Missglücktes Interview: Neuer BND-Chef sucht den Spaß im Risiko

Er gilt als sicherheitspolitischer Hardliner - doch was der neue BND-Chef Gerhard Schindler jetzt in einem Interview sagt, dürfte auch seine Förderer in der Berliner Politik erschrecken. Deutsche Agenten müssten häufiger Risiken eingehen, meint der neue Boss. Seine Devise: "No risk, no fun."

BND-Präsident Schindler: Der FDP-Mann verärgert die eigene Partei Zur Großansicht
dapd

BND-Präsident Schindler: Der FDP-Mann verärgert die eigene Partei

München - Dreieinhalb Monate ist Gerhard Schindler im Amt - und bisher hat man nicht viel vom neuen Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes BND gehört. Doch nun meldet sich der FDP-Mann mit bemerkenswerten Äußerungen zu Wort.

Er wolle die "operativen Fähigkeiten" der deutschen Auslandsspionage verbessern, sagte Schindler dem "Focus". Dabei müssten "gut kalkulierte Risiken häufiger" eingegangen werden. "Auch hier gilt - No risk, no fun."

Solch flapsige Bemerkungen ist man von Geheimdienstchefs eigentlich nicht gewohnt - schließlich geht es bei der Arbeit der Agenten oft um Leben und Tod. Wo da der "fun" stecken soll, dürfte für die meisten Menschen fraglich sein.

Auch diejenigen, die Schindler in seine Position gebracht haben, dürften sich über den missglückten Interviewsatz ärgern. Vor allem Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hatte eifrig für Schindler geworben. Schließlich leitete dieser bis Ende vergangenen Jahres die Abteilung Öffentliche Sicherheit in Friedrichs Ministerium, ehe er Ernst Uhrlau als BND-Chef ablöste.

Schindlers eigene Partei, die FDP, war von dessen Berufung zum BND-Chef dagegen nur mäßig begeistert. Schließlich gilt der ehemalige Fallschirmjäger mit Einzelkämpferausbildung auch sicherheitspolitisch als Hardliner. Ob Vorratsdatenspeicherung oder weitreichende Befugnisse der Geheimdienste - Schindler will all das, was die FDP-Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger nicht will. Vielleicht bringt der Ministerin ja nun der sprachliche Missgriff des Parteifreundes wenigstens ein bisschen "fun".

