Neuer Gesundheitsminister Bahr: Geschmeidiger Posterboy

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Und schon wieder bekommt Angela Merkel eine Nachwuchskraft für ihr Kabinett: Daniel Bahr, der neue Gesundheitsminister, ist jung, smart und ein Hoffnungsträger der kriselnden FDP. Doch kaum jemand weiß, wofür der 34-Jährige inhaltlich steht.

Daniel Bahr: Smarter Blitzstarter Fotos
DPA

Hamburg - Die Karriere erscheint ein wenig unheimlich: Mit 14 Jahren in die Politik, mit 26 kam er in den Bundestag, und nun wird Daniel Bahr als gerade einmal 34-Jähriger neuer Minister für Gesundheit in der Bundesregierung. Seine Karriere wirkt, als habe der FDP-Politiker seinen Aufstieg minutiös geplant.

Auch wenn das übertrieben sein mag, auffällig ist: Die Biografie des Liberalen weist keine Brüche auf. Bahr hat eine Banklehre gemacht, er studierte Volkswirtschaft, kam noch vor dem Abschluss in den Bundestag - und wurde im Herbst 2009 Staatssekretär unter dem designierten FDP-Chef Philipp Rösler.

Der nun zweitjüngste Minister - CDU-Familienministerin Schröder ist ein Jahr jünger - verdankt seine Karriere wesentlich dem mittlerweile in Ungnade gefallenen Guido Westerwelle. Auch wenn Bahr am Sturz des Außenministers beteiligt war - als Gegner des Noch-Parteivorsitzenden kann man ihn wahrlich nicht bezeichnen.

Dabei ist er der perfekte Anti-Westerwelle: Bahr wirkt jugendlich und pragmatisch, er kann Politik verkaufen und macht auf viele Beobachter einen durchaus sympathischen Eindruck. Der wichtigste Grund dafür: Das offen zur Schau getragene Freund-Feind-Denken, die Verbissenheit von Westerwelle geht ihm völlig ab. Anders als sein Förderer war Bahr nie Außenseiter, musste sich nie gegen einen linken Öko-Mainstream zur Wehr setzen. Sein marktliberales Credo wurde von Altersgenossen vielleicht ein wenig belächelt - aber ausgegrenzt wurde er in den Neunzigern nicht. Deswegen wirkt Bahr wesentlich gelassener als Westerwelle.

Posterboy im Wahlkampf

Bahrs Stärken liegen zweifellos in der Außenwirkung. Als Chef der Jungen Liberalen verschaffte er dem bis dato profillosen Verband parteiinternes Gewicht und machte mit Angriffen auf den Westerwelle-Vorgänger Wolfgang Gerhardt auf sich aufmerksam. Zwischen 1999 und 2004 verdoppelten sich die Mitgliederzahlen.

In seiner Heimat Münster erinnern sich die Liberalen grinsend, wie der Jungpolitiker im Landtagswahlkampf 2000 zum Posterboy wurde: Auf einem Plakat raufte der smarte 23-Jährige sich die Haare - wegen der rot-grünen Bildungspolitik. Das Plakat sei so beliebt gewesen, dass 14- bis 18-jährige Mädchen in der Geschäftsstelle der FDP angerufen hätten. Sie - so erzählen es jedenfalls Bahrs Vertraute - wollten sich das Plakat ins Zimmer hängen. Fast so, als sei er Mitglied einer Boygroup.

Klar: Eine Geschichte wie diese erscheint nur bei dem neuen Typus FDP-Politiker wirklich vorstellbar. Wie Bahr machen ja auch Rösler (38) und Generalsekretär Christian Lindner (32) auf Plakaten eine gute Figur.

Allen drei gemein ist aber auch, dass man bislang nicht weiß, wofür sie eigentlich stehen. Wie wollen sie die FDP aus der Krise führen? Dazu hat man bislang wenig gehört von der jungen Garde. Bekannt ist nur, dass sie weniger Berührungsängste gegenüber Grünen und Sozialdemokraten haben.

"Wildsau"-Attacke gegen den Koalitionspartner

Bahrs Problem ist zudem: Er wirkt ein wenig arg geschmeidig, man könnte auch sagen: aalglatt. Nur wenige Wortmeldungen von ihm sind wirklich in Erinnerung geblieben. Die bekannteste ist sicher seine Attacke auf die CSU: 2010 verglich er das Verhalten des Koalitionspartners bei der Kopfpauschale mit "einer Wildsau". Im Januar 2005 zog er sich den Zorn des politischen Gegners und der Sozialverbände zu - mit der Äußerung: "In Deutschland kriegen die Falschen die Kinder." Statt sozial Schwachen müssten mehr Akademiker Kinder bekommen. Später entschuldigte Bahr sich für seine Wortwahl.

Der 34-Jährige ist bereits seit neun Jahren Berufspolitiker. Er hat vor dem Einzug ins Parlament nie wirklich gearbeitet - sieht man einmal von der Lehre bei der Dresdner Bank ab. Beruflich sozialisiert wurde Bahr vor allem im Bundestag. Als Chef der Jungen Liberalen war er nie groß mit inhaltlichen Vorstößen aufgefallen. Deshalb machten ihm seine Förderer klar, dass er sich unbedingt auf einem Gebiet spezialisieren musste. Bahr wählte die Gesundheitspolitik, auch weil er damit sein Lieblingsthema Generationengerechtigkeit konkreter angehen konnte.

