Friedrich-Nachfolger Schmidt Endlich Minister

Der neue Mann im Landwirtschaftsministerium kommt als eher untypischer CSU-Vertreter daher: Christian Schmidt ist Protestant, leise, ironisch. Lange musste er auf seinen Aufstieg warten. Agrarexperte muss er allerdings erst noch lernen.

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Berlin/München - Jetzt wird es also Christian Schmidt. Als ministrabel galt der 56 Jahre alte CSU-Mann aus dem mittelfränkischen Örtchen Obernzenn schon länger. Und als einer, der über Parteigrenzen hinweg als politischer Profi im Berliner Regierungsviertel geschätzt wird.

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Heft 8/2014
Der Fall Friedrich, der Fall Edathy

Der neue Landwirtschaftsminister wirkt so ziemlich wie das Gegenteil des typischen CSU-Haudraufs, so wie ihn der jetzige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt als Generalsekretär darstellte. Der Protestant Schmidt ist kein Lautsprecher, sondern im positiven Sinne ein Leisetreter. Ironisch, sachlich.

Aber man sollte den stellvertretenden CSU-Chef und langjährigen Staatssekretär im Verteidigungsministerium nicht unterschätzen: Eine solche Karriere macht man nicht ohne die dafür nötige Härte. Nur sieht man sie dem oft verschmitzt lächelnden Schmidt eben nicht an.

In der CSU gab es schon immer diese zwei Kategorien von Politikern - die einen treten nach außen auf, hauen auf den Putz und machen schillernd Karriere, wie Horst Seehofer oder Dobrindt. Die zweite Sorte tickt anders. Diese Leute kennen sich in ihrem Fach aus, sehen Details und sorgen dafür, dass der Regierungsapparat in Bayern wie im Bund läuft. Gerda Hasselfeldt, die Landesgruppenchefin gehört dazu, oder eben auch Christian Schmidt, zuletzt Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium. Ihre Karriere verläuft oft ein bisschen langsamer.

Kein Agrarexperte

Aber nun hat es im Zuge der Edathy-Affäre auch Schmidt geschafft. Erst vor zwei Monaten war er als Staatssekretär vom Verteidigungsministerium ins Entwicklungshilfeministerium gewechselt, jetzt wird er mit seinem bisherigen Chef Gerd Müller gemeinsam am Kabinettstisch sitzen.

Als Agrarexperte ist der Jurist Schmidt bislang allerdings nicht aufgefallen. Er ist vor allem in der Außen- und Verteidigungspolitik gut verdrahtet. Für die bayerische Regionalpartei, die sich gern als politische Kraft über die Grenzen des Freistaats hinweg gebärdet, spielte er daher eine wenig wahrgenommene, aber durchaus wichtige Rolle. CSU-Chef Seehofer interessiert sich kaum für Außenpolitik. Da Schmidt auch stellvertretender Parteichef ist, ließ sich Seehofer schon mal bei Treffen mit Merkel und dem Koalitionspartner von ihm vertreten, vor allem, wenn es während der Euro-Rettung um allzu sperrige Themen ging.

Als einer der wenigen in der Partei hält er noch regelmäßig Kontakt zu Ex-Kanzlerhoffnung Karl-Theodor zu Guttenberg. Als Staatssekretär im Entwicklungshilfeministerium hatte er rasch die Zügel in die Hand genommen. Ideen zur Zusammenarbeit von Bundeswehr und Entwicklungshelfern hatte er schon früh entwickelt.

Dass Schmidt seine Aufgaben ruhig und souverän erledigt, wird in Berlin, wo Angela Merkels leise Tonlage die Musik bestimmt, hoch geschätzt - in der CSU aber ist zu viel Seriosität der Karriere nicht dienlich. Das musste auch Schmidt erkennen. Viele Male wurde er übergangen, als es um wichtige Posten ging. Zuletzt im vergangenen Dezember. Schon damals hätte Schmidt in der Großen Koalition eigentlich Minister werden müssen. Damals musste er allerdings Gerd Müller als Entwicklungshilfeminister den Vortritt lassen.

