Neuer Streit mit Italien: Zypries protestiert gegen Hitler-Wein

Seit Jahren verkauft eine italienische Firma Wein mit dem Konterfei Hitlers auf dem Etikett. Bislang konnte die deutsche Justiz dagegen nichts unternehmen, weil die Flaschen nur in Italien verkauft wurden. Nun werden sie auch im Internet angeboten - Anlass für einen neuen Vorstoß der Justizministerin.

Rund 30.000 Flaschen mit den Porträts von Hitler, Stalin und Mussolini werden jedes Jahr verkauft
AP

Rund 30.000 Flaschen mit den Porträts von Hitler, Stalin und Mussolini werden jedes Jahr verkauft

Berlin - Brigitte Zypries hat nun bei Italiens Regierung protestiert. Eine Sprecherin des Ministeriums bestätigte am Donnerstag einen Bericht des TV-Magazins "Kontraste", wonach die Ministerin in einem Brief an ihren römischen Amtskollegen Roberto Castelli ihr Missfallen darüber zum Ausdruck gebracht habe.

Sie halte diese Art der Präsentation mit nationalsozialistischen Symbolen für verwerflich und geschmacklos. Castelli solle sich der Sache annehmen. Nach Angaben des Magazins will auch die bayerische Justiz gegen den Produzenten des Weins vorgehen.

Der ARD-Sendung zufolge werden pro Jahr 30.000 Weinflaschen mit Porträts von Hitler und anderen Mitgliedern der Nazi-Führung auf dem Etikett produziert. Ein Produzent aus der Region Udine, die an Österreich grenzt, stelle sie speziell für den deutschen Markt her. Erhältlich soll der Wein unter anderem in Tankstellen eines Netzes in Italien sein, an dem auch der italienischen Staat beteiligt sei, hieß es.

Auf der Homepage des Produzenten sind die Etiketten im einzelnen aufgeführt. Sie zeigen mehrfach Hitler - unter anderem mit ausgestrecktem rechtem Arm, auch unterlegt mit dem Nazi-Spruch: "Ein Volk, ein Reich, ein Führer". Der Produzent bietet ferner Wein mit dem Konterfei von Italiens Faschistenführer Benito Mussolini und des sowjetischen Diktators Josef Stalin an.

"Kontraste" zufolge ist der Verkauf in Italien nicht verboten. In ihrem Brief verweist Zypries nach Angaben ihres Ministeriums hingegen darauf, dass der Verkauf in Deutschland wegen der Nazi-Etiketten unter Strafe stehen würde. Mit Blick auf die EU-Ratspräsidentschaft Italiens erinnert sie zudem daran, dass man in Europa zu einheitlichen Grundlagen für die Strafbarkeit von Nazi-Propaganda kommen wolle. Sie ermuntert Castelli, dieses Vorhaben nun stärker voranzutreiben.

Nach Angaben aus dem Ministerium ist die deutsche Botschaft in Rom schon mehrfach bei der Regierung Italiens vorstellig geworden. Bislang allerdings ohne Erfolg. Nach Angaben von "Kontraste" könnte die deutsche Justiz nun vielleicht selbst eingreifen, weil die Flaschen auch über das Internet vertrieben werden.

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