stk/dapd

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insgesamt 17 Beiträge
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1. Nor risk, no fun
rainer_daeschler 14.04.2012
Dann aber auch richtig mit Doppel-Null Agenten, der Lizenz zum Töten, Sportwagen, jede Menge Weiber und Martini gerüttelt und nicht geschlürft.
2.
t.h.wolff 14.04.2012
Zitat von sysopdapdEr gilt als sicherheitspolitischer Hardliner - doch was der neue BND-Chef Gerhard Schindler jetzt in einem Interview sagt, dürfte auch seine Förderer in der Berliner Politik erschrecken. Deutsche Agenten müssten häufiger Risiken eingehen, meint der neue Boss. Seine Devise: "No risk, no fun" http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827508,00.html
Nicht alle Latten im Zaun. Auch ein Spruch, aber einer aus Deutschland. Wie viele politische Dynamitfischer aus dieser Ex-Partei lagern eigentlich noch in irgendwelchen Polit-Seilschaften und werden die alle noch plaziert, bevor die FDP endlich Geschichte wird?
3.
McMacaber 14.04.2012
und auf die frage, ob der bnd foltern erlaubt bekommen solle, folgt dann, "no pain, no gain". aber wo ist das problem? das hier mal jemand auf die politikersprech verzichtet? auslandsspionage duerfte auch in unseren tagen am effektivsten im ausseneinsatz sein - und nicht im sicheren buero mit wikipedia.
4.
Bernd L. Auert 14.04.2012
Zitat von sysopdapdEr gilt als sicherheitspolitischer Hardliner - doch was der neue BND-Chef Gerhard Schindler jetzt in einem Interview sagt, dürfte auch seine Förderer in der Berliner Politik erschrecken. Deutsche Agenten müssten häufiger Risiken eingehen, meint der neue Boss. Seine Devise: "No risk, no fun" http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,827508,00.html
So ein Blödsinn, wer bei dem Bundesnachrichtendienst an James Bond denkt, zeigt dass er keine Ahnung von den Methoden der Institution hat. Sollte es wirklich "oft um Leben und Tod" gehen, sollte man sich allerdings tatsächlich überlegen ob man die Agenten nicht dazu berechtigt, eine Schusswaffe zu tragen. Das dürfen Angehörige des BND nämlich in aller Regel nicht.
5.
prolet20.4 14.04.2012
Nur mit dem guten Personal fängt man die dicken Fische. http://www.manband-archive.com/memorabilia/graphics/wallpaper/alfred-e-neuman-1024x768.jpg
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Sicherheitsdienste in Deutschland
Bundesamt für Verfassungsschutz
Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) ist als Inlandsnachrichtendienst dem Bundesinnenministerium unterstellt. Hauptaufgabe der rund 2500 Mitarbeiter ist es, Bestrebungen gegen die "freiheitlich demokratische Grundordnung" zu überwachen. Links- und rechtsextremistische Parteien aus dem In- und Ausland stehen im Fokus des Bundesamtes, in der Folge des 11. September 2001 auch verstärkt islamistische Vereinigungen. Neben dem Bundesamt gibt es noch 16 Landesbehörden für Verfassungsschutz, die den jeweiligen Länderinnenministerien zugeordnet sind.
Bundeskriminalamt und Landesämter
Das Bundeskriminalamt ist die oberste Polizeibehörde des Landes. Die rund 5500 Mitarbeiter sind dem Bundesinnenministerium unterstellt. Das BKA soll die Ermittlungen der 16 Landeskriminalämter und die internationale polizeiliche Zusammenarbeit koordinieren. BKA-Beamte ermitteln selbst bei so genannten Staatsschutzdelikten, darunter fallen unter anderem Straftaten im Bereich Terrorismus, Links- und Rechtsextremismus oder Waffenhandel. Auch für den Schutz wichtiger Staatsorgane wie Bundesregierung und Bundespräsident zuständig. BKA-Hauptsitz ist Wiesbaden.
Bundespolizei
Bis vor fünf Jahren wurde sie als "Bundesgrenzschutz" bezeichnet - nach der ursprünglichen Hauptaufgabe: die nationalen Grenzen zu sichern. Heute hat die Bundespolizei zusätzliche Aufgaben. Sie ist unter anderem zuständig für den Schutz des Bahn- und Luftverkehrs, deshalb sieht man die meisten der insgesamt rund 40.000 Bediensteten an Bahnhöfen und Flughäfen. Die Bundespolizei unterstützt das BKA beim Personenschutz. Die Anitterror-Eingreifgruppe GSG 9 ist ihr unterstellt. Das Bundespolizeipräsidium sitzt in Potsdam und ist dem Bundesinnenministerium nachgeordnet. Jedes der 16 Bundesländer verfügt wiederum über eine eigene Polizei, die den jeweiligen Innenministern unterstehen.
Bundesnachrichtendienst
Der Bundesnachrichtendienst (BND)ist Deutschlands Auslandsnachrichtendienst und untersteht direkt dem Chef des Bundeskanzleramts. Hauptaufgabe des BND ist es, sicherheitsrelevante Informationen zu sammeln. Die Bandbreite der Tätigkeiten reicht von Auswertung von Presseartikeln über Anwerbung von Agenten im Ausland bis zur Überwachung von Telefonaten, Chats und E-Mails. Der BND ermitteltet auch gegen Organisierte Kriminalität, Waffen- und Drogenschmuggel. Hauptsitz des BND ist Pullach bei München, 2013 soll der Dienst in seine neue Zentrale nach Berlin ziehen.
Militärischer Abschirmdienst
Der Militärische Abschirmdienst (MAD) wurde im Kalten Krieg gegründet, um Spionage des Ostblocks abzuwehren. Eine gesetzliche Grundlage gibt es erst seit 1990. Der MAD untersteht dem Bundesverteidigungsministerium und sammelt Informationen über verfassungsfeindliche Bestrebungen innerhalb der Bundeswehr und über äußere Aktivitäten gegen die Armee, etwa Spionage. Der MAD schützt Einrichtungen der Bundeswehr, auch Kasernen im Ausland. Mit rund 1200 Mitarbeitern übernimmt er die Sicherheitsüberprüfungen von Angehörigen der Bundeswehr. Hauptsitz ist eine Bundeswehrkaserne in Köln.
Zoll
Der Zoll mit seinen rund 37.000 Mitarbeitern untersteht dem Bundesfinanzministerium. Das Zollkriminalamt (ZKA) steuert und überwacht die Arbeit der Zollfahnder. Sitz des ZKA ist Köln. Von hier aus unterstützen 400 Mitarbeiter die Zollfahnder bei Ermittlungen in den Bereichen Steuerhinterziehung, Geldwäsche, Drogen- und Waffenschmuggel. Der Zoll hat mittlerweile in vielen Bereichen polizeiähnliche Kompetenzen. Das ZKA etwa hat eine eigene spezielle Einsatzgruppe: Die 36 Mann starke Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) ist vergleichbar mit den Sondereinsatzkommandos der Polizei.