Man brauchte einen Franken

Zwar hat der vom Thema längst nicht so viel Ahnung wie Schmidt - allerdings hatten die Schwaben in der CSU nach mehreren Personalverlusten eine Kompensation gut. Jetzt passte es gut, dass mit Hans-Peter Friedrich ein Franke ersetzt werden musste. Der Weg für den Fürther Schmidt war frei.

Wobei: Ganz reibungslos verlief Schmidts Aufstieg nicht. Horst Seehofer wägte seit vergangenem Freitag mehrere Optionen. So war im Gespräch, dass Entwicklungshilfeminister Müller ins Agrarressort wechselt. Dann hätte Schmidt das Entwicklungshilferessort übernehmen können, ein Haus, das besser zu ihm gepasst hätte. Doch Müller wollte die Rochade nicht, er winkte ab. Angedacht war wohl auch, Landesgruppenchefin Hasselfeldt zu einem Wechsel ins Agrarministerium zu bewegen. Dann hätte Hans-Peter Friedrich erneut das werden können, was er schon einmal war: Landesgruppenchef.

Für die CSU, die nach dem Abgang Friedrichs auf Rache sinnt, wäre das eine schöne Rochade gewesen: Friedrich hätte ein Blitz-Comeback geschafft, dazu noch auf einem richtig mächtigen Posten. Doch Hasselfeldt, so ist zu hören, wollte nicht. Blieb Schmidt.

Schmidts Reden verlangen genaues Hinhören und oft auch viel Sitzfleisch. Wenn der Mittelfranke spricht, so witzeln sie in der CSU, dann lange. Als er Ende 2012 in seinem Wahlkreis erneut als Kandidat für den Bundestag aufgestellt wurde, war der Saal voll. Zur Sicherheit hatte sich Schmidt damals als Gastredner einen geholt, der zur Sorte Lautsprecher in der CSU zählt - Bayerns Finanzminister Markus Söder.

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insgesamt 32 Beiträge
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Seite 1
Shaft13 17.02.2014
1.
Kein Problem, Ahnungslosigkeit beim jeweiligen Ressort,wo man Minister wird, ist Bedingung für den Job!!!
_stordyr_ 17.02.2014
2.
wäre ja auch eine überraschung, wenn jemand in der Regierung Ahnung von seinem Job hätte. Mal gucken, wie er denn so bei dem Genkram eingestellt ist:) Friedricht hatte ja zumindest versucht, ein paar Äusnahmen zu bekommen und das hat mir diesen Mann, der sonst nichts konnte, fast sympatisch gemacht:P
y0urselfishment. 17.02.2014
3. optional
Macht ja nix. Hat ja 4 Jahre Zeit zum Lernen. Warum auch gelerntes Fachpersonal in die Politik lassen!
Dr. Clix 17.02.2014
4. NEUWAHLEN anstat noch mehr Unwissende auf Ministerposte.
Wenn eine zu verdeckthaltene Information zur grossen Koalition geführt haben mag anstatt ein anderes Bündnis einzugehen heisst das NEUWAHLEN. Es hätten weniger für die SPD gestimmt falls der Pedovorwurf bekannt geworden wäre, wenn nicht bekannt geworden kann das ein Angebot gewesen sein auf jeden Fall eine grosse Koalition zu bilden - Typ Erpressung. Gab ja auch schöne Ministerposten..Bei einer Ampel wärs wohl anders - man stelle sich das nur ohne die SPD vor...
gog-magog 17.02.2014
5. Qualifikation Fehlanzeige, es geht um den Fressnapf von Seehofers Gnaden
Zitat von sysopDPADer neue Mann im Landwirtschaftsministerium kommt als eher untypischer CSU-Vertreter daher: Christian Schmidt ist Protestant, leise, ironisch. Lange musste er auf seinen Aufstieg warten. Agrarexperte muss er allerdings erst noch lernen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/neuer-landwirtschaftsminister-schmidt-von-der-csu-a-953890.html
Ob Glos ob Friedrich ob Sonstwer, jeder Franke im Kabinett wird immer nur der Quotenfranke von Seehofers Gnaden sein.
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