage nach hingegen kein Interessenkonflikt werden. Mehdorn plädierte am Freitag für eine gütliche Einigung.

Unterm Strich wird es der Kostenbombe BER gut tun, einen konsequenten Sanierer und Sparer an der Spitze zu haben. Andererseits soll Mehdorn den Morast um einen der größten deutschen Bauflops wegwühlen - und nimmt es in Sachen Transparenz selbst nicht ganz so genau. Sein Gehalt, betonte der 70-Jährige am Freitag auf einer Pressekonferenz, werde er nicht offenlegen.

Bei der Konferenz, die symbolträchtig am neuen Flughafengelände abgehalten wurde, bemühte sich Mehdorn um reichlich Neustart-Rhetorik. "Ich bin zuversichtlich, dass wir hier ein kleines Powerhouse aufmachen können", sagte er und versprach, aufs Tempo zu drücken. So schnell, machte er klar, werde er sich von seiner neuen Herkulesaufgabe nicht einschüchtern lassen. "Sie haben mich geholt, jetzt müssen sie mich auch aushalten." "



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insgesamt 270 Beiträge
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Seite 1
Wilmalein 08.03.2013
1. o
Zitat von sysopDPAAls Bahnchef hoch umstritten, als Air-Berlin-Boss gescheitert - jetzt soll Hartmut Mehdorn den Berliner Pannenflughafen retten. Kann das gut gehen? Als konsequenter Sanierer und Sparer könnte er genau der Richtige sein. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neuer-ber-flughafen-chef-ausgerechnet-mehdorn-a-887615.html
Was soll man dazu sagen? Der Witz des Jahres.
mischamai 08.03.2013
2. Spiel
Für Mehdorn ist es ein Spielchen,schafft er es oder nicht..egal!Die Konsequenzen sind ja wie gesehen für alle verkümmert,leidtragend bleibt der Steuerzahler und die Verantwortlichen werden noch mit Boni und Verdienstkreuz vergoldet.
mps58 08.03.2013
3. Richtiges Parteibuch
Das SPD Parteibuch genügt scheinbar als Qualifikation
bieberh 08.03.2013
4. Medorn kann nicht zaubern....
Er hat´s selbst auf den Punkt gebracht. Sparen hilft nicht. Dann lieber gleich abreisen. Das ist kein Fleisch und keinr Fisch.Der Platzeck kann´s nicht, jetzt medorn....mein Gott,womit haben wir das, oder besser, den verdient. Liebe Politiker denkt bitte mal nach, dafür bezahle ich euch auch euer hohes Gehalt und hört entlich mit dem Schwachsinn auf. Macht nur einmal was richtig!! grrrr.....
skiski-bowski 08.03.2013
5. Ehrlich? Mehdorn?
Wollte Lothar Matthäus nicht? Der würde das auch nicht schlechter hinbekommen.
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