2005 wurde er gesundheitspolitischer Sprecher, lieferte sich öffentlich scharfe Wortgefechte mit der SPD-Ministerin Ulla Schmidt. Nach dem schwarz-gelben Wahlsieg 2009 stieg er fast folgerichtig zum Staatssekretär auf. Die Beförderung auf den Chefposten kommt nun eigentlich etwas früh. Doch früh dran war er in seiner Karriere schon öfter.

Bislang hat es ihm nie geschadet.

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insgesamt 166 Beiträge
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1. Ist das nicht klar lieber SPON
jocurt, 10.05.2011
Zitat von sysopUnd*schon wieder*bekommt*Angela Merkel eine Nachwuchskraft für ihr Kabinett: Daniel Bahr, der neue Gesundheitsminister, ist jung, smart und ein Hoffnungsträger der kriselnden FDP. Doch kaum jemand weiß, wofür der 34-Jährige inhaltlich steht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,761725,00.html
für eine Turbokarriere mit entsprechendem Parteibuch. Frei von sozialem Gewissen. Wenn es einen gibt, der Hüften ab 60 verbietet, wird er es sein. Das Gsundheitsministerium nimmt ja wohl den Charakter eines öffentlichen Etablissements an.
2. nun ja
minoru 10.05.2011
"Der 34-Jährige ist bereits seit neun Jahren Berufspolitiker. Er hat vor dem Einzug ins Parlament nie wirklich gearbeitet - sieht man einmal von der Lehre bei der Dresdner Bank ab." *ironie an* Solche Menschen braucht das Land! *ironie aus*
3. Dr.
Redigel 10.05.2011
Noch so ein Polit-Eunuch. Die FDP verjüngt sich und alle sehen irgendwie gleich aus. Aalglatt und Eunuch muss man danur sein...
4. vielleicht...
fritz_64 10.05.2011
von seinem ehemaligen Arbeitgeber in die Politik geschickt worden und nach der Fusion mit der Commerzbank dort vergessen worden? Nein...wird sicher auch dort noch in den Büchern geführt, weil nützlich. „Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Wirtschaft.“ Frank Zappa
5. Inhalt
LeisureSuitLenny 10.05.2011
Zitat von sysopUnd*schon wieder*bekommt*Angela Merkel eine Nachwuchskraft für ihr Kabinett: Daniel Bahr, der neue Gesundheitsminister, ist jung, smart und ein Hoffnungsträger der kriselnden FDP. Doch kaum jemand weiß, wofür der 34-Jährige inhaltlich steht. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,761725,00.html
Wofür soll er schon inhaltlich stehen - welchen Einfluss hat das? Traut er sich überhaupt für irgendwas zu stehen? Ich behaupte: am desolat organisierten, von Lobbyismus durchzogenen und überteuerten Gesundheitssystem wird sich auch mit ihm überhaupt nichts ändern. Ausser das es teurer wird, wie bei allen Krankenverwaltern.
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Die FDP-Vorsitzenden von Heuss bis Westerwelle
Theodor Heuß
1948-1949: Verzichtet auf den Parteivorsitz und wird erster Bundespräsident
Franz Blücher
1949-1954: Zunächst Vorsitzender ohne Parteitagsvotum, seit 1949 Bundesminister für den Marshall-Plan und seit 1953 für europäische Zusammenarbeit, für FDP-Verluste 1953 verantwortlich gemacht und nicht wiedergewählt
Thomas Dehler
1954-1957: Nach hefigem parteiinternen Streit um die West-Ausrichtung der deutschen Außenpolitik deutliche Wahlniederlage für die FDP, die Dehler angelastet wird
Reinhold Maier
1957-1960: Bekommt bei seiner Wahl 1957 mit 97,8 Prozent das beste Ergebnis aller FDP-Chefs
Erich Mende
1960-1968: Bundesminister für gesamtdeutsche Fragen 1963-1966, als Gegner des neuen sozialliberalen Kurses der FDP als Parteichef abgelöst
Walter Scheel
1968-1974: Bundesaußenminister von 1969-1974, legt den Vorsitz nieder, um Bundespräsident zu werden
Hans-Dietrich Genscher
1974-1985: Außenminister 1974-1992, führt die FDP länger als jeder andere Parteichef, gibt Vorsitz wegen Kritik an seinem Führungsstil ab
Martin Bangemann
1985-1988: Wirtschaftsminister 1984-1988, verzichtet nach monatelangen Spekulation um einen Wechsel nach Brüssel auf erneute Kandidatur zum Vorsitzenden
Otto Graf Lambsdorff
1988-1993: Wird 1988 mit dem Minusrekord von 52,8 Prozent an die FDP-Spitze gewählt, kein Ministeramt als Parteichef, setzt sich 1991 über Rücktrittsforderungen hinweg und bleibt wie angekündigt bis 1993 Vorsitzender
Klaus Kinkel
1993-1995: Außenminister 1992-1998, verzichtet nach herben FDP-Wahlniederlagen auf weitere Kandidatur für den Vorsitz
Wolfgang Gehrhardt
1995-2001: Ohne Sitz im Bundeskabinett in der Zeit als Vorsitzender, wird nach Streit um den politischen Kurs an der Parteispitze abgelöst
Guido Westerwelle
seit 2001: Außenminister vom 28. Oktober 2009 an.